Orchideenfächer an der Uni Bonn: Ein gesellschaftlich relevanter Blick auf das Wasser

Orchideenfächer an der Uni Bonn : Ein gesellschaftlich relevanter Blick auf das Wasser

Die Bonner Hydrologie ist zwar ein kleiner Forschungsbereich, dafür aber gut vernetzt und gehört in Bonn zur Geografie.

Hydro entstammt dem altgriechischen Begriff hýdor für Wasser. Das Element Wasser – zugleich wichtiger Rohstoff und lebensbedrohlicher Risikofaktor – steht im Mittelpunkt des kleinen Faches Hydrologie. An der Uni Bonn gehört dieses zur Geografie und ist mit zwei Arbeitsgruppen in der Forschung vertreten.

Da sind einmal Professor Bernd Diekkrüger und seine Forschungsgruppe „Hydrologie“, die Modelle und Analysen von Wasser sowie des Transports aufgelöster Stoffe erstellen. Sie betrachten dabei diese Vorgänge mit Blick auf den globalen Wandel, vor allem lokalisiert in West-, Nordwest- und Ostafrika. Methodisch werden Modelle der Informatik in Verbindung mit der Prozessanalyse verwendet.

Zur Bonner Hydrologie gehört daneben auch die Arbeitsgruppe „Ökohydrologie und Wasser-Ressourcenmanagement“ von Professorin Mariele Evers. Das Team sucht Muster in meteorologischen Wasserphänomenen und arbeitet am Verständnis für hydrologische Prozesse. Besonders interessant sind dabei Extreme wie Überschwemmungen, für die entsprechende Managementpläne entwickelt werden. Wasserphänomene stehen dabei auch immer in direktem Zusammenhang mit dem Menschen, der in der Soziohydrologie mit einbezogen wird. „Die Hydrologie in Bonn verbindet Prozessforschung mit gesellschaftlich relevanten Themen“, resümiert Diekkrüger.

Die Bonner Hydrologie legt ihren Schwerpunkt auf die Auswirkungen des globalen Wandels. Auch wenn der erste Gedanke dabei auf die Verfügbarkeit und Nutzung von Wasser fallen mag, geht es doch auch um hydrologische Extreme. Viele Projekte der Bonner Forscher sind in Afrika oder in Südostasien angesiedelt, etwa in Myanmar. Gerade dort treten durch den Klimawandel vermehrt extreme Wetterphänomene auf. „Die Bonner Hydrologie ist somit nicht nur spannend aus einer Sicht der Wissensvermehrung, sondern auch gesellschaftlich relevant“, sagt Diekkrüger. Sie spielt eine wichtige Rolle in naturwissenschaftlichen und gesellschaftswissenschaftlichen Themenfeldern. Und die Teildisziplin der Geografie ist auch über ihr Fach hinaus verknüpft: Es gibt zum Beispiel eine enge Kooperation mit der United Nations University Bonn. Diekkrüger sieht in der Bonner Hydrologie „eher den Charakter eines fakultätsübergreifenden Fachbereichs“.

Der fakultätsübergreifende Charakter wird auch im Studium deutlich. Hydrologie ist im Bachelor und Master der Geografie verankert, aber auch in interdisziplinären Master-Studiengängen wie Naturschutz und Landschaftsökologie sowie dem berufsbegleitenden Master Katastrophenvorsorge und -management enthalten. Der Master der UN University „Geography of Environmental Risks and Human Security“ betont die sozio-hydrologischen Aspekte. Derzeit wird auch an der Konzipierung eines neuen Masterschwerpunktes gearbeitet, erzählt Diekkrüger.

Wer mit dem Studium fertig ist, kann unter vielen Möglichkeiten wählen: Hydrologen werden in Behörden, Kommunen und in der Privatwirtschaft gebraucht. Ihre Aufgaben umfassen Flussgebietsmanagementpläne, Hochwasserrisikokarten, Genehmigungsverfahren oder auch Forschung zum globalen Wandel und zu landwirtschaftlichen Fragen.

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