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Alanus-Architekten wollen in Netzen lernen lassen

Klassenzimmer für Kletterkinder : Alanus-Architekten wollen in Netzen lernen lassen

Architekten der Alanus Hochschule wollen knappen Schulraum mit Netzen erweitern. Dazu gibt es eine Kooperation mit der Stadt Düsseldorf.

Schwindelfrei sollten die Lehrer und Schüler der Zukunft schon sein. Zumindest, wenn es nach den Vorstellungen des Fachbereichs Architektur der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter geht. Und kletterfreudig. Denn auf der Suche nach neuen Raumkonzepten und Optimierungsmöglichkeiten für bestehende Lehranstalten haben sich Studenten um Professor Willem-Jan Beeren und den Schweizer Schul-
entwickler Andreas Hammon im Rahmen des Erasmus-Forschungsprojekts „Puls+“ intensiv mit riesigen Netzen auseinandergesetzt, in denen in einigen Jahren durchaus Unterricht stattfinden könnte.

Sogar eine konkrete Umsetzung ist schon geplant: Die Stadt Düsseldorf überlegt, den Ansatz beim Neubau der Henri-Dunant-Gemeinschaftsgrundschule zu berücksichtigen. Nun konnten sich einige Lehrer und Schüler im Raumlabor der Alanus Hochschule mit den Möglichkeiten der Netze vertraut machen. Und mit deren Grenzen.

Aufregend ist die Konstruktion auf jeden Fall: Innerhalb kürzester Zeit erkunden die Kinder, die als erste in die Netze gehen dürfen, jeden Winkel des mehrere Meter hohen Gebildes, toben und spielen ohne Angst vor Höhen, lassen sich fallen und rollen nach unten, nur um sofort wieder nach oben zu steigen. Ein Kletterparadies – aber soll das schon alles sein?

Schulen an Grenzen ihrer Kapazitäten

Nein, betont Beeren. „Wir wollen die Netze vielmehr als pädagogische Fläche denken. Das Problem ist ja, dass die Schulen insbesondere im urbanen Raum immer wieder an die Grenzen ihrer Kapazitäten gelangen, weil ihr Platz begrenzt ist und man sie nicht kurzerhand um ein paar zusätzliche Gebäude erweitern kann. Unsere Frage war daher, wie man vorhandenen Raum besser nutzen kann, zum Beispiel, indem man in die Höhe geht. Gleichzeitig wissen wir, dass sich Bewegungsmangel negativ auf das Lernvermögen auswirkt. Nur im Klassenzimmer zu sitzen, ist auf Dauer kontraproduktiv. Die Netze könnten eine Lösung für beides sein.“

Voraussetzung für eine Umsetzung der Netz-Idee ist allerdings, dass entsprechende Lernkonzepte entwickelt werden. „Ich glaube nicht, dass man sie mit einer kompletten Klasse nutzen kann“, sagt Melanie Gregrowicz, Leiterin der GGS Henri Dunant. „Mit Heften und Büchern werden wir auch kaum arbeiten können, dann wohl eher mit Klemmbrettern. Andererseits finde ich den Ansatz für Ruhephasen klasse, oder auch für die Betreuung von Kleingruppen, sofern die Personaldecke dies zulässt.“

Das probieren Lehrer und Schüler denn auch vor Ort aus, suchen im Raumlabor nach möglichen Umsetzungen und neuen Formaten. „Genau darauf bauen wir“, betont Hammon, der an der Schnittstelle zwischen Architektur und Pädagogik tätig ist. „Die Alanus Hochschule hat ihr Forschungsprojekt zwar abgeschlossen, aber mit dem gesamten Prozess sind wir noch am Anfang. Umso bemerkenswerter ist es, dass die Stadt Düsseldorf dieses Experiment unterstützt.“

Großoffensive im Schulbau beschlossen

Das geschieht gleich in zweierlei Hinsicht: Zum einen hat die Landeshauptstadt ohnehin eine Großoffensive im Schulbau beschlossen und zeigt sich zum Experimentieren bereit. Zum anderen ist sie Kooperationspartner der Alanus Hochschule bei dem praxisorientierten Masterstudium „Schul- und Kulturbau“, in dem nicht nur Architektur gelehrt, sondern parallel dazu auch ein Einblick in die Abläufe beim Schulverwaltungsamt gewährt wird.

Aus diesem Fach heraus ist die Netz-Konstruktion entstanden, die bei den Verantwortlichen gut ankommt. „Das ist ein spannendes Konzept, das wir gerne in einem Neubau umsetzen würden, allerdings nur in enger Abstimmung mit der entsprechenden Schule“, betont Jürgen Hölzgen vom Schulverwaltungsamt Düsseldorf. „Vermutlich wird es allerdings noch vier bis fünf Jahre dauern, bis wir so weit sind.“

Die Schüler, die im Raumlabor auf den Netzen herumklettern, werden also wohl noch nicht auf ihnen lernen. Doch immerhin eröffnen sie –  mit den Alanus-Studenten und allen anderen Projekt-Beteiligten – zukünftigen Generationen neue Räume. Und vielleicht sogar andere Arten des Lernens.