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Aus für das Plexiglasgeschäft: Verkauf bei Evonik betrifft 3900 Mitarbeiter

Aus für das Plexiglasgeschäft : Verkauf bei Evonik betrifft 3900 Mitarbeiter

Evonik verkauft sein Plexiglasgeschäft. Der Käufer Advent schließt betriebsbedingte Kündigungen bis 2023 aus. Doch damit ist der Umbau noch lange nicht zu Ende.

Die Evonik-Aktionäre konnten sich am Dienstag endlich mal wieder freuen: Die Aktie legte zeitweise um fünf Prozent zu. Der Chemiekonzern hatte am Vorabend mitgeteilt, dass er sein Plexiglas-Geschäft (Methacrylat-Verbund) für drei Milliarden Euro an den US-Finanzinvestor Advent verkauft. Der Erlös ist deutlich höher, als Analysten erwartet hatten. Zudem legte Evonik eine gute Bilanz für 2018 vor. „Trotz erheblicher externer Belastungen aus Konjunktur, Politik und Rhein-Niedrigwasser haben wir unsere Ziele für 2018 alle erreicht“, sagte Evonik-Chef Christian Kullmann. Der Gewinn (Ebitda) legte um zehn Prozent auf 2 ,6 Milliarden Euro zu, der Umsatz stieg um vier Prozent auf 15 Milliarden.

Ein Coup gelang Evonik beim Plexiglas-Verkauf. Vor einem Jahr hatte Kullmann den Unternehmensbereich mit 3900 Mitarbeitern ins Schaufenster gestellt. Aus dem Bieterverfahren ging Advent als Käufer hervor. Der Erlös fiel überraschend hoch aus, das Geschäft steht nur noch mit einer Milliarde Euro in Evoniks Büchern, so dass trotz 500 Millionen an Schulden reichlich übrig bleibt. Am Wochenende hatten die Chefs in einem Hotel im Düsseldorfer Medienhafen den Deal besiegelt, am Montag stimmte der Aufsichtsrat zu. Zwei Drittel der 3900 Stellen liegen in Deutschland. Größere Werke liegen in Darmstadt, Weiterstadt und Worms. In NRW sind kleinere Produktionsstätten in Wesseling und Marl betroffen. Kullmann betonte: „Advent hat sich zur Sozialpartnerschaft bekannt, bis 2023 sind betriebsbedingte Kündigungen wie bei Evonik ausgeschlossen.“ Auch seien die Amerikaner als langfristige Investoren bekannt und hätten Erfahrungen im Chemie-Geschäft.

Das Plexiglas-Geschäft hat eine lange Tradition, das Patent ist 85 Jahre alt. Aus Methacrylat werden zum Beispiel Cockpit- und Bootfenster, Scheinwerfer und Auto-Konsolen hergestellt. Doch es passt aus Sicht des Vorstands nicht mehr ins Kerngeschäft, zudem hätte Evonik stark investieren müssen, was zu Lasten der Wachstumsbereiche gegangen wäre.

Größter Standort der Region in Wesseling

Und damit ist der Umbau noch lange nicht zu Ende. Bis Ende 2020 will der Konzern 1000 seiner 36.000 Arbeitsplätze abbauen, davon 600 in Deutschland. So sollen die Verwaltungskosten gesenkt werden. Die ersten 130 Stellen sind durch Fluktuation geschafft. Nun lockt Evonik weitere Mitarbeiter mit einem Abfindungs- und Vorruhestandsprogramm: Im Schnitt wird nach Konzernangaben pro Beschäftigungsjahr gut ein Monatsgehalt geboten. Kullmann will aus Evonik den „besten Spezialchemie-Konzern der Welt“ machen. Die starke Abhängigkeit vom Geschäft mit Tierfutter-Zusätzen (Methionin) wurde bereits von 40 auf zehn Prozent des Gewinns verringert. „Wenn der Umbau ein Hundert-Meter-Lauf ist, sind wir bei Meter zehn“, meinte Kullmann.

Doch die Anleger honorierten das lange nicht. Seit Herbst ist die Evonik-Aktie (wie andere Chemie-Papiere) um 30 Prozent abgestürzt. Mit aktuell 27 Euro notiert sie weit unter den 33 Euro, zu dem der Konzern 2013 an die Börse gegangen war. Immerhin bleibt die Dividende hoch und bei 1,15 Euro je Aktie stabil. Damit kann sich insbesondere der Großaktionär, die RAG-Stiftung, erneut auf eine hohe Ausschüttung freuen. „Und wir wollen die Dividende mindestens weiter stabil halten“, versprach Kullmann.

In Wesseling befindet sich der größte Evonik-Standort im Raum Köln/Bonn. 350 der 1400 Beschäftigten gehören zur Plexiglas-Sparte von Evonik – und sie werden offenbar auch nach der Übernahme durch den Finanzinvestor Advent International gebraucht. Advent betont in einer Mitteilung, dass es den sogenannten Methacrylat-Verbund, den das Unternehmen für drei Milliarden Euro von Evonik erwirbt, zusammen mit den hoch qualifizierten Mitarbeitern und dem Management zu einem starken, unabhängigen Marktführer auf dem Gebiet entwickeln will. Substanzielle Investitionen in Mitarbeiter, Technologie und Werke seien Teil der Advent-Strategie. Außerdem betont Advent, dass man eine große Erfahrung mit der Mitbestimmung in der deutschen Industrie habe und großen Wert auf die Zusammenarbeit mit Arbeitnehmergremien lege.