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Anna-Katharina Hornidge leitet das DIE in Bonn

Anna-Katharina Hornidge übernimmt Leitung des DIE : „Bonn war für mich das Tor zur Welt“

Die neue Direktorin des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik kommt aus Bremen, hat aber Wurzeln am Rhein

Eine neue wichtige Akteurin für den Entwicklungsstandort Bonn hat an diesem Montag ihre Arbeit aufgenommen. Anna-Katharina Hornidge ist nun in Doppelfunktion sowohl Direktorin des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik (DIE) als auch Professorin für Globale Nachhaltige Entwicklung an der Bonner Uni. Mit der 41-jährigen Soziologin, die sich in Bremen bisher mit der marinen Tropenforschung befasste, sprach Bernd Eyermann.

Zwei neue Ämter. Was ist besonders spannend an der künftigen Arbeit?

Professorin Anna-Katharina Hornidge: Es ist die Verbindung von empirischer Wissenschaft in Afrika, Asien und Lateinamerika und der Übernahme von gesellschaftspolitischer Verantwortung, die mich fasziniert.

Wie meinen Sie das?

Hornidge: Seit meinem Studium arbeite ich zur Rolle von Wissen, Bildung und Ausbildung für Entwicklung in Südostasien und Zentralasien, zu Fragen von Land- und Wassermanagement in der Landwirtschaft Zentralasiens oder der Fischerei in Westafrika. Hierzu habe ich gut publiziert. Den Weg bis in die Politik hat all das in der Regel nicht geschafft. Die Rolle der DIE-Forschung ist durch die Nähe zum Entwicklungsministerium etwas anders: Die wissenschaftlichen Einblicke aus unterschiedlichen Weltregionen, zu Themen des Welthandels oder Fragen der politischen Stabilität in Asien oder Afrika werden in politische Entscheidungsprozesse eingebracht. Das ist eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe und eröffnet zahlreiche Kooperationsmöglichkeiten auch in der Bonner Allianz für Nachhaltigkeitsforschung …

… in der sich 2017 sechs Bonner Institutionen formiert haben, um Wissen und Kompetenzen in der Gesellschaft für eine nachhaltige Entwicklung zu stärken ...

Hornidge: Richtig. Wir alle haben ein Interesse daran, auf der Basis unserer empirischen Forschung konkrete Handlungsempfehlungen zu aktuellen und langfristigen Fragen an die Politik zu geben. Nur in einer gemeinsamen Partnerschaft können wir über längere Zeitskalen und Weltregionen hinweg getätigte Forschung zu entwicklungsbezogenen Themen in aussagekräftigen Analysen zusammentragen.

Wo sehen Sie grundsätzlich die wichtigsten Aufgaben der deutschen Entwicklungspolitik?

Hornidge: Das Zusammenspiel ökologischer aber auch gesellschaftspolitischer Veränderungsprozesse weltweit fordert die deutsche Entwicklungspolitik auf, international eine stärker sichtbare Rolle zu übernehmen. Gerade an der Schnittstelle von Klimawandel und der Zunahme sozialer Ungleichheiten gilt es aktiv zu sein. Dies umfasst Maßnahmen zur Bekämpfung von Heuschreckenplagen oder den Umgang mit dem Meeresspiegelanstieg genauso wie den Zugang zu Bildung sicherzustellen – Maßnahmen, die dem Verstärken sozialer Ungleichheit und dem Erstarken autoritärer Regierungssysteme entgegenwirken.

Bonn als erster Dienstsitz des Entwicklungsministeriums und Standort zahlreicher Organisationen im Bereich der Eine-Welt-
Politik ist für Ihre Aufgaben sicher prädestiniert.

Hornidge: Das ist richtig. Der direkte Kontakt zur Politik ist sehr wichtig. Insofern freue ich mich auf eine gute Zusammenarbeit mit dem Entwicklungsministerium. Darüber hinaus ist das DIE eines der Gründungsmitglieder der Bonner Allianz für Nachhaltigkeitsforschung und arbeitet mit zahlreichen Partnern am Standort Bonn eng zusammen. Das ermöglicht natürlich viele wichtige Kooperationen für das Institut und die Forschungs- und Kooperationsaufgaben in der ganzen Welt.

Wie sind Ihre Vorstellungen von der künftigen Ausrichtung des Instituts?

Hornidge: Ich werde zunächst einmal zuhören, die Menschen kennenlernen und die Basis für einen gemeinsamen Dialog suchen. Das ist mir sehr wichtig, auch um zu verstehen, was die unterschiedlichen Wissenschaftler am Institut besonders interessiert und wissenschaftlich kitzelt.

Und thematisch?

Hornidge: Zu den Themen, die ich selbst mitbringe, gehören zum einen Fragen zur Rolle von Wissen, Innovationsentwicklung und Wissenschaft in gesellschaftlichen Veränderungsprozessen und der Sicherung globalen Gemeinwohls. Zum anderen arbeite ich zu Fragen zum Umgang mit ökologischen Ressourcen in der Landwirtschaft, Fischerei. Momentan habe ich ein Projekt beispielsweise zum Umgang mit Meeresspiegelanstieg im insularen Südostasien und ein weiteres zur politischen Handhabe von Luftverschmutzung in Metro Manila, Philippinen. In Bremen habe ich in jüngster Zeit vor allem zum Meer und marinen Ressourcen geforscht. Ich bringe also ein bisschen das Meer mit an den Rhein. Davor hatte ich viele Jahre im landwirtschaftlichen Kontext in Zentralasien gearbeitet. Der Umweltbereich wird somit sicher ein Schwerpunkt bleiben.

Sie sind in Königswinter geboren und haben in Bonn studiert. Kommen Sie quasi nach Hause?

Hornidge: Gewissermaßen schon. Ich bin zwar in Hessen aufgewachsen, aber meine Großeltern wohnten in Oberdollendorf, so dass ich viel im Rheinland war. Die Uni Bonn war für mich das Tor zur Welt. Von hier aus bin ich nach Asien und Australien aufgebrochen oder später nach Berlin, wo ich promoviert habe. Bevor ich 2015 nach Bremen gewechselt bin, war ich zehn Jahre am Zentrum für Entwicklungsforschung der Uni Bonn tätig. Bonn war mir also nie fremd.