Diskussion um Dokumente: Studenten aus Bonn wünschen sich die Uni-Card

Diskussion um Dokumente : Studenten aus Bonn wünschen sich die Uni-Card

Bonner Studenten brauchen viel Platz in ihrem Portemonnaie. Statt eines Dokuments für alles tragen sie zahlreiche Ausweise, Kopierkarten und Bescheinigungen mit sich. Das wollen sie ändern - doch die gewünschte Uni-Card ist vielleicht längst überholt.

Ob zum Bezahlen in der Mensa, zum Kopieren im Seminar oder als Fahrausweis für den öffentlichen Nahverkehr – der Studentenausweis im Scheckkartenformat ermöglicht das alles und noch viel mehr. Jedenfalls den Studenten in Köln und vielen weiteren Uni-Städten in NRW. Nur eine Uni hinkt hinterher: In Bonn ist der Fortschritt noch nicht angekommen. Studierende der hiesigen Uni brauchen mitunter viel Platz im Portemonnaie – für den Studentenausweis etwa (ein Stück Papier, das nicht eingeschweißt werden darf und als Fahrkarte fungiert), die Mensakarte, mehrere Kopierkarten, Bibliotheks- und Institutsausweise und Bescheinigungen vom Hochschulsport.

Einen Urheber für das Kartenchaos auszumachen, scheint zunächst einfach. „Es scheitert bislang an der Uni-Verwaltung. Nur die Uni kann durchsetzen, dass es eine Uni-Card gibt“, sagt Sarah Mohamed, AStA-Vorsitzende. „Der neue Kanzler ist aber offen, was das Thema angeht.“ Seit ungefähr zehn Jahren setzen sich Studierende an der Uni Bonn dafür ein, das Papier gegen eine moderne Karte mit Guthaben- und Bezahlfunktion einzutauschen. „Damals war es – glaube ich – der RCDS (Ring Christlich-Demokratischer Studenten). Mittlerweile wollen das alle – es gibt einen Konsens, keine Hochschulgruppe ist dagegen“, so Mohamed.

Das leidige Thema mit der Uni-Card bestimmt sogar alljährlich den Wahlkampf fürs Studierendenparlament: Spätestens, wenn im Januar wieder überall Plakate hängen, werden auch die Forderungen nach der Multifunktionskarte wieder lauter. Eine Urabstimmung der Studentenschaft Anfang des Jahres 2016 scheiterte an der mangelnden Wahlbeteiligung. Auf Antrag wurde das Ergebnis, das deutlich zugunsten der Uni-Card ausfiel, vom Studierendenparlament anerkannt. „Mit der anerkannten Urabstimmung hat die Studierendenschaft auch die Bereitschaft zur finanziellen Beteiligung an der Einführung gezeigt – aus den eigenen, sechsstelligen Rücklagen“, fasst Daniel Dejcman zusammen, der dem aktuellen Studierendenparlament der Uni Bonn vorsteht.

Ohne die Uni wäre das Projekt Uni-Card allerdings nicht zu stemmen: „Es ist teuer, ein großer organisatorischer Aufwand“, sagt Mohamed. „Allein wegen der Infrastruktur sind wir auf die Uni angewiesen.“ Um die Karte aufzuladen, müssten stadtweit Automaten mit Aufladefunktion installiert werden, außerdem Lesegeräte für Drehkreuze, Kassen oder Spinde. „Das Studierendenwerk steht sehr dahinter, die Uni-Card wäre dann auch eine Mensa-Card. Aber es müssen letztlich unterschiedliche Akteure zusammenarbeiten – unter anderem die Verkehrsbetriebe, damit die Uni-Card auch als Ticket anerkannt wird“, so Mohamed weiter.

Vorteile für das Studierendenwerk

Für das Studierendenwerk Bonn hätte die Uni-Card mehrere Vorteile. „Erstens reduziert die integrierte Bezahlfunktion die Warteschlangen in den Mensen erheblich“, sagt Robert Anders, Pressesprecher des Studierendenwerks. „Zweitens erleichtert die Ausweisfunktion die erforderliche Identifikation an der Mensakasse, um als Studierender oder Bediensteter ein Essen zum ermäßigten Preis zu erwerben.“ Auch an den Kosten für die erforderliche Infrastruktur würde man sich beteiligen.

Ein weiterer Akteur neben Studierendenwerk und Univerwaltung ist die Bonner Universitäts- und Landesbibliothek (ULB). Bislang gibt es einen separaten Bibliotheksausweis für alle Nutzer, mit dem Studierende und Universitätsangehörige an der Adenauer-allee und der Nußallee Medien ausleihen können. Dort äußert man sich nicht selbst zum Problem, sondern verweist an die Pressestelle der Universität.

Die Uni Bonn selbst steht der Uni-Card auch positiv gegenüber. „An anderen Hochschulen wurden damit sehr gute Erfahrungen gemacht“, sagt Andreas Archut, Pressesprecher der Uni. „Im Rahmen des Projekts zur Einführung eines neuen digitalen Campusmanagements beschäftigen wir uns mit diesem Thema und prüfen neben der klassischen Uni-Card auch Alternativen wie eine Uni-App. Unser Ziel ist es dabei, die bestmögliche technische Lösung für die Bedarfe unserer Studierenden und Beschäftigten zu finden.“ Sarah Mohamed befürchtet daher, dass es gar keine Uni-Card mehr geben wird, weil alles über eine App geregelt werden könnte – irgendwann. „Ich glaube, man ist sich unsicher, ob es sich noch lohnt, eine Karte einzuführen.“

An Desinteresse oder Ablehnung scheitert es also nicht; alle Beteiligten sehen die Vorteile eines modernen Studentenausweises mit vielen weiteren Funktionen. Für Mohamed und ihre Mitstreiter bleibt nur, weiterhin auf das Thema aufmerksam zu machen und abzuwarten. „Es ist absolut sinnvoll, von Studierendenseite aus dran zu bleiben und beim Kanzler nachzufragen, das Thema weiterhin auf der Agenda zu haben. Leider ist es nicht so leicht umzusetzen.“ Bis März ist Mohamed noch AStA-Vorsitzende, die Einführung einer Uni-Card oder einer App wird sie daher während ihrer Amtszeit nicht mehr mitbekommen. Aber: „Ich hoffe sehr für die künftigen Jahrgänge, dass es die Uni-Card geben wird, und bin zuversichtlich.“

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