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ZB Med geht neue Wege und setzt auf Digitalisierung: Uni Bonn kooperiert mit Bibliothek

ZB Med geht neue Wege und setzt auf Digitalisierung : Uni Bonn kooperiert mit Bibliothek

Die weltweit größte Bibliothek für Lebenswissenschaften - kurz ZB Med - hat noch mehr zu bieten als knapp 3000 abonnierte Zeitschriften und Bücher: Mittlerweile ist aus ihr ein Servicezentrum entstanden, das Studierende und Wissenschaftler unterstützt und berät.

Uni-Rektor Michael Hoch hat mit der ZB Med, die im vergangenen Jahr noch kurz vor der Schließung stand, einen Kooperationsvertrag unterzeichnet. Nun wollen beide Institutionen noch enger zusammenarbeiten. "Die Universität Bonn sieht in der ZB Med eine zentrale Infrastruktur für die Lebenswissenschaften, und ich begrüße den heute geschlossenen Kooperationsvertrag als gelungenen Neuanfang für die weitere Zusammenarbeit beider Einrichtungen", sagt Hoch.

Geplant ist, gemeinsam Berufungsverfahren durchzuführen und Wissenschaftler mit Führungsaufgaben in der ZB Med zu betrauen. Beschäftigte der Bibliothek sollen sich zudem um Promovierende kümmern und beraten. In dem Vertrag ist auch vorgesehen, gemeinsame Forschungsgruppen einzurichten, in denen Nachwuchsforscher sich ihren Projekten widmen können.

"Universität und ZB Med werden sich aufbauend auf den jeweiligen Stärken ihrer wissenschaftlichen Forschungsfelder gegenseitig unterstützen und ergänzen", betont Hoch. "Ich freue mich sehr, dass wir dadurch den Standort Bonn für die Fachgebiete Ernährungs-, Umwelt- und Agrarwissenschaften langfristig weiter stärken können."

Für eine geplante Informatikprofessur in der Landwirtschaft haben der Stiftungsrat der ZB Med und die Landwirtschaftliche Fakultät bereits eine gemeinsame Berufungskommission eingesetzt.

Neben den Agrarwissenschaften profitieren vom Literatur-, Recherche- und Beratungsangebot der ZB Med auch Zahnmedizin, Medizin, Ernährungs- und Umweltwissenschaften.

Seit seiner Einsetzung im vergangenen Jahr verfolgt Direktor Dietrich Nelle das Ziel, aus der ZB Med eine moderne Forschungseinrichtung zu machen - wichtiger Aspekt dabei: Digitalisierung von wissenschaftlicher Literatur. "Digitalisierung ist nicht nur eine Herausforderung unter vielen, sondern das Schlüsselthema, an dem sich die Wettbewerbsfähigkeit entscheidet", sagt Nelle.

Noch immer sind viele Zeitschriften nicht online verfügbar und zahlreiche Bücher sind noch nicht digitalisiert. Bereits 2015 hat die ZB Med mit "Livivo" außerdem ein eigenes Suchportal für Literatur und Informationen mit Bezug zu den Lebenswissenschaften entwickelt, das für eine Suchanfrage auf 40 Datenbanken zugreifen kann.

Noch vor kurzer Zeit sah die Zukunft der ZB Med nicht so positiv aus. Nach einer Evaluierung im vergangenen Frühjahr beschloss die Leibniz-Gemeinschaft, zu der die ZB Med als "Leibniz-Informationszentrum für Lebenswissenschaften" gehörte, die Einrichtung nicht länger zu finanzieren.

Bereits 2011 hatte es Auflagen gegeben, aus der Bibliothek eine selbst forschende Institution zu machen. Den Forschungsbereich konnte man bis 2016 nicht aufnehmen, da geplante Professuren noch nicht besetzt waren.

Seit dem Beschluss der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz im Mai wird die Fachbibliothek für Lebenswissenschaften mit Standorten in Bonn und Köln von Bund und Ländern finanziert. Gegen die Abwicklung der ZB Med hatte sich Protest geregt: Angestellte der Bibliothek demonstrierten für den Erhalt und ein Schweizer Bibliothekswissenschaftler startete eine Petition.

Ulrike Ostrzinski von der Marketing-Abteilung der ZB Med zählte damals die drohenden Folgen für den Wissenschaftsstandort Bonn auf: "Zeitschriften müssten abbestellt werden und es würden weniger neue Bücher gekauft werden. Das Internet ersetzt keine Fachberatung, die man in der ZB Med gegen geringe Gebühren in Anspruch nehmen kann."

Für die Bibliothek, die jeder nutzen kann, der einen Uni-Bibliotheksausweis besitzt, ergeben sich durch die Kooperation mit der Uni Bonn viele neue Möglichkeiten. "Die Universität Bonn als Forschungsuniversität von Weltruf mit ausgewiesenen Spitzenleistungen gerade im Fächerspektrum von ZB Med ist ein idealer strategischer Partner für die Entwicklung von intelligenter Informationsversorgung und Digitalisierung in den Lebenswissenschaften", sagt Direktor Nelle.

"Die erfolgreiche Gestaltung der sich durch die Digitalisierung öffnenden neuen Möglichkeiten gehört im internationalen wissenschaftlichen Wettbewerb heute zu den zentralen Standortfragen. Genau auf diese Kernaufgabe zielt unsere Kooperation."