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GA-Klimazeitung: So steht es um Ladesäulen in Bonn

GA-Klimazeitung : So steht es um Ladesäulen in Bonn

Der Energieverband ist sich sicher: Für eine Million E-Autos brauchen wir 77.000 Ladepunkte. So sieht die Situation in Bonn aus.

Die Elektromobilität wird in Deutschland nur Fahrt aufnehmen – darin sind sich Experten weitgehend einig – wenn es genügend Ladesäulen gibt. „Damit Elektromobilität in Deutschland zur Erfolgsgeschichte werden kann, ist eine Grundausstattung mit öffentlich zugänglichen Ladepunkten unverzichtbar“, sagt Stefan Kapferer, Vorsitzender der Hauptgeschäftsführung und Mitglied im Präsidium beim Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). „Für eine Million E-Autos bräuchten wir nach unseren Berechnungen 70.000 Normallade- und 7000 Schnellladepunkte.“ Laut BDEW gibt es mit Stand März 2019 hierzulande gerade einmal 17.400 öffentliche und teilöffentliche Ladestationen von Energieunternehmen, Parkhaus- und Parkplatzbetreibern, Supermärkten und Hotels. Rund zwölf Prozent von ihnen seien sogenannte Schnelllader. Statistisch gesehen teilten sich damit zehn Fahrzeuge einen Ladepunkt. Damit kletterte die Zahl der Ladepunkte seit der letzten Verbandserhebung Ende Dezember 2018 um 1300.

Auch den Autoherstellern ist klar: Je schlechter die Lade-Infrastruktur, desto geringer das Interesse an Elektrofahrzeugen. Für Volkswagen-Chef Herbert Diess kann der Ausbau daher gar nicht schnell genug gehen: „Wir brauchen Ladeinfrastruktur“, sagte der Manager am Dienstagabend im ZDF. Deswegen, so Diess, beteilige sich der Autohersteller auch am Ausbau des Ladenetzes. Nur dann sei die konzerneigene E-Mobilitätsoffensive ab 2020 von Erfolg gekrönt.

Regionale Unterschiede

Der Ausbau mit Ladestationen für E-Autos ist allerdings regional sehr unterschiedlich. Die meisten öffentlich zugänglichen Ladepunkte gibt es laut BDEW in Hamburg (882), Berlin (779) und München (762). Köln landet mit 141 Stationen auf Platz acht. Bonn taucht in der Statistik nicht auf. Im verbandsbetreuten Ladesäulenregister (www.ladesaeulenregister.de) sind im Fünf-Kilometer-Umkreis um Bonn herum 41 Ladepunkte an 19 Ladestationen aufgeführt. Erweitert der Benutzer den Radius auf zehn Kilometer, werden 93 Ladepunkte an 45 Stationen angezeigt. Informationen über verfügbare öffentliche Ladesäulen hält auch die Bundesnetzagentur auf ihrer Internetseite www.bundesnetzagentur.de bereit.

Doch das Netz an Ladepunkten ist nicht nur löchrig. Es fehlt auch an einer einheitlichen Bedienung. Mal braucht der E-Autofahrer eine Ladekarte, mal gibt es nur Strom, wenn die zugehörige Smartphone-App aktiviert wird. Ein Ladesäulenbetreiber verlangt eine monatliche Grundgebühr und berechnet den Ladevorgang anschließend pauschal, ein anderer Anbieter berechnet den Strompreis je angefangene Stunde oder sogar minutengenau. „Die Abrechnungssysteme sind teilweise verwirrend“, konstatiert der Allgemeine Automobilclub (ADAC) nach einem eigenen Tarifcheck.

Auch auf privaten Grundstücken

Doch der BDEW ist sich sicher: Neben dem Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur müssen in den nächsten Jahren auch Hunderttausende Ladeeinrichtungen auf privaten Grundstücken errichtet werden. Kapferer: „Rund 85 Prozent der Ladevorgänge finden im privaten Bereich statt.“ Die Regierung müsse, so seine Forderung, endlich die Hürden bei der Errichtung von privaten Ladesäulen durch Fördermittel und Anpassungen im Miet- und Wohneigentumsrecht abbauen. Denn vor allem Mieter hätten rechtlich oft gar keine Möglichkeit, eine eigene Ladestation zu installieren. Unterstützung bei seiner Forderung erhält der Energieverband vom Verband der Automobilindustrie (VDA). Es hapere an der Infrastruktur von Gebäuden und damit an der entscheidenden Schnittstelle zwischen Immobilie und Fahrzeug, so der VDA. Die Gebäude seien in den allermeisten Fällen technisch nicht auf die Aufladung eines Elektrofahrzeugs vorbereitet.