Universität Bonn: Ausstellung über Japanologen Friedrich Max Trautz

Universität Bonn : Ausstellung über Japanologen Friedrich Max Trautz

Friedrich Max Trautz war Pionier der deutschen Japan-Forschung. Das Museum der Universität Bonn zeigt Stücke aus seinem Nachlass.

Begeistert beugt sich Hendrik Groth über die Vitrinen in der aktuellen Sonderausstellung des Uni-Museums. „Schauen Sie nur, diese schönen kleinen Bücher im japanischen Stil“, schwärmt der Doktorand der Japanologie. Im Team der Professoren Harald Meyer und Reinhard Zöllner hat auch Groth wertvolle Exponate aus dem Nachlass von Friedrich Max Trautz aus dem Archiv geholt und zu einer schmucken Ausstellung gruppiert.

Trautz (1877-1952) war der Pionier der deutschen Japan-Forschung, der selbst neben seiner wissenschaftlichen Arbeit auch eine Vielzahl visueller Quellen zusammentrug. „Er hat sein Leben lang alles, was er über sein Lieblingsthema fand, gesammelt – zu unserem Glück“, verdeutlicht der Doktorand und zeigt auf historische Buchdrucke mit Szenerien der japanischen Tokugawa-Zeit des 17. Jahrhunderts, auf Fotografien der japanischen Frühmoderne und zeitgeschichtliche Bilddokumente aus Japan, Korea und China.

Trautz, geboren in Karlsruhe, hatte eine Offizierslaufbahn eingeschlagen. Dann aber habe er sich plötzlich anlässlich des russisch-japanischen Krieges von 1904/05 für dieses damals völlig unbekannte Land interessiert, berichtet Groth anhand von Fotos. Und alsbald habe Trautz an der Militärakademie Japanisch lernen wollen. Von seiner ersten Weltreise 1909/10, die natürlich auch ins Land seiner Träume führte, habe der neu für die Wissenschaft Entflammte Dutzende eigene Fotos und anderes Material zurückgebracht.

„Es ist aber dann doch unwahrscheinlich, dass er das alles allein bereist hat“, fügt Groth hinzu. Auch später habe Trautz Aufnahmen von anderen gerne mal als eigene ausgegeben. Was seiner Geltung aber nicht schade: Durch Trautzens Engagement könne man heute einmaligen Einblick ins Japan vergangener Tage nehmen.

Der erste habilitierte Japanologe Deutschlands

Nach seinem Dienst während des Ersten Weltkriegs habe der Japan-Interessierte dann in Berlin 1921 zum „Dr. phil.“ in Japanologie promoviert, so Groth. Die Prüfungen hätten noch Orientalisten abnehmen müssen – es gab noch keinen Professor der Japanologie in Deutschland. Anschließend habe Trautz wissenschaftlicher Assistent am Museum für Völkerkunde und von 1926 bis 1930 Leiter des Japan-Instituts in Berlin werden können. Als erster in Deutschland überhaupt habe er sich anschließend 1927 auch in der Japanologie habilitiert.

Was ihm im Intrigenspiel des Fachbereichs Völkerkunde nicht weiterhalf: „Er war ein totaler Außenseiter, schon vom fortgeschrittenen Alter her“, erläutert Groth. Trautz habe zu Alleingängen tendiert, sich kein Netzwerk und keine Hausmacht aufgebaut, keine Verbündeten gesammelt – „außer seiner Frau, die war selbst begeistert für Japan und reiste mit ihm 1930 auch dorthin“.

Bis 1938 sei das Paar geblieben. Er habe sich die Leitung des Japanisch-Deutschen Forschungsinstituts in Kyoto sichern können – und er habe weiter eifrig Interessantes gesammelt. Groth zeigt auf Karten, auf Plakate, auf zahlreiche Postkarten und Fotos. „Das Material ist so wertvoll, weil es ein authentisches Bild des Japan der Vergangenheit zeigt“, betont Groth.

1938 sei Trautz in ein Deutschland zurückgekehrt, das er nicht mehr erkannt habe. „Ja, er war Mitglied der nationalsozialistischen Partei, aber er entfremdete sich immer mehr davon“, sagt der Doktorand – und zeigt auf Postkarten mit Hakenkreuzen vor der japanischen Flagge aus den frühen 1930er Jahren.

Trautz sei in der Heimat nur noch als Privatgelehrter tätig gewesen – und habe mit Enthusiasmus seine zahlreichen Schätze präsentiert, kommentiert Groth über einem mit japanischen Schriftzeichen verzierten Dia-Kasten. Nach dem Zweiten Weltkrieg habe der alte Mann dann versucht, fernöstliche Weisheitslehren als Ausweg aus einem kriegerischen Jahrhundert zu interpretieren. Das Bonner Forscherteam ist diesen Spuren des frühen Japanologen in einer ganzen Reihe von Aufsätzen auf der Spur, sagt Groth. Und beugt sich noch einmal über seine Lieblingsexponate: die so zart handbemalten Büchlein auf Pflanzenfaserpapier.

Die Ausstellung ist noch bis zum 21. April im Uni-Museum (im Uni-Hauptgebäude), Regina-Pacis-Weg 1, zu sehen. Öffnungszeiten: mittwochs bis sonntags von 12 Uhr bis 16.30 Uhr.

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