Interview mit Uni-Rektor Hoch : „Zuhören alleine reicht nicht“

Professor Michael Hoch wird vom Deutschen Hochschulverband (DHV) als „Rektor/Präsident des Jahres 2020“ ausgezeichnet. Die 32.000 Verbandsmitglieder hatten den Rektor der Universität Bonn in einer Online-Befragung eine vorbildliche Amtsführung bescheinigt. Martin Wein befragte ihn.

Die Mitglieder des Deutschen Hochschulverbandes haben Sie mit der Note 1,55 zum Rektor des Jahres gewählt. Vergangenen Oktober gab es bereits die Ehrung als „Hochschulmanager des Jahres“. Offenbar haben Sie sich nicht auf den Lorbeeren ausgeruht …

Professor Michael Hoch: Das sollte man in einem solchen Amt natürlich niemals tun – ob mit Auszeichnungen oder ohne. Wir versuchen stattdessen ständig, die Universität Bonn noch besser zu machen.

Mehr als zwei Drittel der Befragten an der Bonner Uni sehen Sie als Idealbesetzung. In der Politik würde Sie jeder Parteichef um diesen Wert beneiden. Sind Sie stolz?

Hoch: Ja, das bin ich in jedem Fall. Diese Zahl ist für mich wirklich sehr beeindruckend. In den fast fünf Jahren im Amt ist es mir offenbar gelungen, zusammen mit dem ganzen Team im Rektorat das Vertrauen der Universitätsangehörigen zu gewinnen. Schließlich ist es die Grundlage einer konstruktiven und produktiven Zusammenarbeit. Das erfüllt mich persönlich mit großer Freude.

Ihre Kollegen loben Sie als „kooperativ, koproduktiv, kommunikativ und konsensual“. Im Öffentlichen Dienst galten diese Werte lange nicht als Kernkompetenzen. Hat sich da der Wind gedreht?

Hoch: Ich kam seinerzeit ja direkt aus der Wissenschaft auf die heutige Position. Als Naturwissenschaftler ist man Teamarbeit und ständige Kommunikation in der Arbeitsgruppe sowie im Institut und Fachbereich gewöhnt. Das ist essenziell für neue Erkenntnisse. In dieser Hinsicht war ich auf meine Aufgabe gut vorbereitet. Ich glaube allerdings, der Öffentliche Dienst wird häufig unterschätzt. Hier gibt es wirklich sehr viele fähige Leute, die längst ein modernes Management-Verständnis haben und umsetzen.

Die Durchschnittsnote aller Hochschulrektoren fällt mit 2,72 allerdings im diesjährigen Ranking eher verhalten aus. Können die meisten Wissenschaftler schlecht führen?

Hoch: Eine Universität ist eine sehr komplexe Organisationseinheit. Dort gibt es unterschiedlichste finanzielle und inhaltliche Interessen. Dazu kommen externe Faktoren, auf die man kaum Einfluss nehmen kann. In diesem herausfordernden Umfeld zu Gemeinsamkeit und einem Konsens zu kommen, ist nicht immer einfach.

Der Hochschulverband sagt, der Bonner Sieg im Exzellenzwettbewerb habe bei den Befragten „keine ausschlaggebende Rolle“ für die Ehrung gespielt. Womit konnten Sie denn dann punkten?

Hoch: Durch die Bewerbung um die Exzellenz-Förderung haben wir uns auch auf den Weg gemacht, um neue Strategien für Forschung und Lehre zu entwickeln. Das betrifft auch Querschnittsthemen wie Gleichstellung, Diversität oder Internationalisierung. Dazu haben wir intensiv das Gespräch mit allen Fakultäten gesucht und gefunden. So sind die Ziele der Universität auch zu Zielen aller ihrer Mitglieder geworden. Ich habe den Eindruck, das ist insgesamt sehr gut angekommen.

Was macht Ihrer Meinung nach einen guten Chef aus? Haben Sie einen Best-Practice-Tipp für andere Führungskräfte?

Hoch: Ich fürchte, dafür gibt es keine Blaupause. Man muss in jedem Fall gut zuhören können. Das allein reicht aber nicht. Es gilt, die Ideen anderer nicht nur wahrzunehmen, sondern aufzugreifen und im Diskurs kreativ weiter zu entwickeln. So nimmt man Menschen mit und begeistert sie für Vorschläge und Visionen.

Haben Sie denn jetzt Blut an der Hochschulleitung geleckt? Oder zieht es Sie zurück ins Labor?

Hoch: Ich hätte mir vorher nicht vorgestellt, wie fordernd das Amt ist. Trotzdem fülle ich es gerne aus, denn ich habe auch persönlich sehr viel zum Beispiel über andere Fachdisziplinen gelernt.

Sie sollen das Preisgeld von 10.000 Euro in ein hochschulbezogenes Projekt investieren. Haben Sie sich schon eins ausgesucht?

Hoch: Ich möchte darüber zusammen mit den Studierenden entscheiden, die den weitaus größten Anteil unserer universitären Gemeinschaft bilden. Deshalb werde ich das Gespräch mit dem AStA und den Vertretungen der Fachschaften suchen. Ich könnte mir zum Beispiel ein Projekt zur Digitalisierung vorstellen.