Museum Koenig in Bonn: Drei Jahrzehnte Warten auf Bitis harenna

Museum Koenig in Bonn : Drei Jahrzehnte Warten auf Bitis harenna

Nach 30 Jahren wird mit Hilfe des Museum Koenig die Existenz einer neu beschriebenen Schlangenart bestätigt. EIne späte Genugtuung für Professor Wolfgang Böhme.

Nach 30 Jahren hat sich nun der Status einer neuen, spektakulären Giftschlangenart, die 1986 das erste Mal mit nur einem Exemplar bekannt wurde, geklärt. Da seinerzeit noch Unsicherheit herrschte, ob dieses eine Tier tatsächlich zu einer neuen Spezies gehörte, beschloss man, mit der Beschreibung zu warten, bis ein weiteres Exemplar zur Verfügung stünde.

Drei Jahrzehnte musste die Wissenschaft noch warten: Erst 2013 wurde wieder ein Tier gefunden, anhand dessen gezeigt wurde, dass eine weitere Neubeschreibung auch dieser Art gerechtfertigt war. Professor Wolfgang Böhme, Senior-Herpetologe am Bonner Museum Koenig, gab nun in Kooperation mit einem internationalen Wissenschaftlerteam der Art den wissenschaftlichen Namen Bitis harenna.

Rückblende: 1976 erhielt das Museum eine große, plumpe Giftschlange aus dem Hochland im Südwesten Äthiopiens. Diese erwies sich als eine für die Wissenschaft neue Art und wurde 1977 von Böhme beschrieben. Wegen ihrer vergleichsweise kleinen Augen benannte er das Tier mit dem wissenschaftlichen Namen Bitis parviocula (aus dem Lateinischen: parvus „klein“, oculus „Auge“).

Es sollte allerdings ein Jahrzehnt dauern, bis ein zweites Exemplar dieser großen, auffälligen und bunt gemusterten Viper bekannt wurde, gefunden von einem dänischen Forschungsreisenden an einem anderen Ort in Äthiopien. Es wurde aus Kopenhagen nach Bonn geschickt, hier mit dem zuerst gefundenen Exemplar abgeglichen und für identisch befunden.

Der dänische Kollege fand 1986 gleichzeitig eine weitere Viper, die weder auf die neu entdeckte, noch auf die vier bereits bekannten Großvipern dieser Verwandtschaftsgruppe in Afrika passte. War es schon wieder eine neue, der Wissenschaft bislang entgangene Art? Oder vielleicht doch nur ein „aberrantes“ (also von der normalen Form abweichendes) Einzel-exemplar? Man zog es dieses Mal vor, das Auftauchen eines weiteren Exemplars abzuwarten.

Es war daher für Böhme, inzwischen ehrenamtlicher Senior-Herpetologe am Museum, eine große Genugtuung, als im Oktober 2013 auch von dieser zweiten damals gefundenen Viper wieder ein Exemplar in Äthiopien gesichtet und dokumentiert werden konnte. Durch diesen neuen Fund wurde es nun möglich, in einem internationalen Team aus Großbritannien, den USA und Äthiopien in Bonn die schon vor 30 Jahren gefundene große zweite Viper endgültig als eine weitere neue Art zu verifizieren. Sie wurde kürzlich in einer renommierten Fachzeitschrift beschrieben und mit dem Namen „Bitis harenna“ belegt.

Während die Entdeckung neuer Tierarten für Zoologen prinzipiell nahezu an der Tagesordnung ist, so sind neu entdeckte Arten bei Wirbeltieren schon etwas seltener. Richtig selten sind sie aber bei größeren Wirbeltieren wie etwa bei Waranen oder großwüchsigen Schlangen. Wenn es sich nun aber – wie in diesem Fall – sogar noch um eine Giftschlange handelt, so ergibt sich außer der wissenschaftlichen Entdeckung auch noch ein praktischer Zusatzaspekt, nämlich, auch die Herstellung eines Antiserums anzustreben, um die lokale Bevölkerung mittelfristig vor Giftbissen schützen zu können.