Prämienprogramm für Hochschulen: 4000 Euro für jedes bestandene Examen

Prämienprogramm für Hochschulen : 4000 Euro für jedes bestandene Examen

Bisher brechen besonders in technischen Fächern bundesweit bis zu 42 Prozent der Studenten ihr Studium ab. Um dem entgegenzusteuern, zahlt Nordrhein-Westfalen jetzt als erstes Bundesland an Hochschulen Prämien für erfolgreiche Studienabschlüsse.

Ab 2016 erhalten NRW-Hochschulen 4000 Euro aus dem Hochschulpakt von Bund und Land, wenn Studierende ihr Erststudium abschließen. Außerdem bekommen die Hochschulen für jeden zusätzlichen Studienanfänger 18.000 Euro.

Bisher erhielten die Hochschulen aus dem Hochschulpakt nur Pauschalen für zusätzliche Studienplätze. Künftig wird das Geld in NRW gesplittet. Die Ministerkonferenz hatte sich zuvor auf eine "Erfolgskomponente" verständigt. Derzeit studieren an den NRW-Hochschulen mehr als 700.000 junge Menschen; für 2015 erwartet Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) erneut 120.000 Studienanfänger.

Damit hat die Zahl der Studienanfänger - auch durch den doppelten Jahrgang im "Turbo-Abitur" - gegenüber 2005 um 50 Prozent zugenommen. Für diesen Zuwachs von rund 40.000 Studenten wird die Sonderprämie gezahlt. Die Abschlussprämie begründete Schulze auch mit der Klage von Fachhochschulen, die bisher für die Ausbildung ehemaliger Uni-Studenten keine zusätzlichen Gelder kassierten.

Um Jugendlichen die Studienwahl zu erleichtern, weitet NRW zunächst im Ruhrgebiet das in Gelsenkirchen erprobte "Talent-Scouting" aus. Insgesamt sechs Hochschulen im Revier beteiligen sich an dem Projekt zur Förderung von Jugendlichen aus Nichtakademiker- und Zuwandererfamilien. Dafür wird auch ein Zentrum für Talentförderung eingerichtet. Außerdem soll das bundesweit erste Online-Angebot "Studifinder" mit Orientierungstests, Wissenstests und E-Learning-Programm die Fächerwahl erleichtern. Daneben sollen Schülern - auch in Schülerlaboren - die mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer schmackhaft gemacht werden. Bis 2020 kostet das NRW-Sonderprogramm insgesamt 80 Millionen Euro.

Ministerin Schulze erinnerte daran, dass zwar 77 Prozent der Akademikerkinder studieren, aber immer noch erst 23 Prozent der Kinder aus Nichtakademiker-Familien. "Ich will kein Talent-Scouting light", stellte Schulze klar. Das 34-Millionen-Projekt soll vielmehr die Förderung junger Menschen aus sozial schwachen Schichten sicherstellen. Bildungs-Expertin Ruth Seidl (Grüne) begrüßte das geplante Prämienmodell für Studienabschlüsse: Damit ließen sich auch Fehlanreize für die Studienwahl vermeiden. Erfahrungen in den Niederlanden zeigten, dass Prämien für Abschlüsse nicht zu einem Qualitätsverlust führten.

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