Kommentar zu Stromsperrungen: Wege aus der Kostenfalle

Kommentar zu Stromsperrungen : Wege aus der Kostenfalle

Nicht immer, aber sehr oft ist Armut der Grund für eine Stromsperrung. Die Betroffenen brauchen Hilfe, wenn es darum geht, die Kosten in den Griff zu bekommen. Ein Kommentar.

Wenn in guten wirtschaftlichen Zeiten die Zahl der privaten Haushalte zunimmt, die ihre Stromrechnung nicht bezahlen, stimmt etwas nicht. In einem reichen Land sollte tatsächlich niemand auf die Stromversorgung verzichten müssen. Der Bund verweist zwar zu Recht darauf, dass Stromsperren nicht nur mit Einkommensarmut zu tun haben, sondern auch etwa mit Desorganisation oder privaten Problemen. Doch dass über die Hälfte der von den Abschaltungen betroffenen Haushalte Hartz IV beziehen, weist doch auf Armut als Hauptursache hin. Das Problem wird nicht kleiner, denn die Strompreise ziehen derzeit wieder an.

Die Betroffenen beziehen ihren Strom besonders häufig von Grundversorgern. Deren Tarife sind aber die mit Abstand teuersten. Beim Wechsel aus der Kostenfalle zu günstigeren Anbietern sollte ihnen mehr Hilfestellung gegeben werden – etwa durch eine Verbraucherberatung. Da die Job-Center die Hartz-IV-Haushalte betreuen, müssen sie dabei die Schaltstelle sein. Rechtliche Hürden gegen den Wechsel aus dem Grundversorgertarif sollte der Staat beseitigen. Er würde damit nicht nur die Nöte der Betroffenen lindern, sondern handelte zusätzlich im eigenen finanziellen Interesse: Geringere Stromkosten in Hartz-IV-Haushalten könnten auch den weiteren Anstieg der staatlichen Transferleistung dämpfen.

Zudem sollte der Staat einkommensschwächere Haushalte gezielt beim Stromsparen beraten und ihnen Zuschüsse für energiesparende Haushaltsgeräte bieten.