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Uniklinik Bonn und Malteser Krankenhaus kooperieren

Uniklinik Bonn und Malteser Krankenhaus kooperieren : Gemeinsam gegen Lungenkrebs

Die Uniklinik Bonn und das Malteser Krankenhaus arbeiten nun bei der Thoraxchirurgie eng zusammen. Krebsforschung, minimal-invasive und robotergestützte Chirurgie gehören zu den Schwerpunkten.

Das Malteser Krankenhaus und die Uniklinik Bonn (UKB) schließen bei der Thoraxchirurgie (also der Chirurgie im gesamten Brustraum) eine umfassende Kooperation. Wissenschaft, Lehre und Patientenversorgung sollen künftig aus einer Hand kommen. Dazu übernimmt Professor Joachim Schmidt (45), Chefarzt der Klinik für Thoraxchirurgie im Malteser Krankenhaus und Leiter des Lungenkrebszentrums Bonn/Rhein-Sieg, sowohl die Leitung der entsprechenden Abteilung des UKB als auch die neu geschaffene Professur für seine Disziplin. Gemeinsam mit Professor Jörg Kalff (57), Direktor der Klinik und Poliklinik für Allgemein-, Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie am UKB, sprach er mit Thomas Kölsch über diese Zusammenarbeit.

Was war der Grundgedanke dieser Kooperation?

Professor Joachim Schmidt: Für uns stand von Anfang an die Idee im Raum, beide Kliniken in einer übergeordneten Struktur zusammenzuführen und so das Beste zweier Welten zu erhalten. Wir haben im Malteser Krankenhaus eine starke regionale Versorgung inklusive des zertifizierten Lungenkrebszentrums. Am UKB befindet sich derweil ein Zentrum der Spitzenmedizin, in dem man auch mal an einer Herz-Lungen-Maschine beziehungsweise einer ECMO operieren oder bei einer erweiterten Indikation Experten aus jedem Fachbereich hinzuziehen kann.

Professor Jörg Kalff: Die Thoraxchirurgie ist schon immer Bestandteil jeder Uniklinik gewesen, doch ist sie bislang in Deutschland akademisch eher stiefmütterlich behandelt worden. Früher, als die Tuberkulose noch grassierte, hat man diese Abteilungen aus Angst vor Infektionen abgesondert. Da wir in Bonn aber in der Spitzengruppe der Forschung mitmischen wollen, müssen wir gegensteuern, zumal Lungenkrebs, der zu den zentralen Behandlungsschwerpunkten der Thoraxchirurgie zählt, eine der verbreitetsten Tumor-Erkrankungen ist. Außerdem ist unser Ziel natürlich stets die optimale Versorgung für unsere Patienten.

Worauf wollen Sie sich in der Forschung konzentrieren?

Schmidt: Zum einen wollen wir die starke Krebsforschung vor Ort nutzen, um nach einer Korrelation zwischen dem klinischen Verlauf einer Erkrankung und dem in den Tumor-, Blut- und Speichelproben gewonnenen molekularbiologischen Erkenntnissen zu suchen. Zum anderen wollen wir die minimal-invasive und robotergestützte Chirurgie ausbauen und daraus weitere Erkenntnisse gewinnen. Dort hat sich in den vergangenen Jahren ungeheuer viel getan. Es ist noch gar nicht so lange her, dass Patienten nach einer offenen Lungenoperation zum Teil sehr lange auf Station beziehungsweise in der Reha verbrachten. Und jetzt? Ich hatte gerade einen Patienten, der wenige Stunden nach einer minimal-invasiven Lungen-OP mit Cowboy-Hut und Stiefeln im Zimmer stand und zum Supermarkt fahren wollte, weil ihm das Essen im Krankenhaus nicht schmeckte. Natürlich gibt es auch andere Fälle, aber ich freue mich über jeden Patienten, der nach einer OP keine schwerwiegenderen Probleme hat als die Krankenhaus-Verpflegung.

Robotergestütztes Operieren macht vieles einfacher ...

Kalff: Ja, aber Sie können das nicht mehr wie früher direkt im OP lernen. Wir brauchen daher ein Trainingszentrum, das wir in den kommenden Jahren aufbauen wollen. Bislang gibt es solche Ausbildungsstätten fast nur im Ausland.

Ist die Robotik also die Zukunft der Thoraxchirurgie?

Schmidt: Ja und nein. Es gibt durchaus Stimmen die sagen, dass der beste Weg bei der Suche und Entfernung von Metastasen immer noch ist, die Lunge mit der Hand abzutasten. Das kann ein Roboter aber nicht, zumindest noch nicht. Zudem brauchen die Roboter-Arme ihre Freiheitsgrade und dementsprechend andere Zugänge als bei einer „normalen“ minimal-invasiven uniportalen Operation. Aber wir wollen uns ja weiterentwickeln, damit wir in ein paar Jahren nur noch einen einzigen Roboter-Arm brauchen und auch keine Konsole mehr, sondern vielleicht nur Datenhandschuhe und eine Virtual-Reality-Brille.

Kalff: Dadurch, dass sich Tumortherapien und Operationsmöglichkeiten so weiterentwickelt haben, können wir jetzt Patienten behandeln, die man früher aufgegeben hätte. Heute kann man zumindest manche Tumorarten mitunter zu einer Art chronischer Erkrankung umwandeln. Selbst wenn dann jedes Jahr ein paar Metastasen operativ entfernt werden müssen, steigert das doch die Lebenserwartung und die Lebensqualität der Betroffenen ungemein. Wir hoffen, dass wir durch unsere Kooperation dort weitere Impulse setzen können.