20. Europäische Maya-Konferenz an der Uni Bonn: Indigenes Volk im digitalen Zeitalter

20. Europäische Maya-Konferenz an der Uni Bonn : Indigenes Volk im digitalen Zeitalter

Sie war die einst am höchsten entwickelte Kultur auf dem amerikanischen Kontinent und verschwand urplötzlich: Die Kultur der Maya. Kürzlich waren deshalb m ehr als 100 Maya-Experten nach Bonn gekommen, um sich über neue Forschungsergebnisse auszutauschen.

Sie konzentrierte sich um die Halbinsel Yucatán im Golf von Mexiko - das gesamte Gebiet dieser mit vielen Mythen gespickten Kultur verteilt sich heute auf mehr als fünf Länder. Das einstige Maya-Reich bestand nach aktuellen Forschungsergebnissen aus mehr als 50 Kleinstaaten, die zusammen die Größe Deutschlands hatten.

Im Fokus der Maya-Forschung, die erst sehr spät im 18. Jahrhundert begann, stehen dabei vor allem Mexiko, Guatemala, Belize, Honduras und El Salvador. Viele rätselhafte Schriftzeichen und zahlreiche Prachtbauten ziehen nicht nur zahlreiche Touristen an, sondern auch Forscher, die sich mit der spannenden Maya-Kultur auseinandersetzen.

Die 20. Europäische Maya-Konferenz wurde von der Abteilung für Altamerikanistik der Uni organisiert und teilte sich in verschiedene Workshops im Akademischen Kunstmuseum und ein Symposium auf.

"Die Maya-Konferenz wird jedes Jahr neu vergeben", erklärte Mitorganisatorin Junior-Professorin Frauke Sachse, "das Verfahren ist ähnlich wie bei den Olympischen Spielen". Die Europäische Maya-Konferenz findet seit 1996 jährlich in wechselnden Städten statt und hat sich als größte internationale Jahrestagung der Maya-Forschung etabliert.

Die Bonner Altamerikanistik wollte sich eigentlich erst für 2016 um die Konferenz bewerben, richtete sie aber dennoch schon in diesem Jahr aus. "Eigentlich wären die Kollegen aus Moskau dran gewesen, aber die baten darum, tauschen zu dürfen. Aufgrund der aktuell schwierigen politischen Lage in Russland und dem stetigen Verfall des Rubel war es ihnen nicht möglich, die Konferenz auszurichten", sagte Sachse. Obwohl man nur eine kurze Vorbereitungszeit hatte, sei man mit der Konferenz sehr zufrieden. "Insgesamt 180 Wissenschaftler und Studenten haben die Konferenz besucht, bei der der Kontaktaustausch im Vordergrund steht", resümierte die Junior-Professorin.

Vor allem seien viele Teilnehmer aus Polen und Russland gekommen. Vor allem in Polen erlebt die Maya-Forschung derzeit einen Aufwind. "Während in Deutschland viele Studenten lieber ein klassisches Fach wählen, gibt es in Polen viele Studenten, die sich explizit mit den Maya auseinandersetzen möchten."

Alle Veranstaltungen in Bonn standen dabei unter dem Motto "Die Maya in einer digitalen Welt" ("The Maya in a Digital World"). Das zweitägige Symposium in der Aula der Universität befasste sich eingehend mit dem Einfluss und der Anwendung digitaler Methoden in der Maya-Forschung, darunter mit archäo-informatischen Verfahren, darunter Geoinformationsdienste, Prospektionsverfahren und 3 D-Analysen. Die Digitalisierung von Archivalien und der Gewinnung von historischen Daten und die Nutzung digitaler Hilfsmittel und Methoden in der ethnologischen Forschung standen ebenso zur Debatte.

Frauke Sachse referierte zusammen mit einem Berliner Kollegen zum Thema "Digital Corpus-Building of Mayan Languages". In Bonn wurde dazu eine eigene Software entwickelt, die nicht nur Wörter in eine Datenbank aufnimmt, sondern diese auch gleich untersucht. Als Grundlage dafür dienen Wörterbücher von Missionaren, die ihre Missionarstätigkeit in der Sprache der indigenen Völker ausübten. "Die Missionare übersetzten ihre Predigten und erstellten die Wörterbücher, denen man wissenschaftlich bisher nicht so viel Beachtung geschenkt hat", berichtete Sachse.

Carl D. Callaway von der La Trobe University in Melbourne erklärte, wie man die Hieroglyphen am Königsgrab von Palenque in Mexiko deuten könnte - dabei machte er die nur schwer lesbaren Maya-Zeichen mit spezieller Software verständlich.

Aber auch die Entwicklung virtueller Forschungsumgebungen, welche die korpusgestützte Analyse der Mayaschrift und den Mayasprachen erlauben, stand im Fokus des wissenschaftlichen Austausches. Mit letzterem beschäftigt sich vor allem Lolmay Pedro García Matzar von der Universidad Maya Kaqchikel in Guatemala. Er präsentierte dem Fachpublikum in der Uni-Aula verschiedene Internet-Anwendungen, die bei der Übersetzung der Maya-Sprachen und -Zeichen behilflich sein können. Die Programme funktionieren dabei wie der Übersetzer von Google. Entweder man gibt die Maya-Zeichen ein oder man lässt sich etwas aus dem Spanischen oder Englischen in die Sprache der Maya zurückübersetzen.

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