IFA in Sankt Augustin: Forschung zu Gefahren am Arbeitsplatz

IFA in Sankt Augustin : Forschung zu Gefahren am Arbeitsplatz

Das Institut für Arbeitssicherheit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung untersucht die Berufswelt. Längst geht es dabei nicht nur um Gesundheitsgefährdungen durch chemische und biologische Arbeitsmaterialien, durch Lärmbelastungen oder Unfallgeschehen durch unsichere Maschinen.

Der Sommer kommt, die Freizeitaktivitäten nehmen zu und damit auch die Gefahr von Sonnenbrand, weil die Intensität der UV-Strahlung oft unterschätzt wird. Forstarbeiter, Bauarbeiter und Beschäftigte in zahlreichen anderen Berufen sind natürlicher UV-Strahlung arbeitsbedingt in erhöhtem Maße ausgesetzt. Damit steigt auch ihr Risiko, beispielsweise an hellem Hautkrebs, eine der häufigsten Krebsarten, zu erkranken.

Um das tatsächliche Ausmaß der UV-Belastung zu erfassen, führt das Institut für Arbeitssicherheit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA) mit Sitz in Sankt Augustin eine internationale Messkampagne durch, bei der Berufstätige während der Arbeit über mehrere Monate kleine Dosimeter tragen. Aus den Ergebnissen sollen geeignete Maßnahmen zum Arbeitsschutz abgeleitet werden.

Doch Strahlung, gleichgültig ob ultraviolett, sichtbar oder infrarot ist nur eines von zahlreichen Arbeitsfeldern des Instituts. „Die Palette reicht von Atemschutz, Lärm, Robotern bis hin zu Wirbelsäulenerkrankungen“, berichtet Ina Neitzner vom IFA. „Letztlich geht es immer um die Frage, wie sich Arbeitsplätze gestalten und wenn nötig verändern lassen, damit sie sicherer werden und die Gesundheitsbelastung für die Beschäftigten abnimmt.“ Neben Forschung, Beratung und Prüfung beschäftigen sich die rund 250 Mitarbeiter des Instituts auch mit der Normung und Regelsetzung des Arbeitsschutzes. Mehr als 80 Prozent seiner Aufträge erhält das IFA von den Berufsgenossenschaften und Unfallkassen, bei Produktprüfungen wird das Institut auch für Hersteller tätig.

Längst geht es dabei nicht nur um Gesundheitsgefährdungen durch chemische und biologische Arbeitsmaterialien, durch Lärmbelastungen oder Unfallgeschehen durch unsichere Maschinen. In der heutigen Zeit sitzt die überwiegende Zahl der Beschäftigten an Büroarbeitsplätzen und vor Computern. Die Folgen sind oft Bewegungsmangel, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Übergewicht und Wirbelsäulenerkrankungen. So stellt die Techniker-Krankenkasse in ihrem Gesundheitsreport 2014 fest, dass mittlerweile Rückenbeschwerden für jeden zehnten Fehltag in Deutschland verantwortlich sind.

Eine mögliche Lösung könnten bewegungsfördernde Arbeitsplätze sein. Tragen solche Angebote wirklich zu mehr körperlicher Aktivität bei? Verändert sich die Arbeitsleistung des Mitarbeiters, wenn er am Computer sitzend unter dem Tisch Fahrrad fährt? Und wie ist das subjektive Empfinden? Was auf den ersten Blick heute noch fiktiv anmutet, könnte in einigen Jahren zum Alltag werden. So hat sich ein großer Arbeitgeber der Region bereit erklärt, mehrere solcher Arbeitsplätze zu schaffen und so eine Feldstudie zu ermöglichen.

Doch die Digitalisierung verändert nicht nur den Arbeitsalltag, sondern auch die Untersuchungs- und Prüfmöglichkeiten des Instituts. So wurde bereits 2009 mit der Einrichtung eines VR-Labors begonnen. VR steht für virtuelle Realität und präsentiert sich dem Besucher als Raum mit einer 24 Quadratmeter großen, halbkreisförmigen Projektionsfläche, die mittels einer 3 D-Brille Räumlichkeit vermittelt. So entsteht hier virtuell – je nach Aufgabenstellung – mal eine mit Containern bestückte Lagerhalle, durch die eine Hubarbeitsbühne gesteuert werden kann, mal eine in Planung befindliche Schiffsschleuse.

„Der Vorteil dieses Labors“, sagt Peter Nickel, verantwortlicher Projektleiter, „liegt darin, dass wir auf diese Weise potenziell gefährliche Produkte, Prozesse, aber auch Schutzkonzepte gefahrlos für die Beschäftigten sehr kurzfristig testen können. So können wir bereits im Planungsstadium Vorschläge zur Verbesserung einbringen, die wir bereits mit Beschäftigten in virtuellen Arbeitsprozessen untersucht haben.“

Es wäre denkbar, dass eine Schutzeinrichtung die Bedienung erschwert oder die Entwickler sich deren Gebrauch anders vorgestellt haben als die Nutzer. Untersuchungen vor einigen Jahren haben gezeigt, dass rund 30 Prozent der metallverarbeitenden Maschinen manipuliert werden, weil die Schutzvorrichtungen als hinderlich empfunden werden. Dies erhofft man durch die virtuelle Simulation und Tests im Vorfeld weitgehend auszuschließen.

Insbesondere bei Hubarbeitsbühnen, wie sie für den Bau und die Wartung von Stadien, Windrädern oder Lagerhallen eingesetzt werden, kann es zu Unfällen mit Quetschungen kommen, deren Hergang sich im Nachhinein schwer rekonstruieren lässt. Im virtuellen Raum kam es zu vergleichbaren „Unfällen“, was die Ermittlung der Ursache-Wirkung-Beziehungen mit Produkten erheblich erleichtert und als zusätzlicher Vorteil des virtuellen Labors gesehen werden kann.

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