Experte für Informelle Kunst: Neue Forschungsstelle an der Uni Bonn

Experte für Informelle Kunst : Neue Forschungsstelle an der Uni Bonn

Das Kunsthistorische Institut der Uni Bonn richtet unter der Leitung von Christoph Zuschlag eine „Forschungsstelle Informelle Kunst“ ein. Eine Ausstellung dazu ist noch bis zum 1. Juli zu sehen.

Wenn der Kunsthistoriker Christoph Zuschlag seine genaue Berufsbezeichnung mitteilt, ist er eine Weile beschäftigt. Seit vergangenem Jahr bekleidet er die „Alfried Krupp von Bohlen und Hal-bach-Professur für Kunstgeschichte der Moderne und der Gegenwart (19.-21. Jh.) mit Schwerpunkt Provenienzforschung / Geschichte des Sammelns“ an der Bonner Uni. Seit vergangener Woche hat Zuschlag einen weiteren Job: Er leitet die neue „Forschungsstelle Informelle Kunst“.

Strahlend führt er durch die kleine Ausstellung mit Informel-Werken von Bernard Schultze, K.O. Götz und anderen im Eingangsbereich des Kunsthistorischen Instituts, das in vielen Baudetails – Lampen, Vitrinen – deutliche Spuren der 1950er Jahre zeigt, der Zeit, als die abstrakte Kunst des Informel zu einer internationalen Haltung wurde – „ein Stil war es nicht“, sagt er. Bonn biete sich mit den vielen Anknüpfungspunkten an die informelle Kunst als Ort für diesen Forschungsschwerpunkt geradezu an. Weitere Zentren waren Düsseldorf und Köln.

Schon als Student in Heidelberg habe ihn, den 1964 in Hannover geborenen, die informelle Kunst fasziniert, erzählt er und beklagt, wie gering das Interesse heute sei. Dies zu ändern, ist – verkürzt gesagt – der Hintergrund der neuen Forschungsstelle. Anders als die Stiftungsprofessur für Provenienzforschung, die mit einer Million Euro für fünf Jahre so gut ausgestattet ist, dass die Uni Bonn ab Oktober den bundesweit ersten Masterstudiengang Provenienzforschung und Geschichte des Sammelns anbieten kann, ist die neue Forschungsstelle Informelle Kunst vollständig auf Drittmittel angewiesen.

Das Ziel, eine halbe Wissenschaftlerstelle zu finanzieren (die Kandidatin Anne-Kathrin Hinz wurde vergangene Woche vorgestellt), lasse sich nur durch Zuschüsse erreichen. Für beide, auf drei Jahre begrenzte Promotionsstipendien mit einer Ausstattung von monatlich 1400 Euro konnte Zuschlag zwei Stifter finden: Die Reinhard & Sonja Ernst-Stiftung aus Wiesbaden und die MKM-Stiftung des Darmstädter Ehepaars Sylvia und Ulrich Ströher, hinter der das Museum Küppersmühle für Moderne Kunst (MKM) in Duisburg steckt. Nicht jedoch, wie Zuschlag anmerkt, MKM-Direktor Walter Smerling mit seinem Bad Godesberger Stiftungsverein. Das Ehepaar Ströher hatte 2005 die in Bonn beheimatete Sammlung Grothe erworben, dann von Bonn abgezogen und in Smerlings Küppersmühle untergebracht.

Die MKM-Stiftung gehört ebenso zu den Förderern wie die Stiftung K.O. Götz und Rissa, die Reinhard & Sonja Ernst-Stiftung, die Stiftung Informelle Kunst (Ströher), die Privatsammlung Meerbusch, die Galerie Maulberger und Van Ham Art Estate (Abteilung für Künstlernachlässe für das Kölner Auktionshaus). Im Beirat der Forschungsstelle sind die Förderer ebenso vertreten wie etwa das Museum Kunstpalast Düsseldorf (Kay Heymer) und das Bonner Landesmuseum (Gabriele Uelsberg).

Sammler, Galeristen, Kunsthändler und private Museen als Financiers für die Forschung? Ist das nicht eine gefährliche Mischung? Zuschlag sieht keine Interessenkollision. „Alle Fördermittel sind ohne Gegenleistung zu verstehen“, bekräftigt er. Er erhofft sich vielmehr Vorteile für die Forschung – durch Kontakte zu Sammlern, Einblicke in Archive, Leihgaben für Ausstellungen.

Zuschlag freut sich über die zugesagten Fördermittel in Höhe von 247 000 Euro für die ersten drei Jahre der Forschungsstelle und über das attraktive Angebot für die Studenten. Sein Enthusiasmus verrät, dass auch er selbst sich über die neuerliche Beschäftigung mit dem Informel freut. Zuschlag hat über „Entartete Kunst – Ausstellungsstrategien im Nazi-Deutschland“ promoviert, seine Habilitationsschrift befasste sich mit „Meta Kunst – Kunst über Kunst seit 1960“. Zudem steckt er tief in der Debatte über Provenienz – was sowohl NS-Kunstraub als auch Restitution von Raubgut der Kolonialzeit betrifft. Brisante Themen.

Die kleine, feine Informel-Ausstellung im Kunsthistorischen Institut läuft bis 1. Juli, Mo-Do 8-20, Fr 8-19 Uhr

Mehr von GA BONN