Tag der Lehre in Bonn: Auf dem Weg zum Arzt der Zukunft

Tag der Lehre in Bonn : Auf dem Weg zum Arzt der Zukunft

Beim „Tag der Lehre der medizinischen Fakultäten in NRW“ in Bonn ging es um neue Konzepte: Ärzte und auch Politiker sehen Handlungsbedarf, auch bei der Kommunikation mit Patienten.

In Deutschland leben über 80 Millionen Menschen. Davon werden jedes Jahr auch viele krank, haben einen Unfall oder verletzen sich. Für so viele Menschen braucht es natürlich genügend Krankenhäuser, Arztpraxen und eben Ärzte. Jeder Deutsche geht im Schnitt zehn Mal pro Jahr zum Arzt – das ist öfter als in vielen anderen Ländern.

Die Patienten stellen immer höhere Anforderungen an Mediziner: Sie besuchen vor der Terminabsprache Internetportale, in denen Ärzte bewertet werden. Was Patienten als besonders negativ bewerten, ist die Fachsprache, die sie oft hören – und nicht verstehen.

Damit Mediziner und Patient erfolgreich miteinander kommunizieren können, müssen schon angehende Ärztinnen und Ärzte lernen, wie sie am besten mit Patienten sprechen und auch schlechte Nachrichten sensibel übermitteln. Darum ging es auch beim dritten „Tag der Lehre der medizinischen Fakultäten in NRW“, der jetzt in Bonn stattgefunden hat.

Das Studium muss sich verändern

Dekane, Professoren, Medizindidaktiker und Studierende trafen sich auf dem Venusberg, um in Workshops und Vorträgen darüber zu reden, wie sich die Mediziner-Ausbildung in Zukunft verändern wird. Mit einem eigenen Lehrpreis für studentische Projekte hat eine Jury außerdem Studierende geehrt, die sich ehrenamtlich für ein Lehrprojekt engagieren. Dass sich das Studium verändern wird und muss, findet auch Bernhard Steinweg, Kinderkardiologe und Mitglied des Dekanats der Bonner medizinischen Fakultät, der die Veranstaltung organisiert hat.

„So kann es nicht weitergehen. Es gibt zwar Modellstudiengänge, wo die Studierenden früher mit Patienten in Kontakt kommen, aber das ist immer noch nicht flächendeckend. In Kontakt mit Patienten kommen die Studierenden meist erst während des Pflegepraktikums, allerdings ohne systematische Begleitung“, sagt Steinweg. „Wir Ärzte müssen kommunizieren können, auch Informatikkenntnisse sind in Zukunft wichtig, um große Datenmengen auswerten zu können.“

Ebenso sehen Politiker Handlungsbedarf. Im März wurde der „Masterplan 2020“ veröffentlicht, der ausführt, was seitens der Politik in Zukunft vom Medizinstudium erwartet wird. „Gesundheits- und Wissenschaftsministerium haben Eckpunkte festgelegt, die Medizinerausbildung soll auf Bundesebene einheitlicher geregelt werden“, so Steinweg. „Dazu wird es auch eine neue Approbationsordnung geben.“

Die Landarztquote wird kritisch gesehen

In anderen Ländern existieren bereits Lernzielkataloge, die genau aufführen, welche praktischen Fähigkeiten die Studierenden erwerben müssen. Eine komplett einheitliche Ordnung für Deutschland wird es aber kaum geben: „Den Fakultäten muss es auch weiterhin möglich sein, Schwerpunkte zu bilden“, betont Steinweg. „Bonn ist zum Beispiel, was die Drittmittel angeht, in NRW am stärksten und hat einen Forschungsschwerpunkt. Diese Schwerpunkte müssten im neuen Gesetz dann in einer Klausel festgehalten werden, aber Mindeststandards soll es für alle geben.“

Vorschläge wie der, die Ausbildung praxisorientierter zu gestalten, die Allgemeinmedizin zu stärken und die Auswahl der Medizinstudierenden künftig nicht mehr alleine von deren Abiturnote abhängig zu machen, stoßen auf Zustimmung. „Die, die eigentlich für den Umstellungsprozess die Verantwortung tragen, sind aber leider nicht involviert worden“, sagt Frank Wissing, Generalsekretär des Medizinischen Fakultätentages (MFT) in Berlin.

Kritisch sieht er vor allem die Landarztquote, die einige Bundesländer einführen, um die medizinische Versorgung im ländlichen Raum zu verbessern. Auch in NRW steht eine solche Quote im neuen schwarz-gelben Koalitionsvertrag. Über Möglichkeiten einer rechtskräftigen Umsetzung weiß man bisher wenig.

Der Masterplan 2020 enthält wichtige Punkte – was aber gänzlich fehlt, sind Umsetzungs- und Finanzierungskonzept. Damit bleibt die Entwicklung des Studiums zunächst in den Händen der Fakultäten: „Ich bin sehr froh, dass wir hier in Bonn einen Umschwung spüren“, sagt Steinweg. „Bis es die neue Approbationsordnung gibt, werden aber noch zwei bis vier Jahre vergehen.“ Gebraucht werden neue Mediziner allemal: Über 40 Prozent der heute in Deutschland tätigen Ärzte sind über 50 Jahre alt.

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