Max-Planck-Institut für Radioastronomie: 50 Jahre Sternenblick

Max-Planck-Institut für Radioastronomie : 50 Jahre Sternenblick

Regional und weltweit vernetzt: Das MPIfR in Bonn-Endenich besteht seit 1966. Kernstück der Einrichtung ist das 100-Meter-Teleskop Effelsberg. Derzeit konzentriert sich das Institut auf die Erforschung der Entstehung von Sternen, der supermassiven Schwarzen Löcher und der Gravitationswellen.

Seit 50 Jahren geht der Blick in Richtung Himmel. Rauf zu den Sternen, zu Pulsaren und Schwarzen Löchern, zu interstellaren Nebeln und fernen Galaxien, um auf diese Weise das Universum zu verstehen. Und damit auch in gewisser Weise den Ursprung des Menschen.

Das Max-Planck-Institut für Radioastronomie (MPIfR) in Endenich, das größte Institut seiner Art in Europa und auch weltweit noch immer im Spitzenfeld agierend, hat seit seiner Gründung anno 1966 kontinuierlich die unendlichen Weiten erforscht – mit dem 100-Meter-Teleskop Effelsberg, dem Kernstück der Einrichtung. Fast drei Jahrzehnte lang das größte bewegliche Radioteleskop der Welt, hat es zahlreiche Entdeckungen gemacht und international für Aufsehen gesorgt.

„Und wir sind noch lange nicht am Ende“, betont MPIfR-Direktor Professor Michael Kramer. „Unser Flaggschiff wurde immer wieder verbessert und ist noch hervorragend in Schuss, wir pflegen zahlreiche Kooperationen, exportieren bei uns entwickelte Technologien, sind global konkurrenzfähig und haben weiterhin den Anspruch, zu führen.“

Das Selbstbewusstsein des MPIfR ist durchaus gerechtfertigt. In den vergangenen Dekaden führte an dem Institut im Bereich Radioastronomie einfach kein Weg vorbei, nicht zuletzt dank des Effelsberger Teleskops, für dessen Betrieb es ja überhaupt erst gegründet worden war. „Ursprünglich gab es zwei Förder-Anträge bei der Volkswagenstiftung: Otto Hachenberg wollte in Bonn ein 80-Meter-Teleskop errichten und Sebastian von Hoerner eines in Tübingen“, erinnert sich Richard Wielebinski, der kurz nach der Gründung des MPIfR zu dessen Direktor ernannt worden war und inzwischen seit zwölf Jahren emeritiert ist.

„Als von Hoerner sein Projekt zurückzog, standen Hachenberg auf einmal statt der geplanten 18 Millionen Mark 36 Millionen zur Verfügung – und so entschied er sich für eine Vergrößerung des Spiegels, bei dem ein neuartiges Konzept zum Einsatz kam.“ Erstmals gelang es, die parabolische Form des Reflektors beim Kippen zu erhalten, lediglich die Brennweite musste korrigiert werden.

„Das war ein absoluter Durchbruch in der Genauigkeit“, erzählt Wilebinski, der nach seiner Promotion bei dem Nobelpreisträger Martin Ryle bereits in Sydney den Aufbau der Radioastronomie vorantrieb und später von Bonn aus anderen Ländern auf ähnliche Weise half.

„Dank unserer Erfahrungen in Effelsberg sind wir natürlich oft um Unterstützung gebeten worden“, sagt er. „So haben wir zum Beispiel mit Polen, Spanien und Frankreich zusammengearbeitet, um etwa Anlagen im Millimeterbereich zu errichten. Auch bei der Konstruktion des Atacama Large Millimeter/submillimeter Array in Chile haben wir eine Rolle gespielt. Derartige Kooperationen waren und sind eigentlich selbstverständlich. Mit einem Teleskop alleine kann niemand führend in der Welt sein.“

Derzeit konzentriert sich das MPIfR in drei wissenschaftlichen Abteilungen auf die Erforschung der Entstehung von Sternen, der supermassiven Schwarzen Löcher im Zentrum von Galaxien sowie der Gravitationswellen. „Wir wollen die Naturgesetze verstehen und herausfinden, wie das Universum entstand“, fasst es Kramer zusammen.

„Dafür haben wir hier hervorragende Möglichkeiten. Und wir entwickeln uns weiter. Mit der Universität Bonn sind wir ja von Anfang an verbunden und profitieren in allen Bereichen so selbstverständlich voneinander, dass man es nur als natürliche Symbiose bezeichnen kann. Daneben arbeiten wir aber auch mit der Universität Köln zusammen und sind jetzt eine Kooperation mit der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg eingegangen, um so unter anderem auf die Technikstudenten zugreifen zu können.“

Damit und mit den zahlreichen internationalen Verbindungen – unter anderem ermögliche eine Beteiligung an einem Mega-Teleskop in Südafrika bald einen besonderen Blick auf den Südhimmel – sei, so beschreibt es Direktor Michael Kramer, das MPIfR für die kommen den Jahre bestens aufgestellt.

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