„Das war ein Sprung ins heiße Wasser“: Der neue Alanus-Rektor über seine neu gewonnen Aufgaben

„Das war ein Sprung ins heiße Wasser“ : Der neue Alanus-Rektor über seine neu gewonnen Aufgaben

Nach nur sehr kurzer Zeit hat Monika Kil ihren Posten als Rektorin der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter geräumt. Nun hat der Philosophie-Professor Hans-Joachim Pieper das Amt interimsmäßig übernommen – und damit gleich auch sehr viel zu tun.

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In welcher Lage befindet sich die Alanus Hochschule jetzt, nach der personellen Erschütterung durch den Rücktritt von Monika Kil?

Hans-Joachim Pieper: Zunächst einmal haben wir ein ganz normales Semesterprogramm zu bewältigen und machen das auch. Die Lehrveranstaltungen sind bis Mitte Dezember gelaufen, die Prüfungen haben begonnen. Der Hochschulalltag ist von dem Wechsel im Rektorat nicht betroffen.

Ein ganz normaler Gang der Dinge ist schön, aber die Nachricht von Kils Rücktritt wird Sie doch auch überrascht haben.

Pieper: Ja, wenn ich mich nicht irre, habe ich zwei Tage vor meiner Wahl zum neuen Rektor durch den Senat von ihrem Rücktritt erfahren. Das war schon ein Sprung ins heiße – nicht ins kalte – Wasser für mich.

Zurück zum Stichwort Normalität: Professorin Kil hatte in Alfter also noch keine Lehrtätigkeit aufgenommen, für die Sie dann Ersatz schaffen mussten?

Pieper: Stimmt, sie hatte noch nicht unterrichtet. Das war zunächst auch nicht geplant. Ich glaube, das hätte sie jedoch gerne getan. Sie sah sich eher in der Lehre und Forschung als verstärkt in der Administration. Sie sollte sich aber erstmal hier zurechtfinden, sich konsolidieren und wichtige administrative Aufgaben in Angriff nehmen. [Anmerkung der Redaktion: Auf GA-Anfrage ließ Professorin Monika Kil mitteilen, dass sie sich nicht zu den Gründen des Rücktritts äußern werde.]

Um welche dringenden Aufgaben geht es denn?

Pieper: Zuallererst geht es jetzt darum, die institutionelle Re-Akkreditierung als Kunsthochschule zu bewältigen. Diese steht turnusmäßig alle zehn Jahre an, 2020 ist sie wieder fällig. Das ist ein sehr aufwendiges Verfahren.

Und das übernehmen Sie jetzt?

Pieper: Ja. Schon vor meiner Wahl als Rektor war ich in der akademischen Leitung für dieses Verfahren tätig. Also lag es nach dem Rücktritt meiner Vorgängerin nahe, dass ich gefragt wurde, ob ich das Rek-torenamt übernehmen würde.

Wie war Ihre erste Reaktion?

Pieper: Ich konnte und wollte mich dem nicht entziehen. Aber ich habe auch gesagt: Wenn das jetzt so sein soll, dann mache ich das auch richtig. Das heißt, nicht nur für drei Monate, oder um erst einmal die Wogen zu glätten, sondern ganz.

Was heißt das?

Pieper: Das Interimsrektorat ist nun auf 27 Monate bis zum Ende des Wintersemesters 2020 hin geplant. So lange brauchen wir ungefähr, um die Re-Akkreditierung als Kunsthochschule durchzuziehen. Parallel dazu müssen wir uns um die Verlängerung unseres kooperativen Promotionsrechts – zum Beispiel zusammen mit der Uni Bonn – im Fachbereich Bildungswissenschaft kümmern.

Was passiert denn, wenn die Re-Akkreditierung als Kunsthochschule gelingt? Was passiert, wenn sie nicht gelingt?

Pieper: Ich gehe nicht davon aus, dass sie nicht gelingen könnte, das kann ich mir auch nicht vorstellen. Ein Gelingen wäre eine gute Bestätigung fürs Programm der Hochschule. Das würde sicher allen hier einen großen Auftrieb und Motivationsschub geben und zeigen, dass die Verbindung von Kunst und Wissenschaft, wie wir sie haben, ein zukunftsfähiges Modell ist.

Aber Sie würden ja nicht so viel Kraft in das Verfahren stecken, wenn es nicht wenigstens die theoretische Möglichkeit des Scheiterns gäbe. Also: Was würde dann passieren?

Pieper: Es geht um den Status der staatlichen Anerkennung. Und wenn wir diese verlieren würden, wären auch die hier erworbenen Hochschulabschlüsse nicht mehr staatlich anerkannt. Das wäre fatal auf der ganzen Linie. Aber nochmal: So, wie die Alanus Hochschule dasteht, ist das absolut nicht zu erwarten. Was sein kann, ist, dass vom Wissenschaftsrat beziehungsweise dem Wissenschaftsministerium Auflagen, also quasi Nachbesserungswünsche, formuliert werden.

Welche Nachbesserungswünsche könnten das sein ?

Pieper: Vielleicht könnte etwas zu den elektronischen Datenbanken in unseren Bibliotheken kommen.

Sind die rund zwei Jahre alten Pläne der Alanus Hochschule, sich für einzelne Fachbereiche um den Status einer Universität zu bemühen, komplett vom Tisch?

Pieper: Ja, das sind sie.

Warum?

Pieper: Als Kunsthochschule haben wir in der Region ein Alleinstellungsmerkmal und können uns leisten, ausgefallene Angebote bereitzustellen.

Welche Ziele haben Sie als Rektor außer der Re-Akkreditierung noch?

Pieper: Ich hoffe, dass es mir gelingt, die Begeisterung, die ich von Anfang an für die Alanus Hochschule und ihr ganzheitliches Menschenbild hatte und immer noch habe, auch bei anderen wieder zu wecken. Es gibt keinen Tag, an dem ich nicht gerne zur Arbeit komme. Jeden Tag mit jungen Menschen arbeiten zu dürfen, ist ein großes Geschenk.

Wie wollen Sie die Motivation ankurbeln?

Pieper: Für mich gehen von der Alanus Hochschule bestimmte Impulse aus: die Stärkung von Kreativität und künstlerischem Ausdruckswillen ebenso wie die Freude am rationalen Denken und am Engagement für Gemeinwohl – diese möchte ich stärker ins Bewusstsein rücken.

Was heißt denn Ihr Rektorenposten für Ihre eigene Lehrtätigkeit an der Alanus Hochschule?

Pieper: In diesem Semester habe ich nun eine von insgesamt fünf Lehrveranstaltungen abgegeben. Im kommenden Semester schaffe ich wegen der anderen Aufgaben nur noch eine Vorlesung.

Wie sieht es nach der Ankündigung Ihres Hauptförderers, der Software AG Stiftung, sich sukzessive aus der Unterstützung der Alanus Hochschule zurückzuziehen, mit neuen Geldquellen aus?

Pieper: Wir sind auf der Suche nach neuen Sponsoren, mit einer Erhöhung der Studiengebühren ist es nicht getan. Es hat erste Gespräche mit Stiftungen gegeben, und es gibt andere, erste Ideen, beispielsweise im Fachbereich Architektur. Es sind Kooperationen angedacht, dass Unternehmen gleich mehrere Masterstudenten zu uns nach Alfter schicken und die Studiengebühren für das Masterprogramm übernehmen. Im Schauspiel, wo wir jedes Semester nur zehn Studenten unterrichten können, ist eine Refinanzierung deutlich schwieriger.

Gibt es Überlegungen, Fachbereiche, etwa das Schauspiel, vom Angebot der Hochschule zu streichen?

Pieper: Das Schauspiel gehört zu den gefährdeten Studiengängen, aber derzeit gibt es keine konkreten Schließungspläne.

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