Schule der Artenvielfalt im Museum Koenig

Junge Menschen erkunden die Artenvielfalt : Eine Schule für alles, was lebt

Die Taxonomie-Werkstatt im Museum Koenig bringt jungen Menschen die Artenvielfalt näher und erhält eine Auszeichnung

In der Museumsschule des Zoologischen Forschungsmuseums Alexander Koenig schauen drei Schülerinnen abwechselnd in ein Binokular. Unter dessen Objektiv liegt der Schädel eines „Großen Abendseglers“, einer Fledermaus. „Seht ihr die vielen spitzen Zähne? Die braucht der Abendsegler, um Insekten zu zerkauen“, sagt der Experte des Bonner Arbeitskreises für Fledermausschutz (BAFF), Martin Koch. „Der Flughund hat im Gegensatz glatte Zähne, mit denen er Früchte zermatschen kann“, erklärt Koch den Schülerinnen und hält ihnen den Schädel eines Flughundes hin. Nebenan sitzen weitere Schülerinnen und Schüler um einen Tisch herum und arbeiten gemeinsam mit einem Museumspädagogen.

Die Kinder gehen in die achte Klasse des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums in Bonn und nehmen im Rahmen einer Schul-AG an der Taxonomie-Werkstatt des Museums teil. „Eine der Besonderheiten des Projektes ist die Tandem-Betreuung aus einem themenspezifischen Experten und einem Museumspädagogen“, erklärt Eva Stoye. Sie ist Museumspädagogin und hat das Projekt damals mitentwickelt. Neben Wissenschaftlern des Hauses beteiligen sich Mitarbeiter von verschiedenen naturwissenschaftlichen Vereinen wie zum Beispiel dem BAFF, BioDiverse und dem Bundesamt für Naturschutz an dem Projekt.

Die Werkstatt startete im Februar 2018. Mit dem Fokus auf Taxonomie (die Klassifikation von Tieren, Pflanzen und Pilzen) möchte das Museum neue Artenkenner ausbilden. „In diesem Bereich mangelt es noch an Nachwuchs“, sagt Stoye. Das Wissen über die Arten und ihre ökologischen Bedürfnisse sei aber die Voraussetzung für den nachhaltigen Schutz der biologischen Vielfalt.

An der Taxonomie-Werkstatt nehmen Kinder und Jugendliche privat oder im Zuge von Schul-AGs teil. Zurzeit bestehen Kooperationen mit drei Bonner weiterführenden Schulen und der Till-Eulenspiegel-Schule. Ein bis zweimal in der Woche nehmen die Kinder und Jugendlichen an den Kursen im Museum teil. Außerdem gehen Gruppenleiter des Museums einmal in der Woche zum Clara-Fey-Kindergarten. Zusätzlich gehören auch Exkursionen und Ferienprogramme zu dem Projekt. Die Taxonomie-Werkstatt ist samt allen Ausflügen für die Teilnehmer kostenlos. Sie wird durch Bund und Länder finanziert.

„Es macht Spaß zu sehen, wie begeistert die Kinder sind, wenn sie plötzlich neue Dinge verstehen“,  sagt Benedict Wipfler. Er ist einer der Gruppenleiter der Taxonomie-Werkstatt und arbeitet als technischer Assistent in der Käfersammlung. „Es war einmal ein Mädchen dabei, das fürchterliche Angst vor Spinnen hatte. Nachdem wir den Kindern mehr zu den Tieren erzählt hatten, schaute sie ganz neugierig zu, wie die Vogelspinne vor ihr auf dem Tisch krabbelte“, erzählt Wipfler begeistert. Er arbeitet außerdem mit dem 14-jährigen Jacob in einer eins-zu-eins-Betreuung. Jacob wird dadurch intensiver gefördert und übernimmt ehrenamtlich viele Tätigkeiten, die normalerweise von Praktikanten im Museum übernommen werden.

Ihm macht das praktische Arbeiten am Museum Koenig viel Spaß. Er schüttelt ein Glas, das mit einer Flüssigkeit und Erde gefüllt ist. „Wir haben Bodenproben aus dem Garten genommen und die Bodenorganismen herausgefiltert. Jetzt untersuchen wir sie“, erklärt er. Sein Mitschüler Moritz ist wie Jacob seit Anfang der Taxonomie-Werkstatt 2018 dabei. „In der Schule lernen wir nur, dass es Tiere gibt. Aber man sieht sie nicht. Hier arbeiten wir mit dem, was lebt, und das ist cool“, findet Moritz. Er möchte nach der Schule eine Ausbildung zum technischen Assistenten in einem Naturkundemuseum machen, „so wie Benny“, meint der 16-Jährige und zeigt auf seinen Gruppenleiter.

Die Taxonomie-Werkstatt wurde jetzt von der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet; die Preisverleihung erfolgte im Hörsaal des Museums selbst. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier lud die Museumspädagogik zudem ein, die Taxonomie-Werkstatt zur Woche der Umwelt in diesem Sommer im Schloss Bellevue vorzustellen.

Die Auszeichnung der UN-Dekade und die Einladung zur Woche der Umwelt bedeuten den Mitarbeitern  viel. „Es ist eine Wertschätzung für unsere Arbeit und die Arbeit der Kinder und Jugendlichen“, sagt Stoye. Ihr liegt besonders am Herzen, dass die Kinder Spaß am Programm haben. „Lebensraumerhalt ist eines der wichtigsten Themen für den Menschen, und die junge Generation wird sich später noch viel mehr damit beschäftigen müssen“, so die Museumspädagogin. „Daher wollen wir es ihnen näher bringen.“