200. Geburtstag der Hochschule

Die "Rheinische Wunderkammer" der Uni Bonn

Der Abguss einer im Krieg zerstörten Männerbüste steht im Zentrum einer Versammlung von Köpfen im Magazin der Antikensammlung. Sie wurde von Friedrich Gottlieb Welcker im Jahre 1836 für die Universität Bonn angekauft.

Der Abguss einer im Krieg zerstörten Männerbüste steht im Zentrum einer Versammlung von Köpfen im Magazin der Antikensammlung. Sie wurde von Friedrich Gottlieb Welcker im Jahre 1836 für die Universität Bonn angekauft.

Bonn. "Rheinische Wunderkammer" heißt das Werk, das anlässlich des 200. Geburtstages der Universität Bonn im kommenden Jahr schon jetzt erschienen ist. 200 Objekte spiegeln die Meilensteine der Geschichte der Uni von 1818 bis 2018.

Die Universität Bonn feiert im nächsten Jahr ihr 200-jähriges Bestehen. Sozusagen als Vorhut für dieses Jubiläums ist nun das Buch "Rheinische Wunderkammer - 200 Objekte aus 200 Jahren Universität Bonn 1818-2018" erschienen. Es ist der ambitionierte Versuch, die reiche Historie der Hochschule anhand von einzelnen Objekten Jahr für Jahr abzubilden. "Daher kommt der Begriff Wunderkammer im Titel", sagt Initiator Klaus Herkenrath. "Wir bedienen uns bei diesem Ausstellungskonzept und übertragen es ins Buch. Dort zeigen wir ein Labyrinth aus verschiedenen Aspekten der Hochschulgeschichte und lassen den Leser daran teilhaben."

Herkenrath ist im Team für die Öffentlichkeitsarbeit der Universität Bonn insbesondere für die Außendarstellung der Museen und Sammlungen zuständig. "Es soll ja öffentlich werden, welche Schätze wir da haben", sagt er. Nach vielen Videos und Pressemitteilungen, die im Vorfeld des Jubiläums veröffentlicht wurden, kam ihm vor drei Jahren die Idee, etwas zu kreieren, in dem man "zu Hause auch mal schmökern kann". Kurzum: Es sollten die schönsten, kuriosesten und spannendsten Objekte gezeigt werden. Zum Beispiel Lügensteine, eine Sumpfzypresse oder ein kompletter Operationssaal aus den frühen 1930er Jahren. Herkenrath lief offene Türen ein bei den Verantwortlichen der Uni. So wurde aus der Idee ein konkretes Projekt.

Insgesamt 70 Autoren aus allen Wissenschaftlichen Sammlungen und Museen der Universität haben sich letztlich versammelt, um die Geschichte der Exponate zu erzählen. Aus den zwölf Museen und fast 30 Sammlungen wurde für jedes Jahr seit der Gründung der Uni ein Gegenstand ausgewählt. Keine leichte Aufgabe. Doch mit viel Leidenschaft und Ausdauer aller Beteiligten ist es geglückt. Fast: Das Jahr 1893 tanzt aus der Reihe. Das zugehörige Bild zeigt 600 Tongefäße, die größte Sammlung von ägyptischen Grabbeigaben außerhalb des Landes. Allerdings wurde diese erst 1972 vom Bonner Professor Elmar Edel gefunden - und hätte entsprechend im Buch datiert werden müssen.

Den Machern ist es schlichtweg zu spät aufgefallen, dass 1893 die Inventarnummer der Sammlung im Ägyptischen Museum ist. Herkenrath kann über diesen Schönheitsfehler lachen. Zumal der Rest des Buches von großer Akribie und Detailverliebtheit geprägt ist. Dies ist auch Volker Lannert zu verdanken der die meisten Bilder gemacht hat - oft in stundenlanger Kleinarbeit. "Ohne seinen anderen, kreativen Blick auf die Dinge wäre das Buch nicht so schön geworden", sagt Herkenrath, der zudem seinem Mitherausgeber Thomas Becker dankt, der nicht nur Archivar der Universität ist, sondern als Sammlungsbeauftragter und Leiter der Arbeitsgemeinschaft der Museen "die Schlüsselposition in Sachen Sammeln, Bewahren und Zeigen" besetzt.

Die erste Auflage des Buches umfasst 1700 Exemplare. "Es war für uns wichtig, dass das Buch für den interessierten Laien erschwinglich ist", sagt Herkenrath. Der Wallenstein-Verlag hat es geschafft, den Preis bei 24,90 Euro zu halten. Das ist nicht viel für eine gedruckte Wunderkammer dieses Ausmaßes.