Alanus-Ringvorlesung zur Liebe: Buddhistische Perspektiven

Buddhistische Perspektiven : Alanus-Hochschule lädt zur Ringvorlesung „Liebe usw.“

Professor Peter Ramers spricht am Mittwoch, 6. November in der Alanus Hochschule über Liebe und Sexualität aus buddhistischer Sicht. Die Ehe etwa ist in traditionellen buddhistischen Gesellschaften ein Zweckbündnis.

Räucherstäbchen und Massageöl, dazu die Klänge einer Sitar – somit wäre alles bereit für ein sinnliches Erlebnis, das den von One-Night-Stands enttäuschten Liebenden der westlichen Hemisphäre wahre Erleuchtung verspricht. Vielleicht steht irgendwo im Hintergrund ein auf Hochglanz polierter Buddha und lächelt weise dazu.

Zugegeben, das klingt recht nett und tut auch sicher niemandem weh, gründet aber auf einem grundlegenden, populär-esoterischen Missverständnis und berührt kaum die Oberfläche dessen, was sich aus buddhistischer Sicht tatsächlich zu Liebe und Sexualität sagen lässt. Welche Widersprüche sich daraus zu den abendländisch tradierten Vorstellungen und Idealen ergeben und warum sich mitunter auch überraschende Gemeinsamkeiten offenbaren – darüber spricht der Religionsphilosoph und Religionswissenschaftler Professor Peter Ramers am Mittwoch, 6. November, bei der Ringvorlesung „Liebe usw.“ der Alanus Hochschule und des General-Anzeigers.

Falls es gelingt, sich von ein paar verlockenden Klischees zu lösen, stellt die ausführlichere Beschäftigung mit dem frühen monastischen sowie dem engagierten Buddhismus des 20. Jahrhunderts ausgesprochen interessante Fragen, auf die Ramers beim Vortrag eingehen wird. Ist die Geisteshaltung der Upekkhâ – der Gleichmut, Unberührtheit, Indifferenz – tatsächlich ein erstrebenswertes Ziel? Lässt sie sich mit dem für unser Empfinden wesentlich „sympathischeren“ Kanon von Wohlwollen (Metta), Mitgefühl (Karuna) und Mitfreude (Mudita) in Einklang bringen? Und wie verträgt sich die Lehre des Nichtanhaftens mit dem exklusiven Bedürfnis nach der seelischen und körperlichen Nähe eines anderen Menschen?

„Tatsache ist, dass ein Äquivalent zur Liebe, wie wir sie verstehen, im Buddhismus ursprünglich nicht existiert“, erklärt Ramers. Er studierte Philosophie und Theologie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule SVD Sankt Augustin sowie von 1986 bis 1995 Religionswissenschaft, Indologie, Tibetologie, Mongolistik und Mandschuristik an der Uni Bonn, wo er zum Dr. phil. promoviert wurde. Seit 1996 hat er an der Philosophisch-Theologischen Hochschule als Lektor und Dozent und seit 2001 als Professor für Religionswissenschaft, Religionsphilosophie, Geschichte der Philosophie und Naturphilosophie gelehrt, war 2004 bis 2018 Prorektor und 2018/19 Rektor der Hochschule. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehört unter anderem auch Buddhologie. „Religion“, sagt Ramers, „ist ein dynamisches Wesen. Und das gilt auch für den Buddhismus. Er ist, was er jetzt ist, aber auch das, wohin er sich noch entwickeln wird.“

So treten seit den 1970er Jahren so genannte engagierte Buddhisten für ein aktives ökologisches, humanistisches und soziales Verständnis zum Schutz der Mitwelt und der Mitwesen und für die Beseitigung ökonomischer, sozialer und geschlechtlicher Benachteiligung ein. Vereinbaren lassen sich diese Ziele wohl am ehesten mit der Bodhisattva-Philosophie, die – stark verkürzt ausgedrückt – dahin zielt, nicht allein für sich selbst Erleuchtung zu erlangen und damit in das Nirwana einzugehen, sondern stattdessen zuvor allen anderen Wesenheiten zu helfen, sich ebenfalls aus dem endlosen Kreislauf der Wiedergeburten (Samsara) zu befreien. Auch so kann Liebe aussehen.

Wohingegen die Ehe in traditionellen buddhistisch geprägten Kulturen bis heute von vielen als eher notwendiges Übel angesehen oder als bloße Zweckgemeinschaft definiert wird. Was nicht bedeutet, dass man dabei nun soweit gehen müsste, wie die religiösen Virtuosen des frühen Mönchtums, deren Chauvinismus dem christlichen in nichts nachsteht. Die auf ihre Körperlichkeit reduzierte Frau scheint es dort geradezu darauf anzulegen, den nach Erleuchtung Strebenden vom rechten Weg abzubringen. Um jedwede Leidenschaft in sich zum Schweigen zu bringen, wird dem Mönch ein drastischer Anschauungsunterricht empfohlen, der hierzulande selbst versierte Rechtsmediziner mit den Grenzen des Erträglichen konfrontieren dürfte.

Professor Peter Ramers erklärt zum Gegenstand seiner Betrachtung: „Tatsache ist, dass ein Äquivalent zur Liebe, wie wir sie verstehen, im Buddhismus ursprünglich nicht existiert.“. Foto: Benjamin Westhoff

„Diese Art der Meditation wird zum Teil sogar noch praktiziert“, sagt Ramers. „Ungeachtet dessen haben sich mit der Ausbreitung des Buddhismus im Westen und dem damit einhergehenden Dialog mit anderen Religionen und Kulturen auch neue Perspektiven für eine Liebe auf Augenhöhe eröffnet.“ Gewaltverzicht, Respekt vor dem anderen als Teil von sich selbst und Gelassenheit – ihn das sein zu lassen, was er seiner Buddha-Natur nach eben ist –, könnten ihrerseits durchaus inspirierend wirken, auch ohne Räucherstäuben und Sitar.

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