Ungleiche Erziehungsstile: Wie Helikopter-Eltern die soziale Kluft verschärfen

Ungleiche Erziehungsstile : Wie Helikopter-Eltern die soziale Kluft verschärfen

Ein Vortrag im Universitätsclub Bonn beleuchtet das Phänomen der karriereorientierten Kindererziehung aus ökonomischer Sicht. Eine These: Ungleiche Erziehungsstile verstärkten die Kluft zwischen Arm und Reich.

Klischees über sie gibt es viele: Mütter, die ihre Kinder mit dem SUV bis vor die Schultür fahren wollen. Väter, die gern schon mal mit auf Klassenfahrt gehen. Und selbstverständlich teure Nachhilfelehrer bezahlen – wenn es sein muss, auch für mehrere Fächer.

Psychologen, Soziologen und Pädagogen haben sich schon an dem Phänomen der „Helikoptereltern“ abgearbeitet. Mal mit dem Ergebnis, dass dieser sehr behütende Erziehungsstil dem Nachwuchs eher schadet, ihn unselbstständig werden lässt. Mal steht am Ende aber auch die Erkenntnis, dass Väter und Mütter, die mit diesem Etikett herumlaufen, nichts anderes tun, als das Beste für ihre Kinder zu wollen und sie vor Gefahren schützen. Was sollte falsch daran sein?

Einen wirtschaftlichen Blick auf das Helikoptern richtet nun Professor Matthias Doepke von der Northwestern University (USA) mit seinem derzeit nur auf Englisch erhältlichen Buch „Love, Money and Parenting“ (Untertitel: „Wie Wirtschaft die Art und Weise unserer Kindererziehung erklärt“). Darüber spricht der Ökonom beim ersten „Selten-Salon“ am Montag, 23. September, ab 18 Uhr im Universitätsclub Bonn, Konviktstraße 9.

Die Universitäten Bonn und Köln laden erstmals seit der Gründung des Reinhard-Selten-Instituts (2017) zu dieser Veranstaltung. Der Salon soll künftig regelmäßig zu Ehren des bislang einzigen deutschen Nobelpreisträgers im Bereich der Wirtschaftswissenschaften, Reinhard Selten, in Bonn oder Köln stattfinden. Die Vortragsabende sind öffentlich und behandeln gesellschaftspolitische Themen. Die Ausrichtung liegt in den Händen des Exzellenzclusters ECONtribute, in dem Wirtschaftswissenschaftler beider Unis zusammen forschen.

Wo Kinder mehr Freiraum haben

Was die Besucher von dem aktuellen Vortrag (er erfolgt in deutscher Sprache) erwarten können, formuliert die Bonner Professorin und „Wirtschaftsweise“ Isabel Schnabel, Sprecherin des Exzellenzclusters ECONtribute und Gastgeberin der Veranstaltung: „Doepke untersucht auf Basis der historischen Erfahrungen vieler sehr unterschiedlicher Länder, wie Ungleichheit in der Gesellschaft durch ungleiche Erziehung durch die Eltern verschärft wird. Hieraus leitet er spannende Implikationen für die Bildungs-, Familien- und Wirtschaftspolitik ab, die auch für Deutschland große Relevanz besitzen.“

Doepke will belegen, dass die ökonomischen Rahmenbedingungen unterschiedliche Erziehungsstile fördern. Er ist überzeugt: „Die zunehmende wirtschaftliche Ungleichheit seit den 70er Jahren hat das Phänomen der Helikoptereltern erst geschaffen.“ So neigten Eltern in Ländern mit hohen sozialen Diskrepanzen wie den USA oder China zu einem „intensiven“, ehrgeizigen Erziehungsstil, während die Kinder in den eher egalitären Gesellschaften Skandinaviens oder der Niederlande tendenziell mehr Freiraum genössen.

Da die Kinder von sogenannten Helikoptereltern im Schnitt wirtschaftlich erfolgreicher seien, verstärkten derart ungleiche Erziehungsstile die Kluft zwischen Arm und Reich, so Doepke. Im Anschluss an den Vortrag will der Wissenschaftler mit den Zuhörern darüber diskutieren, mit welchen politischen Maßnahmen sich wirksam gegensteuern lässt.

Zuhörer mögen sich zu dem Vortrag (Einlass ab 17.30 Uhr) bitte bis zum 9. September anmelden: per E-Mail an pakebusch@wiso.uni-koeln.de

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