Entdeckung in Nevada: Bonner Forscher bergen ältestes Meeresraubtier

Entdeckung in Nevada : Bonner Forscher bergen ältestes Meeresraubtier

Flipper als riesiges Meeresmonster – so etwa kann man sich den Ichthyosaurier Thalattoarchon saurophagis – zu Deutsch „saurierfressender Meeresherrscher“ – vorstellen, der vor rund vor rund 244 Millionen Jahren der Schrecken der Ozeane war. Mit 8,6 Meter Länge und seinen scharfen Reißzähnen war er der wohl größte Meeresräuber seiner Zeit. Jetzt hat ein internationales Wissenschaftler-Team einen dieser riesigen fossilen Meeresräuber in Nevada (USA) geborgen.

Professor Martin Sander, Paläontologe an der Universität Bonn, war 1998 bei der Entdeckung beteiligt und leitete später die Analysen des sensationellen Funds. Mit Unterstützung der National Geographic Society konnte die aufwändige Bergung durchgeführt werden. Der Ichthyosaurier wird nun in der Zeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS) diese Woche online publiziert. Denn jetzt erst ist der Ichthyosaurier mit dem Namen Thalattoarchon saurophagis wissenschaftlich beschrieben.

Es handelt sich um einen frühen Vertreter der Ichthyosaurier, einer Gruppe mariner Reptilien, die zeitgleich mit den Dinosauriern lebte und 160 Millionen Jahre lang die Meere des Erdmittelalters dominierte. Thalattoarchon hatte einen mächtigen Schädel und die Kiefer waren mit großen Zähnen bewehrt, die scharfe Schneidekanten aufwiesen, mit denen andere marine Reptilien gepackt und zerlegt werden konnten.

Bei den Ichthyosauriern handelt es sich um Reptilien aus dem Erdmittelalter, die von Landwirbeltieren abstammen und sich an das Leben im Meer angepasst haben. Mit zahlreichen Arten dominierten sie 160 Millionen Jahre die Meere und ernährten sich weitgehend von Fischen, Tintenfischen und Muscheln. Nur Thalattoarchon saurophagis hatte eine Vorliebe für andere Ichthyosaurier. Die Fischechsen starben vor 93 Millionen Jahren aus.

„Der Fund kam völlig unerwartet“, erinnert sich Sander, der im Juli 1998 ein Forscher-Team in den abgelegenen Augusta Mountains in Nevada (USA) leitete. Direkt neben einem schmalen, von Wildpferden ausgetretenen Pfad entdeckten sie ein ungewöhnliches Fossil.

[kein Linktext vorhanden]„Es war sofort klar, dass es sich um einen Ichthyosaurier – also einen Fischsaurier – handeln musste. Auffallend waren aber die für Ichthyosaurier ungewöhnlichen scharfen Reißzähne“, berichtet Sander, der den Sonderforschungsbereich „Biology of the Sauropod Dinosaurs: The Evolution of Gigantism“ leitet. „Die Fischechse war wohl der größte Meeresräuber seiner Zeit, der vor allem andere Ichthyosaurier jagte“, sagt er.

Erhalten sind der Schädel bis auf die verwitterte Schnauze, Teile der Flossen und die Wirbelsäule bis zur Schwanzspitze. Die Bergung des rund 244 Millionen Jahre alten und 8,6 Meter langen Ichthyosauriers war jedoch so aufwendig, dass sie erst 2008 mit Unterstützung der National Geographic Society durch Bonner Forscher durchgeführt werden konnte. Der Transport erfolgte mit Helikopter und Lastwagen.

Beteiligt an der Forschung sind außerdem Erstautorin Dr. Nadia Fröbisch und Professor Jörg Fröbisch (beide Museum für Naturkunde Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung), Professor Lars Schmitz (W. M. Keck Science Department, Claremont McKenna, Pitzer, and Scripps Colleges, Claremont, USA) und Dr. Olivier Rieppel (The Field Museum, Chicago, USA).

„Jeden Tag lernen wir Neues über die Biodiversität unseres Planeten, sowohl in Hinsicht auf die lebenden als auch die fossilen Arten“ sagt Dr. Fröbisch. “Dieser neue Fossilfund charakterisiert die Etablierung einer neuen, modernen Ökosystemstruktur. Funde wie Thalattoarchon helfen uns die Dynamik unseres evolvierenden Planten besser zu verstehen und letztendlich auch die Auswirkungen die wir Menschen auf die Umwelt haben zu erfassen“.

„Der nun beschriebene Ichthyosaurier ist ein bedeutendes Beispiel, wie schnell die Evolution fortschreitet“, so Sander. „Vor rund 252 Millionen Jahren kam es zu einer globalen Katastrophe, bei der ein Großteil des Lebens an Land und in den Ozeanen ausgelöscht wurde. Nur rund acht Millionen Jahre nach diesem Artensterben tauchte Thalattoarchon saurophagis auf und zeigt damit an, dass zu dieser frühen Zeit schon ein im Prinzip modernes Nahrungsnetz entstanden war.“

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