Immobilienportal Captain-Immo

Bonner Studenten wollen die Wohnungssuche revolutionieren

BONN. Geografie-Studenten der Universität entwickeln ein kartenbasiertes Immobilien-Portal. Es unterscheidet sich vor allem in einem Punkt von kommerziell erfolgreichen Anbietern.

Im Immobilien-Dschungel den Überblick zu behalten, ist selbst für die Tarzane unter den Wohnungssuchenden eine große Herausforderung. Wer sich nicht auskennt, weiß oftmals nicht einmal, wo anfangen mit der aufwendigen Suche nach der Traumwohnung. Denn mindestens genauso wichtig wie Mietpreis, Quadratmeter- und Zimmeranzahl ist zweifellos die Lage.

Ein Faktor, der auf Immobilien-Portalen bislang vernachlässigt wird – so erklären drei Bonner Studenten. Matthias Sell, Tim Erdmann und Timothy Krechel wollen nun mit ihrem neu gegründeten Start-up „Captain Immo“ die Wohnungssuche im Internet revolutionieren. Die Idee ist simpel: Zusätzlich zu den bekannten Komponenten wie Preisspanne, Größe und Zimmeranzahl kann der Nutzer mit Captain Immo auch nach Informationen zur Lage filtern – auf den Nutzer zugeschnitten. Wie lange brauche ich zur Arbeit? Wo ist der nächste Supermarkt? Gibt es in der Nähe einen Park oder Spielplatz?

Genau wie der Kapitän, der das Schiff mit Karte und Kompass durch die Weltmeere navigiert, soll auch Captain Immo dem Wohnungssuchenden auf der Reise ins neue Zuhause mit der Karte den Weg weisen. „Wir selbst waren alle schon mal auf Wohnungssuche und wissen, wie nervenraubend das sein kann. Mit unserer Idee soll die Suche nach der Traumwohnung Spaß machen“, sagt Matthias Sell.

Der Idee musste Leben eingehaucht werden

Er und Tim Erdmann haben an der Uni Bonn Geografie studiert und sich in ihrer Bachelor-Arbeit damit beschäftigt, wie sie das Fach mit der Wohnungssuche kombinieren können. „So entstand dann auf dem Papier die Geschäftsidee, Umgebungsanalysen in die Wohnungssuche mit einfließen zu lassen“, sagt Erdmann. Nun galt es, der theoretischen Gestalt des Captain Immo Leben einzuhauchen.

Die beiden Geografen werteten Karten aus, analysierten Lärmmessungen und generierten Informationen zur Umgebung im Bonner Raum. Bei der technischen Umsetzung kamen die beiden jedoch an ihre Grenzen. Ein Programmierer musste her. „Da braucht man richtige IT-Power, damit es gut funktioniert“, sagt Matthias Sell. Also holten sie sich Timothy Krechel ins Boot. Der studierte Betriebswirt aus Troisdorf ist nun für die Softwareentwicklung von Captain Immo zuständig: „Mich haben die beiden vor allem mit der Idee überzeugt. Ich fand es sympathisch, dass es weniger um die kommerzielle Ausrichtung geht als darum, dass es Spaß machen soll, das Tool zu benutzen.“

Den Launch der Anwendung haben die drei für Ende Februar angesetzt. Bis dahin gehe es darum, die Software weiter zu testen und zu verbessern. „Bisher haben wir sehr positives Feedback erhalten. Besonders gut kam die Entfernungsberechnung an“, sagt Matthias Sell. Außerdem lobten die Tester die grafische Darstellung und die zahlreichen Filter. Sie kritisierten aber, dass die Anwendung teilweise unübersichtlich sei und langsam arbeite. „Nichts, was sich nicht mit ein paar Änderungen im Code beheben ließe“, sagt Krechel.

Auf einmal der "Captain-Immo-Typ"

In Zukunft könnte Captain Immo den Gründern zufolge auch dabei helfen, die Images von Stadtteilen aufzubrechen. Einem Stadtteil wie Tannenbusch pauschal ein negatives Image zuzuschreiben, sei Blödsinn. „Es macht zum Beispiel einen Riesenunterschied, ob man im Westen oder im Osten eines Stadtteils wohnt und was einem persönlich wichtig ist“, erklärt Tim Erdmann.

„Die größte Erkenntnis in der Zeit war, dass man einfach alles selber machen muss“, sagt Tim Erdmann. Vom eigenen Finanzplan über Anträge für Gründer-Stipendien bis hin zur Gründung einer Gesellschaft. Von einer 40-Stunden-Woche können die drei nur träumen, und selbst nach Feierabend spukt der Captain noch in ihren Köpfen herum: „Das ist wirklich wie eine Krankheit, die sich ins Unterbewusstsein gefressen hat“, sagt Erdmann. Auf einmal sei man nicht mehr nur der Tim, sondern der „Captain-Immo-Typ“. Trotzdem: Mit jemandem tauschen wollen würden sie nicht.