Traditionsunternehmen: US-Investoren übernehmen Osram

Traditionsunternehmen : US-Investoren übernehmen Osram

Osram-Chef Olaf Berlien verteidigt den Einstieg von zwei US-Investoren, obwohl es für Standorte und Personal keine Garantien gibt. Auch die Gewerkschaft hält sich zurück.

Olaf Berlien wirbt vehement für den Verkauf seines Unternehmens. „Wir halten das Angebot für strategisch das Beste für Osram“, betont der Chef des angeschlagenen Münchner Lichtkonzerns. Das Angebot zum Kauf des 110 Jahre alten Traditionsunternehmens kommt von den beiden US-Finanzinvestoren Bain Capital sowie Carlyle Group. Berlien hält sie für die richtigen Partner zur richtigen Zeit.

Das Duo ist so finanzkräftig wie Osram hilfsbedürftig. Sanierung, Konzernumbau aber auch Zukaufsmöglichkeiten bekämen so mehr Feuerkraft, wie Berlien sich ausdrückt. Auch für bestehende Aktionäre und das Personal sei eine Übernahme durch Bain und Carlyle gut, obwohl es weder für Standorte noch die konzernweit 26.200 Stellen in der bereits ausgehandelten Investorenvereinbarung feste Garantien gibt.

Als Glücksfall möchte IG-Metall-Gewerkschafter Klaus Abel die mögliche Übernahme deshalb nicht bezeichnen. „Es ist aber eine positive Entwicklung“, meint Abel, der Vizechef des Osram-Aufsichtsrats ist. Für Personal und Werke bringe die Investorenvereinbarung zumindest keine Nachteile gegenüber der jetzigen Situation. Mitbestimmung und Tarifbindung blieben erhalten. Bain und Carlyle wollten Osram glaubhaft voranbringen. Von Vorstand und Investoren erwarte man nun ein Zukunftskonzept zum Erhalt und Ausbau deutscher Standorte.

Umsatz ging schon um die Hälfte zurück

In Sicht sind neue Abbaurunden aktuell nicht. Ebenso wenig aber ist der Technologiewandel der Lichtbranche zu Ende. Bis die Märkte neu verteilt sind, gibt es für die Osram-Belegschaft an Hochlohnstandorten wie Deutschland damit keine Entwarnung. Sie hat bereits massiven Stellenabbau hinter sich. Auch größere Unternehmensteile wurden zuletzt immer wieder verkauft. 3,8 Milliarden Euro setzt das Unternehmen heute um. Es war schon einmal fast das Doppelte.

Eher verhaltene Jubelschreie dürfte das Kaufangebot zudem bei bestehenden Eignern auslösen. Zwar sind die 35 Euro, die das Investorenduo für eine Osram-Aktie bietet, ein Aufschlag von gut einem Fünftel über den Durchschnittskurs der letzten Monate. Aber vor eineinhalb Jahren hat das Papier noch bei 80 Euro notiert. Schon deshalb ist es kein Selbstläufer, dass Bain und Carlyle die 70 Prozent Annahmequote erreichen, von der sie den Vollzug ihrer Offerte abhängig machen. Die Frist dafür läuft bis Anfang September.

Auch für Osram als Unternehmen sei eine Übernahme durch das Investorenduo das Richtige, wirbt Berlien. Beide stünden hinter der bestehenden Strategie zum Umbau in einen modernen Photonikkonzern, der Licht aus Leuchtdioden und Halbleitern für Großabnehmerbranchen wie die Autoindustrie erzeugt. Sie stehen offenbar auch hinter Berlien als Osram-Chef, obwohl es unter seiner Führung zuletzt steil nach unten gegangen und das Einkassieren von Gewinnprognosen zur unguten Tradition geworden ist. „Ich bin motiviert und arbeite gerne bei Osram“, betonte er und plant nun auch größere Zukäufe. Die könnte sich Osram ohne die Finanzkraft von Bain und Carlyle aber nicht leisten, sagt Berlien.

Keine räuberischen Absichten erkennbar

Räuberische Absichten kann er bei den Investoren nicht entdecken. Osram werde auch nach einer Übernahme in Deutschland und München Firmensitz bleiben. Alle Patente blieben im Haus. Da Bain und Carlyle bei einer Komplettübernahme den bis zu vier Milliarden Euro teueren Kauf nur zu einem Drittel mit Krediten finanzieren, was üblicherweise dem übernommenen Unternehmen aufgebürdet wird, bleibe auch der Verschuldungsgrad überschaubar.

Die Chancen für ein alternatives Übernahmeangebot durch andere Investoren oder Wettbewerber hält Berlien für gering. Er habe in den vergangenen Monaten viele Gespräche geführt. Ein verbindliches Angebot hätten nur Bain und Carlyle auf den Tisch gelegt. Das könnte zumindest vorläufig den Abschied von der Börse bringen – nur sechs Jahre nach der Abspaltung vom ehemaligen Mutterkonzern Siemens.