Studie der Universität Bonn: Cannabis kehrt Alterungsprozesse im Gehirn um

Studie der Universität Bonn : Cannabis kehrt Alterungsprozesse im Gehirn um

Die Universität Bonn hat in einer Studie in Kooperation mit der Hebräischen Universität in Israel herausgefunden, dass Cannabis die Alterungsprozesse im Gehirn umkehren kann.

Es gibt so eine ganz spezielle Kategorie Nachricht, die oft mit einem Satz beginnt, der in etwa so lautet: „Australische Forscher haben herausgefunden, ...“ In der Regel folgen boulevardeske Quatsch-Zuspitzungen à la „...dass Männer namens Rolf die besten Liebhaber sind“ oder „...dass es nachts kälter ist als draußen“.

Meist haben die Wissenschaftler hinter solchen Studien in eine ganz andere Richtung geforscht, ihre Erkenntnisse den Medienprofis ihrer Hochschule mitgeteilt, welche wiederum den Inhalt sehr zugespitzt herausgeben, damit die Presse darauf anspringt, welche ihrerseits dann nochmals zuspitzt und dem Leser nur noch einen hochgejazzten Randaspekt als seriöse Wissenschaftssensation verkauft. Einerseits.

Andererseits ist da die Uni Bonn, die nun vermeldet: „Cannabis kehrt Alterungsprozesse im Gehirn um.“ Potzblitz!, denkt sich der Leser, während er schon im Auto nach Amsterdam sitzt. Doch auch hinter dieser Meldung steckt seriöse Forschung, die vor allem Alzheimerpatienten einmal helfen könnte.

Mit Kollegen der Hebräischen Universität in Israel haben Professor Andreas Zimmer und Wissenschaftler vom Institut für Molekulare Psychiatrie nach langjähriger Arbeit nachgewiesen, dass schon durch die geringe Gabe von THC, dem aktiven Inhaltsstoff der Hanfpflanze, nach vier Wochen die Gedächtnisleistung ansteigt.

Das liegt im Kern daran, dass die körpereigenen Cannabinoide im Laufe der Jahre weniger werden – das Gehirn altert dadurch schnell. Durch die Gabe von THC wird dieser Prozess sogar umgekehrt. Die Bonner Forscher untersuchen seit rund 15 Jahren an Mäusen das System der Rezeptoren, auf die Cannabis wirkt. Alle Ergebnisse zeigten, dass dieses sogenannte Endocannabinoidsystem als Teil des Nervensystems, alle Alterungsprozesse beeinflusst. "Die Aktivität des Systems nimmt bei alternden Tieren ab und geht einher mit typischen Alterungssymptomen, wie Osteoporose, runzeliger Haut und abnehmender Kognitions-Leistung", sagte Zimmer. Abnehmende Aktivität des Systems und Alterserscheinungen gehen demnach Hand in Hand.

Die Wissenschaftler fragten sich, ob sich die nachlassende Aktivität des Systems im Alter durch die Stimulation mit einem Cannabis-Wirkstoff umkehren lässt. Sie gaben alten Mäusen THC. "Auf einmal verhalten sich die alten Tiere wie die jungen. Wir können ein Tier, das eineinhalb Jahre alt ist, nicht mehr unterscheiden von einer jungen Maus", sagte Zimmer. Die Lern- und Gedächtnisleistung sei viel besser als die von unbehandelten alten Tieren.

Dass die Ergebnisse vielleicht auch auf den Menschen übertragbar seien, dazu gebe es allerdings Hinweise aus Israel: Bewohner eines Altersheims mit Appetitlosigkeit und Schlafstörungen hatten Cannabis bekommen. "Viele darunter waren daraufhin auch geistig wesentlich reger", sagte Zimmer. Die Ergebnisse und Erfahrungen daraus hätten dazu geführt, dass in Israel Cannabis für geriatrische Patienten unter klinisch kontrollierten Bedingungen untersucht werde.

In Bonn wollen die Wissenschaftler die Wirkung nun genauer untersuchen. Es gehe nicht darum, Hanf anzubauen, um es alten Menschen zu verkaufen, sagte Zimmer: Es gehe um die Entwicklung eines Medikamentes und die kontrollierte Einnahme. Medizinisches Marihuana sei schon lange untersucht: "In diesem Zusammenhang wissen wir, dass praktisch alles, was in der Maus funktioniert, auch im Menschen funktioniert. Von daher bin ich vorsichtig optimistisch, dass die Ergebnisse vielleicht übertragbar sind", sagte Zimmer. (mit Material von dpa)

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