Die eigene Kunst analysieren: Das Selbstbild im Bild

Die eigene Kunst analysieren : Das Selbstbild im Bild

Ein Bild zu malen ist das Eine. Die eigene Kunst unter psychologischen Aspekten zu analysieren das Andere. Die rumänische Malerin Ioana Palamar, derzeit Stipendiatin an der Alanus Hochschule in Alfter, widmet sich in ihrer Doktorarbeit beiden Facetten des künstlerischen Schaffens. I

hr Thema ist das Selbstporträt, sowohl in der zeitgenössischen Malerei ihres Heimatlandes als auch das eigene. "Ich möchte eine Verbindung zwischen Psychologie und Kunst herstellen", sagt die 26-Jährige. Ihr Ziel neben einer gute Note: "Mich und meine Kunst besser zu verstehen."

Palamar studiert in der Studentenstadt Iasi im Osten Rumäniens seit acht Jahren Malerei. Ihre Doktorarbeit ist in erster Line praktisch ausgerichtet. Allerdings möchte sie auch eine psychologische Komponente mit einbringen. "Warum habe ich vor einigen Jahren noch anders gemalt?", fragt sie beispielsweise. Oder: "Wie passt mein melancholisches Temperament zu meiner Bildkomposition und Technik?"

Um Fragen wie diese zu beantworten, hat sich Palamar in ganz Europa nach Möglichkeiten umgesehen, einen kunsttherapeutischen Aspekt in ihr Studium einfließen zu lassen. Fündig geworden ist sie an der Alanus Hochschule. Für ein Semester hat sie ein vom Erasmus-Programm gefördertes Stipendium bekommen und besucht verschiedene Veranstaltungen zum Thema Kunst und Psyche in Alfter. In Rumänien hätte sie nur die Möglichkeit gehabt, zu einigen Kursen ins sechs Busstunden entfernte Bukarest zu reisen.

Professor Harald Gruber leitet den Fachbereich für künstlerische Therapien und hält Palamars Ansatz für sehr interessant: "Sie stellt sich den Fragen als Künstlerin und gleichzeitig aus theoretisch-inhaltlicher Sicht. Auch große Künstler, angefangen bei Dürer, haben sich immer wieder mit sich selbst beschäftigt." Er begleitet die Studentin gern auf ihrem Weg. Ob er die Doktorarbeit allerdings wird verstehen können, ist fraglich: Palamar schreibt auf Rumänisch.

Die 26-jährige, die nach drei Monaten in Alfter hervorragendes Deutsch spricht, überlegt noch, ob sie in ihre Heimat zurückkehren wird. "Dort habe ich nie ein Kunstwerk verkauft", sagt sie. In Bonn hingegen hat sie bereits zwei Tage in der Kunststation in der Südstadt ausgestellt - und sogar ein Werk zu Geld gemacht. "Die Menschen sind hier offener", sagt sie.