Die "1,3" reicht nicht für Medienwissenschaft

Die "1,3" reicht nicht für Medienwissenschaft

22 Interessenten auf einen Platz - Rekord auch bei ausländischen Bewerbern an der Bonner Universität

Bonn. Ab Dienstag herrscht Hochbetrieb im Studierendensekretariat der Bonner Universität, denn jetzt schreiben sich wieder die Neuen ein. Und da sind Rekorde zu erwarten, denn mit rund 4 000 haben sich mehr ausländische Bewerber als je zuvor an der Alma mater gemeldet. Großen Ansturm gab es erneut auf den im Jahr 2000 gestarteten Studiengang Medienwissenschaft: Auf 60 Plätze kamen 1 338 Bewerber. Selbst bei Abi-Traumnote 1,3 musste laut Uni-Sprecher Andreas Archut gelost werden. Gefragt waren auch Psychologie als Nebenfach - 92 Plätze, 378 Bewerber - und die "Regionalwissenschaften Nordamerika": 123 Bewerber auf 56 Plätze.

Gespannt ist man in der Universität, ob sich die unklare Zukunft der Lehramtsstudiengänge in Bonn auf die Einschreibungszahlen auswirkt. Die Zentrale Studienberatung ermuntert jedoch die Interessenten, denn wer in diesem Jahr hier sein Studium aufnimmt, hat einen Rechtsanspruch, es an Ort und Stelle beenden zu können. Über die Regelstudienzeit von neun Semestern hinaus bleibt dazu ein weiteres Jahr Zeit. Das gilt auch für den Magisterstudiengang Erziehungswissenschaft.

Das weitere Schicksal des Instituts hängt mit der Entwicklung des Lehramts zusammen: Werden in Bonn auch künftig Lehrer ausgebildet, darf die Pädagogik nicht dichtmachen. Zum 1. Oktober 2008 werden die Magisterstudiengänge Erziehungswissenschaft und Sportwissenschaft sowie alle Studiengänge für das Lehramt in Bonn aufgehoben. Die Universität bewirbt sich aber darum, vom Wintersemester 2002/03 an sieben Jahre lang die Lehrerausbildung nach einem Bachelor-Master-Modell zu erproben. An dem entsprechenden Konzept, das bis zum Jahresende in Düsseldorf eingereicht werden muss, wird zur Zeit eifrig gestrickt.

Federführend dabei: die Arbeitsgruppe des Rektorats "Zukunft der Lehrerinnen- und Lehrerbildung" um Prorektor Matthias Herdegen und das junge "Bonner Ausbildungszentrum für Lehrerinnen und Lehrer" (BALL). Das "Bonner Modell" für die Lehrerausbildung soll auf zwei Komponenten beruhen: der Konzentration auf Bildungstheorie und Didaktik im erziehungswissenschaftlichen Studienanteil sowie der Ausweitung auf Vermittlungskompetenzen, wie sie auch außerhalb des Lehrerberufs gebraucht werden.

Im Expertenratsbericht, auf den sich das Ministerium stützt, war die mangelhafte personelle Ausstattung der Bonner Fachdidaktik gerügt worden. Um Einschnitte in anderen Bereichen gering zu halten, sollen nun fächerübergreifende didaktische Lehrstühle eingerichtet werden. Am Ende müssen die Fakultäten entscheiden, ob sie das Konzept mittragen. Während die Theologischen Fakultäten und auch die Mathematisch-Naturwissenschaftliche sich dafür ausgesprochen haben, ist die Landwirtschaftliche noch unschlüssig. Dekan Rudolf Galensa: "Wir stehen der Sache kritisch gegenüber, denn die Fakultät kann keine zusätzlichen Stellen für die Fachdidaktik aufbringen." Die endgültige Entscheidung soll im Wintersemester fallen. Stiege die Landwirtschaftliche Fakultät aus der Lehrerausbildung aus, gäbe es in Nordrhein-Westfalen kein Studienangebot für Ernährungs- und Hauswirtschaftswissenschaften sowie Lebensmitteltechnologie für den Schuldienst mehr.

In der Philosophischen Fakultät, die am stärksten in der Lehrerausbildung engagiert ist, stehen laut Dekan Georg Rudinger "die Zeichen auf Erhalt". In verschiedenen Sondersitzungen seien eigene Konzepte zur gestuften Lehrerausbildung konkretisiert worden, und zur Zeit arbeiteten die einzelnen Fächer an den jeweiligen inhaltlichen Komponenten der Studienordnungen. In der Fakultätsratssitzung am 24. Oktober werde dann auf der Basis des Erarbeiteten der definitive Beschluss herbeigeführt.

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