Staatsexamen in Zeiten der Krise : Keine Prüfungen wegen Corona: Bonner Jura-Student protestiert

Der Staatsexamenskandidat will auf erschwerte Prüfungsbedingungen während der Coronakrise hinweisen

Wer monate- oder gar jahrelang für seinen Abschluss gelernt hat, möchte kurz vor dem Prüfungstermin meist nur noch eins: alles hinter sich bringen. Auch für die Studenten der Rechtswissenschaft ist das derzeit Wunschdenken. Das Kölner Justizprüfungsamt, das die Prüfungen zum ersten juristischen Staatsexamen durchführt (beziehungsweise durchführen würde), hat sämtliche Prüfungstermine vorerst bis Ende April abgesagt.

„Viele Studierende und ich können diesen Schritt seitens des
Landesjustizprüfungsamtes natürlich verstehen, fordern aber, dass wir Studierenden nicht »hängengelassen« werden“, schreibt Julian Schneider, Bonner Jura-Student, in seiner Online-Petition auf der Plattform change.org. „Gerade die Studenten der Rechtswissenschaften sind neben den Medizinern aufgrund des Systems des Staatsexamens besonders betroffen.“

Die Uni Bonn verweist auf GA-Nachfrage an das Landesjustizprüfungsamt, das die Examina durchführt. Auf der Homepage informiert das Prüfungsamt lediglich darüber, dass sowohl die mündlichen Prüfungen als auch die schriftlichen Examensklausuren vorerst nicht stattfinden. In beiden Fällen stünden „Nachholtermine noch nicht fest, werden aber sobald wie möglich mitgeteilt“. Des Weiteren fordert das Amt, „von individuellen Anfragen abzusehen“.

„Vielen Studierenden fällt es immens schwer, sich zu Hause eine optimierte Lernumgebung zu schaffen“

Schneider will sich mit seiner Petition nun neben dem Justizprüfungsamt auch ans Justizministerium wenden. Die ohnehin schon schwierige Situation der Studenten, die sich seit Langem auf ihre Prüfungen vorbereiteten, werde nun weiter verschärft: durch terminliche Ungewissheit, die geschlossenen Bibliotheken und das Lernen zu Hause – zum Teil ohne Zugang zu den Lernmitteln.

„Vielen Studierenden fällt es nun einerseits aufgrund der Ungewissheit des Schreibtermins und andererseits aufgrund der ungewöhnlichen Umstellung, zu Hause lernen zu müssen, immens schwer, sich zu Hause eine optimierte Lernumgebung zu schaffen“, so Schneider in seiner Petition.

Viele Studenten der Rechtswissenschaften bereiten sich auf ihre Abschlussprüfungen in Repetitorien oder Klausurenkursen vor – was beides aufgrund der Corona-Krise derzeit nicht oder nur online stattfinden kann. „Leider wird in Zukunft dennoch niemand oder kaum jemand darauf achten, dass sich die Examenskandidaten in einer Phase befanden, die im Gegensatz zu den krisenfreien Jahren erheblich anspruchsvoller war.“ Den bereits auf die Prüfungstermine hin gelernten Stoff nun auf unbestimmte Zeit auf Examensniveau behalten zu können, sei unrealistisch, so Schneider.

Mündliche Prüfungen sind ausgesetzt, schriftliche wurden verschoben

„Im Einklang mit den Schul- und Universitätsschließungen hat das Justizprüfungsamt bei dem Oberlandesgericht Köln – wie die anderen Justizprüfungsämter in Nordrhein-Westfalen auch – ab dem 18. März bis zunächst zum 30. April die mündlichen Prüfungen ausgesetzt und die für April 2020 anstehenden schriftlichen Prüfungen verschoben“, sagt Ingo Werner, Pressesprecher des Oberlandesgerichts Köln.

„Dem Prüfungsamt ist es bewusst, dass die aktuelle Situation für die Kandidaten belastend sein kann. Das bedauern wir sehr, der Gesundheitsschutz geht aber momentan vor. Für den Monat Mai gibt es noch keine Festlegung. Derzeit wird intensiv geprüft, ob und wie der Prüfungsbetrieb wieder aufgenommen werden kann. Die verschobenen Prüfungen wollen wir natürlich so bald wie möglich nachholen. In jedem Fall muss aber sichergestellt sein, dass durch die Prüfungen keine Gefahr einer weiteren Ausbreitung des Coronavirus entsteht.“

Um nun die erschwerten Bedingungen der Studenten zu berücksichtigen, fordert Schneider entweder die Verschiebung der Prüfungen auf einen Zeitraum nach Juli 2020, die Zulassung von früher üblichen Examenshausarbeiten, die Begrenzung des prüfungsrelevanten Stoffes oder die Ersetzung der Klausuren durch umfangreichere mündliche Prüfungen.

„Es wäre schön, wenn die Beteiligten und Entscheidungsträger zu einer fairen Lösung gelangen“, beendet Schneider den Text zu seiner vor rund einer Woche gestarteten Petition.