eSports an der Universität Bonn: Sport mit Maus und Tastatur

eSports an der Universität Bonn : Sport mit Maus und Tastatur

Eine Bonner Hochschulgruppe plädiert für die offizielle Anerkennung von eSports

Thorben läuft los, sein Ziel ist die Zerstörung des gegnerischen Nexus. Doch in der Fantasy-Welt Runeterra braucht er für diese Fortbewegung lediglich Computermaus und -tastatur. Gemeinsam mit anderen Studenten verabredet er sich regelmäßig virtuell, um „League of Legends“ zu spielen. Das Computerspiel ist weltweit bekannt und wurde im Jahr 2016 von mehr als 100 Millionen Spielern monatlich gespielt.

Seit dem Sommersemester des vergangenen Jahres gibt es an der Sportstätte am Venusberg für eSports-Interessierte einen sogenannten Gamingraum, einen Raum fürs Computerspiel. Peter Preuß ist Leiter des Hochschulsports der Bonner Universität. Er machte sich dafür stark, dass dieser Rückzugsort für die „Gamer“ (Spieler) geschaffen wurde, und positioniert sich eindeutig in der aktuellen Debatte. Seit Jahren gibt es den Versuch, die Anerkennung als „richtigen Sport“ von offizieller Seite zu erhalten. Preuß hält das für sinnvoll: „Schach und Bridge sind gleichermaßen anerkannte Sportarten, ich sehe nicht, wo der Unterschied sein sollte.“ Auch die Killerspiel-Debatte sei ausdiskutiert.

Amokläufer stehen auf Killerspiele? Ein Vorurteil, sagen die eSport-Fans

Vielmehr sei belegt, dass Amokläufer unterdurchschnittlich wenig Zeit mit Ego-Shooter-Spielen verbringen, merkt Student Thorben Monien an. „Zumal man sich dann auch fragen könnte, was mit Sportarten wie Boxen, Fechten und Bogenschießen ist“, betont Preuß. Albert Bui gründete vor zwei Jahren eine eSports-Gruppe, die derzeit rund 60 Mitglieder zählt. „Es ist schön, immer neue Leute mit den gleichen Interessen kennenzulernen“, sagt der Informatikstudent. Gemeinsam mit anderen Gruppenmitgliedern möchte der 23-Jährige Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene anbieten. „Da soll es um Strategien gehen, Taktik und bestimmte Spielweisen.“

So etwas wie eine klassische Ausbildung zum Übungsleiter gibt es im eSports noch nicht. „Die meisten sind Quereinsteiger, ehemalige Topspieler“, erklärt Thorben Monien. Er ist ebenfalls Mitglied der eSports-Gruppe und zockt durchschnittlich eine Stunde täglich. Seinen Tagesrhythmus richtet der Jurastudent allerdings nicht nach dem Spiel aus: „Die meisten haben abends Zeit, und dann spielt man, wenn man Zeit hat.“

Die Faszination für League of Legends ist für die meisten auch nach Jahren des Spielens nicht weniger geworden: „Es braucht mehrere Monate, bis man versteht, was man dort eigentlich macht. Die Lernkurve ist zu Beginn extrem steil, und mit der Zeit kann man besser einordnen, was im Spiel passiert“, erklärt Bui. Monien ergänzt: „Es gibt 141 Charaktere, die in jedem Spiel in neuen Zusammenstellungen aufeinandertreffen können. Man weiß nie, was einen erwartet. Das macht es so spannend.“

Auch eSport erfordert körperliche Fitness

Ein Spiel dauert durchschnittlich rund zwanzig Minuten. Zwei Mannschaften, bestehend aus fünf Charakteren, stehen sich gegenüber und verfügen dank ihrer gewählten Rollen über individuelle Eigenschaften. Das Hauptziel besteht darin, den gegnerischen Nexus (eine Art Hauptgebäude) zu zerstören.

Durch gesammelte Erfahrungspunkte können die Spieler höhere Level erreichen. Wer über ausreichend Gold verfügt, kann sich damit mit neuer Ausrüstung verstärken. Bui und Monien sind sicher: Um eSports auf hohem Niveau zu spielen, muss man Sport treiben, auf seine Ernährung und seinen Körper achten.

„Die mentalen Fähigkeiten sind wichtig für das Spiel, aber Sport ist eine gute Ergänzung und hilft auch dabei, besser zu funktionieren“, sagt Monien, der selbst regelmäßig sportlich trainiert. Schließlich könne man so ebenfalls das relativ lange Sitzen kompensieren. Preuß ergänzt: „Wenn der Körper besser trainiert ist, kann man sich schneller regenerieren und ist leistungsfähiger. Zumal der Sport den hohen psychischen Stress des eSports gut abbauen kann.“

Monien sieht viele Parallelen zum klassischen Sport: „Da wären die Professionalität, feste Teams und Strukturen, Trainer, Vermarktung, Wettkampf sowie klare Regeln.“ Weil die Reaktionsgeschwindigkeit neben der Taktik mit zu den entscheidenden Faktoren gehört, steigen viele professionelle Spieler mit Ende 20 aus.

Schließlich kommt es bei Spielen wie League of Legends auf eine besonders schnelle Auge-Hand-Koordination an. Auch der Stresslevel und die Herzfrequenz sind – wie beim herkömmlichen Sport – konstant hoch. Auch unter diesen Gesichtspunkten plädiert Preuß für die Anerkennung: „Sonst verlieren wir den Anschluss an die Debatte. Es geht immer wieder um das Thema Digitalisierung. Da sollte man aktiv mitdiskutieren und gestalten, statt sich zu verschließen.“

Stimmen aus der Politik und vom Deutschen Olympischen Sportbund:Im GroKo-Vertrag vom Februar 2018 formulierten CDU/CSU und SPD: „Wir erkennen die wachsende Bedeutung der eSport-Landschaft in Deutschland an. Da eSport wichtige Fähigkeiten schult, die nicht nur in der digitalen Welt von Bedeutung sind, Training und Sportstrukturen erfordert, werden wir eSport künftig vollständig als eigene Sportart mit Vereins- und Verbandsrecht anerkennen und bei der Schaffung einer olympischen Perspektive unterstützen.“

Das Asiatische Olympische Komitee (OCA) hat bekannt gegeben, dass „eSports“ ab 2022 ins Programm der Asienspiele aufgenommen wird. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) informierte im Juli 2018 darüber, dass das Internationale Olympische Komitee (IOC) von einer Anerkennung des eSport Abstand nimmt. Einige Mitglieder des IOC wie Tony Estanguet zeigten sich jedoch offen gegenüber einer Zulassung. Beschlossen wurde noch nichts.

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