Forscher der Uni Bonn: Der Struwwelpeter kann nichts dafür

Forscher der Uni Bonn : Der Struwwelpeter kann nichts dafür

Haarekämmen bei Kindern kann für Eltern eine Herausforderung sein. Wenn Kinder "Strwuwwelpeter-Haare" haben, macht schon der Versuch schon keinen Sinn. Forscher können den Grund dafür jetzt erklären.

Vielleicht ist es Zufall, dass diese Entdeckung ausgerechnet am Donnerstag bekannt wurde, am 96. Geburtstag der Kinderbuchautorin Ellis Kaut, der Entdeckerin des Kobolds Pumuckl mit dem wuschligen Rotschopf. Aber es passt. Denn: Völlig zerzauste Haare, die sich partout nicht kämmen lassen - Bonner Forscher haben herausgefunden, dass das nicht immer an koboldhafter Autoritätsverachtung liegt, sondern manchmal auch in den Genen.

Extrem krauses Haar, gegen das kein Kamm und keine Bürste ankommt: "Struwwelpeter-Syndrom" heißt das Phänomen in der Fachwelt, nach dem berüchtigten Brutalpädagogik-Klassiker aus dem 19. Jahrhundert. Erst seit 1973 wird es erforscht, weltweit sind gut 100 Fälle wissenschaftlich dokumentiert. "Wir nehmen aber an, dass es deutlich mehr Betroffene gibt", sagt Professorin Regina Betz vom Institut für Humangenetik der Uni Bonn, Spezialistin für seltene erbliche Haarerkrankungen.

An elf betroffenen Kindern haben sie und ihr Team das komplette Erbgut durchgemustert. Bei allen entdeckten sie Mutationen der Gene PADI3, TGM3 und TCHH. Die steuern normalerweise, wie sich die Hornpartikel im menschlichen Haar einander anfügen. Gemeinsam mit Kollegen aus Toulouse fanden die Bonner heraus: Wenn nur eins der drei Gene mutiert ist, folgt das Chaos auf dem Kopf.

Anders als andere Gen-Defekte ist das aber nicht lebensbedrohlich und wächst sich buchstäblich aus: "Im Erwachsenenalter lassen sich die Haare meist mehr oder weniger normal frisieren." Schön. Nur einem der Betroffenen wünscht man das nicht: Der Pumuckl würde sich mit Konfirmandenfrisur nicht wohlfühlen.

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