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Studie des Bundeskartellamts: Spritpreise schwanken an Tankstellen stark

Studie des Bundeskartellamts : Spritpreise schwanken an Tankstellen stark

In seiner Transparenzstudie, die es seit 2013 unternimmt, hat das Bundeskartellamt in Bonn festgestellt, dass die Preisdifferenz bei Diesel und Benzin innerhalb einer Region bis zu 20 Cent im vergangenen Jahr betrug. Für den Vergleich kann man eine App benutzen.

Wer mit dem Auto unterwegs ist und tanken will, sollte das möglichst erst abends tun. Denn die Preisunterschiede können an den Tankstellen im Tagesverlauf stark schwanken. „Innerhalb einer Stadt oder Region kann das durchaus bis zu 20 Cent pro Liter am Tag ausmachen“, sagte der Präsident des Bundeskartellamtes, Andreas Mundt.

Er und seine Behörde haben am Donnerstag den Jahresbericht der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe vorgestellt. Diese Institution arbeitet seit rund sechs Jahren. Wie ihr Name sagt, soll sie für mehr Transparenz bei den Kraftstoffpreisen sorgen. Die Wächter beobachten ständig den Handel mit Kraftstoffen und geben ihre Daten an in Deutschland zugelassene Dienste weiter. Deren Informationen wiederum können Verbraucher dann abrufen, heutzutage vor allem in Apps für Smartphones und Tablet-Computer oder auch Online im Internet.

Sparmöglichkeit von acht Euro pro Tankfüllung

Und das – so zeigt die Jahresbilanz für das vergangene Jahr – lohnt sich. Denn bei einem Tankvolumen von 40 Litern würde der Preisunterschied von 20 Cent mit glatt acht Euro zu Buche schlagen. Gerade auch für gewerbliche Fahrzeugflotten-Betreiber können sich Preisvergleich und bewusste Tankentscheidungen auszahlen. „Am Beispiel einer Spedition mit fünf 40-Tonnern haben wir ein Einsparpotenzial von über 12 000 Euro im Jahr berechnet“, sagte Mundt.

Zur Hauptpendlerzeit am Morgen sind die Preise an den Tankstellen seinen Berechnungen nach am teuersten. Im weiteren Tagesverlauf unterliegen sie starken Schwankungen und flauen tendenziell an den Abenden dann wieder ab: Zwischen 18.00 und 22.00 tankt es sich am günstigsten, während die Preise in der Nacht dann wieder anziehen.

An ein und derselben Tankstelle liegen die Preisunterschiede im Schnitt bei rund zehn Cent pro Liter am Tag. Vergleicht man die Tankstellen in einer Stadt, gibt es im Schnitt sogar Preisunterschiede von bis zu  20 Cent pro Liter am Tag.

Zwischen einzelnen Regionen, auch zwischen Stadt und Land, fallen die Unterschiede dagegen nicht so stark ins Gewicht. Dafür aber sind Autobahntankstellen und Autohöfe nach wie vor deutlich teurer als Tankstellen andernorts: Hier haben die Marktwächter Aufschläge von bis zu 25 Cent registriert.

Preise in der Corona-Krise im Sinkflug

Für das Jahr 2019, auf das sich die Auswertung des Kartellamtes bezieht, gab es zu Ostern und Pfingsten keine großen Ausschläge nach oben, wie man sie in den Vorjahren beobachten konnte. Und auch in diesem Jahr sind die Preise über Ostern nicht sprunghaft angestiegen. Im Gegenteil: Seit Wochen befinden sich die Tankstellenpreise auf dem Sinkflug aufgrund der Corona-Krise. Denn viele Menschen haben weniger Autofahrten angesichts der Kontaktbeschränkungen gemacht. Entsprechend gering war die Nachfrage nach Benzin und Diesel. „Wir sehen das an den Staus. Im Vergleich zur Zeit vor dem Lockdown war auf den Straßen deutlich weniger los““, sagte Andreas Hoelzel vom ADAC dieser Zeitung.

Auch der ADAC beobachtet und registriert die Preise an den Zapfsäulen wöchentlich. Demnach sind die Benzin- und Dieselpreise mittlerweile die elfte Woche in Folge gefallen. Zu günstigen Tageszeiten konnten aufmerksame Verbraucher ihren Diesel in der vergangenen Woche sogar zum Preis von unter einem Euro pro Liter betanken.

Die weltweite Corona-Krise hat sich auf verschiedenen Ebenen auf Öl- und Spritpreise ausgewirkt. Vor gut zwei Wochen etwa kam es auf den Weltölmärkten zu einem historischen Preisschock. In deren Verlauf ist der Ölpreis für bestimmte Verträge an den Terminmärkten zeitweise in den negativen Bereich gefallen. Bereits vorher war die weltweite Ölproduktion hoch und die Nachfrage ging im Zeichen der sich verstärkenden Corona-Krise mehr und mehr zurück. Zudem gab es Uneinigkeit zwischen dem Opec-Kartell und anderen Ölförderstaaten.

Nun sind die Öllager voll – und der aus den Quellen strömende Rohstoff muss zunehmend teuer gelagert werden. Zeitweise mussten Ölbesitzer an den Finanzmärkten genau dafür bezahlen; sie mussten also paradoxerweise etwa für amerikanisches Rohöl draufzahlen, um es loszuwerden.

Auch Heizöl ist billiger

Auch die Raffinerien der deutschen Mineralölwirtschaft haben ihre Produktion im März um etwas über zwei Prozent gedrosselt – und sie haben sich auf die veränderte Situation eingestellt. So haben sie etwa ihre Produktion von Flugkraftstoff deutlich zurückgefahren und im Gegenzug die Heizölproduktion massiv erhöht. Auch diese Entwicklung können sich Verbraucher freuen. Denn seit Jahresbeginn ist der Heizölpreis von über 70 auf rund 40 Euro für 100 Liter gefallen.

Mittlerweile haben sich die Ölpreise zumindest an den Weltmärkten wieder etwas erholt. Allerdings dürfte man das so schnell an den Tankstellen nicht bemerken. Denn zum einen schlagen solche Entwicklungen an den Zapfsäulen erst allmählich und zeitverzögert durch. Zum anderen machen mehr als die Hälfte der Spritpreise hierzulande Steuern und Abgaben aus.