Weltweiter Handel: Verunsicherte Märkte

Weltweiter Handel : Verunsicherte Märkte

Die USA sind ein wichtiger Partner für Deutschland, und noch ist offen, welche Ankündigungen bezüglich des Handels der neue US-Präsident wahr macht.

Fassungslos reagierten die Märkte noch in Japan, nachdem ein Donald Trump als 45. amerikanischer Präsident immer wahrscheinlicher wurde. Als seine Wahl gewiss war und die europäischen Börsen öffneten, gerieten auch hier die Märkte unter Druck, erholten sich aber von den Tiefs. Die Angst bleibt, unter Trump werde der weltweite Handel leiden. Deutsche Autoaktien bekamen das zu spüren. Letztlich gewann der Dax im Tagesverlauf 1,56 Prozent und schloss am Abend bei auf 10 646,01 Punkten.

Das Entsetzen in der Wirtschaft über die Wahl Trumps ist weit verbreitet. „Wenn Trump die Handelsschranken durchsetzen könnte, die er angekündigt hat, wäre der Schaden groß“, sagte der Präsident des Ifo-Instituts Clemens Fuest. Schließlich hingen in Deutschland 1,5 Millionen Arbeitsplätze vom US-Geschäft ab, die USA seien der wichtigste Handelspartner Deutschlands. Ähnlich Dennis J. Snower, Präsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel, der Trumps Vorschläge für mehr Wohlstand in Amerika abkanzelte: Das Gegenteil werde passieren, wenn Trump seine Ankündigung von Zöllen, unbezahlbaren Subventionen und einem abgeschotteten Binnenmarkt wahr mache. „Amerika wird ärmer werden, der weltweite Wohlstand durch weniger Handel zurückgehen“, so Snower.

Trumps nationalistische wirtschaftspolitische Töne griff auch Ulrich Grillo, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). Trump solle sein „isolationistische Wahlkampfrhetorik beenden“. Die Verunsicherung in der Wirtschaft sei „riesengroß“, so Grillo. „Die Vereinigten Staaten müssen weiter auf offene Märkte setzen. Alles andere wäre Gift für die US-Wirtschaft“, sagte er. Ähnlich Gustav A. Horn, Chef des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie in der Hans-Böckler-Stiftung: Trumps Politik werde den Welthandel belasten „und damit auch die Exporte in die USA.“ Das werde auch „signifikante Effekte auf den deutschen Export haben.“

Das reflektierten die Börsen in Fernost. Ob in Hongkong, Seoul oder Sydney – überall ging es abwärts. In Tokio stürzte der Nikkei-Index 5,4 Prozent ab. Nur an den weitgehend abgeschotteten chinesischen Märkten hielten sich die Verluste in Grenzen. Ähnliche Reaktionen auch auf den Devisenmärkten. Der mexikanische Peso sackte um rund zehn Prozent gegenüber dem amerikanischen Dollar ab.

Trump hat angekündigt, mexikanische Schwarzarbeiter aus den Vereinigten Staaten zu vertreiben und ihre Rückkehr mit dem Bau einer Mauer entlang der amerikanisch-mexikanischen Grenzen zu verhindern. Aber auch der Dollar selbst fiel: Gegenüber dem Euro wurde er gestern früh, als sich der Sieg Trumps abzeichnete, mit zeitweise sogar etwas mehr als 1,13 Dollar gehandelt. Danach beruhigte sich das Geschäft aber wieder. Es genügten sechs Stunden später nur gut 1,10 Dollar, um einen Euro zu kaufen. Viel Bewegung auch auf dem Goldmarkt: In der Spitze schoss der Preis für die Feinunze gestern auf 1,336,70 Dollar, um Stunden später auf ein Plus von „nur“ gut zwei Prozent auf 1.298 Dollar zurückzufallen.

Viele Marktteilnehmer erinnerten sich an ähnlich krisenhafte Ereignisse und daran, dass sie oft schnell verdaut wurden, zuletzt der Brexit.

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