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Stimmung in den Chefetagen verbessert

Ifo-Geschäftsklimaindex : Stimmung in den Chefetagen der Ifo verbessert

Die Deutsche Wirtschaft blickt wieder optimistischer in die Zukunft. Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist gestiegen.

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ist wieder besser – trotz einer Rezession in der Industrie. Das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer, der ifo-Geschäftsklimaindex, kletterte im November von 94,7 auf 95,0 Punkte. Der Index verbesserte sich damit den dritten Monat in Folge.

Dabei waren die etwa 9000 befragten Unternehmen zwar nur leicht zufriedener mit der aktuellen Geschäftslage, doch ihre Erwartungen an das kommende halbe Jahr stiegen deutlich um 0,5 Prozentpunkte. „Die deutsche Konjunktur zeigt sich widerstandsfähig“, sagte Clemens Fuest, Präsident des ifo-Instituts. Er rechnet mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 0,2 Prozent im vierten Quartal. Die Konjunktur bleibt aber gespalten: Das Verarbeitende Gewerbe bleibt zwar weiter in der Rezession, der Index sank im November nach einem zwischenzeitlichen Anstieg im vergangenen Monat. „Die Firmen planen, ihre Produktion weiter zu kürzen“, sagte Fuest.

Denn sie beurteilen ihre aktuelle Geschäftslage merklich schlechter. Allerdings sind ihre Erwartungen deutlich positiver. Bei den Dienstleistern lief es besser, während im lange boomenden Bauhauptgewerbe die Stimmung auf hohem Niveau etwas nachließ. Optimismus herrscht vor allem bei den Einzelhändlern, die sowohl ihre Lage besser einschätzen als einen Monat zuvor als auch ihre Erwartungen. Denn der Einzelhandel rechnet offenbar mit einem guten Weihnachtsgeschäft.

Ein Hoffnungsschimmer sei dazu gekommen, interpretiert Stefan Schneider, Chefvolkswirt Deutschland der Deutschen Bank, die Zahlen. „Ein klares Wendesignal ist das nicht“, meint Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen. Immerhin aber schienen sich die Stimmungsindikatoren stabilisiert zu haben. Ähnlich sehen das auch andere Ökonomen. Sie verweisen darauf, dass diese Stabilisierung vor allem auf die Entspannung im Handelsstreit zwischen den USA und China zurückzuführen sei als auch auf die gesunkene Wahrscheinlichkeit eines harten Brexit: „Für eine Entwarnung ist es immer noch zu früh“, meint Andreas Scheuerle von der Dekabank.

„Denn die Probleme, die in den letzten Monaten auf der Konjunktur lasteten, sind noch nicht gelöst.“  Im Industriesektor scheine man zwar allmählich die Talsohle erreicht zu haben, glaubt Carsten Brzeszki. Chefvolkswirt der ING Deutschland. Er verweist jedoch darauf, dass die Auftragseingänge in der Automobilindustrie so niedrig seien wie zuletzt Anfang 2013. Weil aber gleichzeitig die Lagerbestände noch hoch sind, lasse das wenig Gutes vermuten für den Ausblick der Industrie in der nahen Zukunft.

Auch wenn der amerikanische Präsident Donald Trump zunächst darauf zu verzichten scheint, Zölle auf die Einfuhr europäischer Autos zu verhängen – endgültig ist diese Entscheidung noch nicht. Die Automobilindustrie sei ohnehin zur Achillesferse der deutschen Wirtschaft geworden, so Volkswirt Scheuerle von der Dekabank: „Denn die Einhaltung der Klimaziele und der damit verbundene Wechsel der Antriebstechnologie stellt eine enorme Herausforderung dar“.

Die anhaltende Industrierezession hinterlasse deutliche Bremsspuren, stellt er fest und verweist auf die bescheideneren Tarifabschlüsse etwa in der chemischen Industrie. Eine kräftige Erholung der deutschen Wirtschaft ist demnach vorerst nicht zu erwarten, die Unsicherheit, die von den Handelskonflikten ausgeht, lasteten zu sehr auf der Wirtschaft, glaubt Volkswirt Solveen von der Commerzbank. Er rechnet deshalb für 2020 nur mit einer sehr verhaltenen Aufwärtsbewegung der deutschen Wirtschaft.