Neues Format bei uni-bonn-tv: Warum sind Tränen salzig?

Neues Format bei uni-bonn-tv : Warum sind Tränen salzig?

Eine neue Reihe des Videoportals uni-bonn.tv lässt Wissenschaftler Fragen der Bürger beantworten. Sie soll nicht nur zur Information dienen, sondern einen Dialog mit der Generation Youtube aufbauen.

Auch wenn sich die Sonne in diesem Jahr meist vornehm zurückhält: An diesem Tag ist der Sommer da. Es ist heiß und schwül. Videojournalist Marcus Berinski hat sich ein Handtuch um den Nacken gehängt, mit dem er sich immer wieder durch das Gesicht wischt. Dieses Mal filmt der Freiberufler für uni-bonn.tv im Ägyptischen Museum. Danach muss er zurück ins Studio, wo er für das neue Format „Frag die Bonner Forscher“ vor der Kamera steht.

Doch zuvor gilt es einen Beitrag über die Dauerleihgabe einiger ägyptischer Objekte zu produzieren (siehe Artikel unten). Vor Drehbeginn lauscht Berinski zunächst den Anweisungen von Redakteur Denis Nasser. Welche Bilder aufgenommen werden, wie die einzelnen Bildausschnitte aussehen und welche Interviews durchgeführt werden sollen, entscheidet Nasser. Marcus Berinski ist für die Kamera verantwortlich.

„Bei uni-bonn.tv sind wir alle Allrounder“, erzählt der 30-Jährige. „Vom Exposéschreiben über die Bilderliste und Konzeption bis hin zum Schnitt übernimmt jeder von uns jeden einzelnen Produktionsschritt.“ Das mache die Arbeit abwechslungsreich und interessant. Vermutlich ist das der Grund, warum er als dienstältester freier Mitarbeiter seit rund acht Jahren dazugehört – oder seine Faszination für Wissenschaft und Forschung.

„Ich schaue mir oft populärwissenschaftliche Videos bei Youtube an, die teilweise ein Millionenpublikum erreichen. Allerdings sind diese Formate oft nur in englischer Sprache online“, sagt der Videojournalist. So entstand 2014 die Idee für eine neue Videoreihe. Rund zwei Jahre später wurde im Mai 2016 die erste Folge „Frag die Bonner Forscher“ veröffentlicht.

Bis heute verzeichnet die erste Folge auf Facebook über 5500 Aufrufe. Dabei soll das neue Format nicht nur zur Information dienen, sondern einen Dialog aufbauen. „Wir wollen die Generation Youtube ansprechen, und das auf unterhaltsame Weise“, sagt Berinski. „Ich habe mich in der Schule nie für Chemie interessiert – heute höre ich einem Professor stundenlang zu, wenn er das Periodensystem erklärt. Es ist alles eine Frage der Darstellungsform.“

Als „Wissenschaftskommunikation 2.0“ wird die Verknüpfung von dialogorientierten Kanälen wie Social Media, Podcasts, Blogs und Wikis mit der Wissenschaft bezeichnet. Insbesondere die Interaktion mit den Menschen liegt auch Berinski am Herzen. „Mir war es wichtig, dass wir nicht nur Inhalte an ein wissenschaftsaffines Publikum richten, sondern alltägliche Fragen aufgreifen wie: War zuerst die Henne da oder das Ei?“

Nach den ersten Umfragen in der Region wurden bisher drei Folgen veröffentlicht, in denen Fragen wie „Warum schmecken Tränen und das Meerwasser salzig?“ und „Wieso ist das Gras grün?“ in wenigen Minuten von Wissenschaftlern der Uni Bonn beantwortet werden. Ab September soll im Abstand von vier Wochen jeweils eine neue Folge entstehen.

Nicht nur in den sozialen Netzwerken kommt die neue Video-reihe gut an; auch uni-bonn.tv-Koordinator Klaus Herkenrath sieht darin noch viel Potenzial. „Wir wollen nicht nur ein starkes Format etablieren, das typisch für uni-bonn.tv stehen soll, sondern ein Markenzeichen schaffen“, sagt Herkenrath, der seit 2007 für die Dreharbeiten und die freien Mitarbeiter verantwortlich ist. Rund 850 Videos hat er bislang mit seinem Team produziert. Momentan kommen im Durchschnitt zwei Videos pro Woche hinzu.

Neben Instituten, Forschergruppen und weiteren Einrichtungen der Uni Bonn nehmen zunehmend externe Kunden wie das Bonner Münster, die IHK oder die Deutsche Physikalische Gesellschaft in Bad Honnef das Produktionsteam als Dienstleister wahr. „Es hat lange gebraucht, uns an der Uni und über diese Grenze hinaus bekannt zu machen, aber jetzt haben wir es geschafft. Und das mitunter, weil wir kreative Köpfe wie Marcus in unserem Team haben“, betont Herkenrath. „Ohne das Engagement und die Kompetenz der freien Mitarbeiter wären wir nicht so weit gekommen.“

Professionell geht es an diesem heißen Mittag auch im Ägyptischen Museum zu. Um das beste Bild „im Kasten“ zu haben, dreht Marcus Berinski eine Szene so lange, bis er zufrieden ist – ganz egal, wie sehr ihn das ins Schwitzen bringt.

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