Weltfrauentag am 8. März: Uni Bonn übersetzt Anthologie aus dem Arabischen

Weltfrauentag am 8. März : Uni Bonn übersetzt Anthologie aus dem Arabischen

Eine Anthologie über die Situation von Frauen im Libanon ist an der Uni Bonn übersetzt worden. Das Land ist zwar in Teilen fortschrittlich, doch es gibt große Probleme.

„Die Wahrheit ist eine Frau. Die Politik eine Frau, Beirut, Damaskus, Bagdad, Jerusalem eine Frau. Sag mir nicht, dass der Mann keine Frau ist.“ Passend zum internationalen Frauentag am 8. März geben Cornelia Zierat, Lektorin und studierte Orientalistin, sowie ihr Kollege Dr. Sarjoun Karam vom Institut für Orient- und Asienwissenschaften an der Universität Bonn, eine Sammlung mit von ihnen übersetzten Werken von 37 libanesischen Dichterinnen her-aus. Unter dem Namen „Die Welt in unseren Augen – Libanesische Frauenanthologie“ ist der auch von der Uni Bonn und dem libanesischen Kulturministerium geförderte Band bereits seit Ende Februar in Deutschland erhältlich, im Libanon soll er in diesen Tagen erscheinen.

Die Gesellschaft dort gilt (trotz Feindseligkeiten zwischen den vielen einzelnen religiösen Gemeinschaften, die immer wieder in Gewalt münden) als eher offen – mit modernem Bildungssystem und vielseitiger Medienlandschaft. In diesen Sektoren sind auch die meisten Schriftstellerinnen aus dem Buch tätig. Sie wissen (wie viele Frauen) von Diskriminierung, Gewalt und dem Konflikt zwischen einem selbstbestimmten Leben und dem traditionellen Familienbild zu berichten.

So schreibt Jamila Hussein: „Ich erbte von meiner Mutter ihre Sanftheit, den Überfluss ihrer Zärtlichkeit und ihre schlanke Gestalt, jedoch erbte ich nicht ihre Gehorsamkeit im Leben und ihre Ergebung alldem, was ihr gesagt wird.“ Damit beschreibt sie ein eigentlich typisches Problem der vorwiegend konservativen Landbevölkerung. Dieses betrifft aber auch gebildete und erfolgreiche Frauen, wenn diese, trotz aller beruflichen Errungenschaften, primär dennoch als Hausfrauen wahrgenommen werden.

Andere Texte kritisieren dagegen die Leistungsgesellschaft der eher progressiven Hauptstadt Beirut, in der viele Menschen zu Beruhigungsmitteln greifen, aber aus Angst vor Stigmatisierung nur wenige psychologische Beratung suchen. Probleme, mit denen sich auch hierzulande wohl nicht nur Frauen identifizieren können.

Die Autorin Inaya Zghaib nimmt derweil Bezug auf Gräueltaten, die im Koran in Bezug auf die Zeit vor dessen Entstehung beschrieben werden, um heutige Gewalt gegen Frauen anzuprangern: „Ist die Ära der Dschahiliya zurückgekehrt? Die Zeit, in der die Männer die Frauen lebendig begruben, weil sie weiblich sind!!“

Ein besonderes Phänomen im Libanon stellt weiterhin dar, dass viele Frauen, um der doppelten Belastung durch Haushalt und Beruf standzuhalten, ausländische Dienstmädchen beschäftigen. Dies geschieht jedoch oftmals unter Bedingungen, die an Sklaverei erinnern. Es sei schwer gewesen, auch nur einen Text zu bekommen, der dieses Thema behandelt, berichtet Karam von der Uni Bonn. Er führt dies auf die Mentalität einer „Scheingesellschaft“ zurück, in der niemand mit solcherlei Problemen zu tun haben will. Vielleicht einer der Gründe, weshalb der libanesischen Regierung im Vorwort des Buches fehlende Absicht attestiert wird, die Situation von Frauen und Mädchen zu verbessern.

Karam, der im Rahmen eines langfristigen Projektes schon viele Texte aus dem Arabischen übersetzt hat, sagt, die arabische Lyrik biete den Lesern derzeit nur „Tränen und Trauer“: „Es geht mir nicht um Mitleid. Ich übersetze Phänomene“, sagt er. Kernthema ist dabei nicht zum ersten Mal Sexismus, obgleich Karam in Kooperation mit Zierat in ähnlichen Veröffentlichungen auch schon vom syrischen Bürgerkrieg Betroffene oder bekannte libanesische Poeten übersetzte. Karam verfasst auch selbst Lyrik, möchte dabei aber nicht als Dichter verstanden werden, weil die Lyrik als Mittel zur Bewältigung der Verhältnisse im arabischen Sprachraum weit verbreitet ist – jeder kann Dichter sein. Karam lehnt den Gebrauch der Bezeichnung daher als inflationär ab.

Das Übersetzen hält er vorerst für interessanter, auch wenn die libanesische Dichtungstradition der französischen eher ähnele als der deutschen und sich die Stilmittel teils deutlich unterscheiden. „Grundsätzlich ist aber jeder Text übersetzbar“, sagt Karam. Für Freunde der arabischen Sprache sind die Gedichte der neuen Anthologie dennoch nebeneinander in Übersetzung und Original abgedruckt.

Sarjoun Karam, Cornelia Zierat (Hgg.): Die Welt in unseren Augen – Libanesische Frauenanthologie. Shaker Media, 179 S., 13,90 Euro

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