Forscher bringt Künstliche Intelligenz in Bonner Museum

Medienwissenschaftler Oliver Ruf : Forscher bringt Künstliche Intelligenz in Bonner Museum

Professor Oliver Ruf ist Medienwissenschaftler an der Hochschule-Bonn-Rhein-Sieg. Besucher des Deutschen Museums Bonn spielen sein Computerspiel.

Im Flur des Deutschen Museums Bonn steht ein großer weißer Würfel. Auf ihm sind drei kleine Bildschirme befestigt. Kinder tummeln sich darum. Aufgeregt ziehen die kleinen Finger über den Touchscreen. „Ein Stein! Da muss der Fuchs drüber springen“, sagt ein Vater zu seinem Sohn. Mit einer schnellen Handbewegung zieht der Junge den Baustein „springen“ in ein Befehlsfeld. Der Fuchs auf dem Bildschirm vor ihm springt über das Hindernis und läuft in seinen Bau. „Hurra! Deine KI [„KI“ = Künstliche Intelligenz, Anm. d. Red.] arbeitet von ganz alleine. Und du hast sie mit Training dahin gebracht“, sagt die Sprechblase des „Niez-Bots“. Dieser Futurama-inspirierte Nietzsche – mit charakteristischem Schnäuzer – ist ein Avatar, der die Spieler mit Anweisungen durchs Fuchs-Spiel „FOX AI“ leitet. Und ein Chatbot ist ein textbasiertes Dialogsystem, das Chatten mit einem technischen System erlaubt – bei FOX AI eben mit dem Spiel.

„Kinder finden meistens ganz einfach durch das Spiel. Sie steuern schnell. Die meisten haben bereits Computerspiel-Erfahrung“ sagt Professor Oliver Ruf. Seit 2002 war er bereits Professor an der Fakultät Digitale Medien der Hochschule Furtwangen. Vor Kurzem ist er an die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg berufen worden. Hier lehrt er Medien- und Kommunikationswissenschaft sowie Medien- und Gestaltungspraxis.

Ruf und sein Team von der Hochschule Furtwangen gewannen mit ihrem Projekt „Chatbot-Intelligenz“ den Hochschulwettbewerb der Initiative „Wissenschaft im Dialog“. Mit der gewonnenen Förderung konnten sie das Spiel FOX AI entwickeln. In dem Spiel geht es darum, den Fuchs so zu trainieren, dass er in seinen Bau läuft. Auf dem Weg dorthin muss er Hindernisse überwinden. Mit Befehlen wie „laufen“, „springen“ oder „kriechen“ wird die Künstliche Intelligenz (KI) trainiert. Parallel zur Bonner Schau ist FOX AI auch im Bikini Berlin zu sehen. Nach den Ausstellungen wird das Spiel auch online verfügbar sein.

„Viele Menschen denken bei KI gleich an einen Terminator, der alle wegballert“, sagt Ruf. Aber das sei fernab der Realität. Mit FOX AI will sein Team zeigen, was KI tatsächlich ist und wie sie funktioniert. „Wir haben es auf das Wesentliche reduziert, um den Lernprozess einer KI zu demonstrieren“, erklärt der Medienwissenschaftler. Sie haben sich bewusst für einen Fuchs statt einer menschlichen Spielfigur entschieden. „Ein Mensch wäre zu gruselig. Bei Virtual Reality merken Menschen schnell, dass mit den Figuren etwas nicht stimmt“, sagt Ruf.

In seiner Forschung befasst sich Ruf mit der digitalen Medienkultur. „Was machen Medien?“ und „Was machen sie mit mir?“ sind dabei seine Kernfragen. Bei Computerspielen beispielsweise interessiert ihn dann besonders, wie die Menschen mit ihnen umgehen, also ihre sogenannte „Mediengeste“. „Ich bin selbst aber überhaupt kein Gamer“, sagt Ruf. Im Gegenteil: Ursprünglich ist er Literaturwissenschaftler. Als Schüler war es sein Traum, einmal Journalist zu werden. Nach einem Besuch beim Arbeitsamt wollte Ruf am liebsten Medienwissenschaften und Politik studieren. Da er dazu aber nicht zugelassen wurde, entschied er sich für ein Germanistik-Studium in Trier.

Während der Schulzeit und des Studiums schrieb er für verschiedene Zeitungen und moderierte auch einige kulturelle Veranstaltungen. „Journalismus fand ich aber anstrengend. Ich wollte lieber wissenschaftlich weiterkommen“, sagt Ruf. Deshalb promovierte er nach dem Studium an der TU Dortmund. Mit gerade einmal 33 Jahren wurde er Professor in Furtwangen. Später gab er auch wissenschaftliche Schriftenreihen heraus. Darunter sind beispielsweise „Medien- und Gestaltungsästhetik“ und „Mikrographien / Mikrokosmen“.

Hin und wieder übernimmt Ruf noch Moderationen oder verfasst eigene Beiträge für verschiedene Medien. Das ist mittlerweile aber eher eine Seltenheit geworden. Doch der Journalismus hat ihn geprägt: „Im Gegensatz zu vielen Kollegen fällt es mir jetzt leichter, Texte schnell rauszugeben. Ich bin auch recht flexibel, wenn es um Themen geht. Das alles habe ich vom Journalismus“, sagt er.

An der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg reizt ihn besonders die Kombination aus Medien und Technik. „Das Schönste an meinem Beruf ist es, Menschen zum Mitdenken zu infizieren“, findet Ruf. „Es ist faszinierend, ihren Werdegang zu sehen und zu fördern“, erklärt er.

„Aber meine Arbeit ist nur mein Hobby“, behauptet der Medienwissenschaftler. „Im Hauptjob bin ich Daddy“, sagt er. An der Wand in seinem Büro hängt ein Bild mit vielen bunten Strichen. Sein Sohn hat es gemalt. Zuhause warten eine Frau, zwei Kinder und ein Hund auf Oliver Ruf.