Freie Fahrt für die Bahn bis Mitte 2021: So sieht die Tarifeinigung für die Lokführer aus

Freie Fahrt für die Bahn bis Mitte 2021 : So sieht die Tarifeinigung für die Lokführer aus

Verzicht auf weitere Arbeitsniederlegungen. Statt einer zweiten Lohnerhöhung können Beschäftigte auch kürzere Wochenarbeitszeiten wählen.

Bahnreisende können aufatmen – für fast zweieinhalb Jahre wird es bei der Bahn keine Streiks des Zugpersonals geben. Denn auch die zweite Bahngewerkschaft, die Lokführergewerkschaft GdL, hat sich mit der Bahn auf einen Tarifvertrag einigen können.

Den Rahmen des Tarifabschlusses mit den Lokführern bildet der Tarifvertrag, den die Bahn kurz vor Weihnachten schon mit der größeren Bahngewerkschaft EVG geschlossen hatte. Allerdings berücksichtigt die nun geschlossene Vereinbarung mit der der GdL auch einige Punkte, die speziell auf die Anforderungen von Lokführern zugeschnitten sind. „Das war auf den letzten Metern noch ein hartes Stück Arbeit“, sagte der Personalvorstand der Bahn, Martin Seiler am Freitagvormittag in Frankfurt. Bis zum Ende strittig waren noch offene Fragen etwa zur Arbeitszeit.

6,1 Prozent mehr Lohn in zwei Stufen sieht der Tarifvertrag der GdL vor – darauf hatte sich auch die EVG mit der Bahn geeinigt. Demnach sollen für alle zugbegleitenden Beschäftigten die Löhne im Juli um 3,5 Prozent angehoben werden. Im nächsten Sommer sollen es dann noch einmal 2,6 Prozent sein. Statt der zweiten Lohnerhöhung können die Beschäftigten auch kürzere Wochenarbeitszeiten wählen. Hinzu kommt noch eine Einmalzahlung von 1000 Euro.

Darüber hinaus waren für die Lokführergewerkschaft GdL aber auch Pausenregelungen oder Zulagen für Nacht- und Wochenendarbeit strittige Fragen. Die Zulagen für diese Schichten mit besonderen Anforderungen werden mit einem Volumen von eineinhalb Prozent steigen. Zentrales Anliegen speziell der Lokführer war überdies die strikte Trennung zwischen Arbeitszeit und Freizeit. Denn die war in der Vergangenheit unscharf geworden wegen der Kommunikation über Smartphones und Kleincomputer. „Wir haben eine messerscharfe Trennung von Arbeit und Freizeit erreicht“, so GdL-Chef Claus Weselsky.

Außerhalb ihrer Arbeitszeiten müssen die Lokführer nun nicht mehr ständig ihre Mails checken oder per Handy erreichbar sein für ihren Arbeitgeber. „Wir haben klar im Tarifvertrag vereinbart, dass keinerlei Verpflichtung besteht für die Beschäftigten außerhalb ihrer Dienstzeit, die elektronischen Medien zu bedienen“.

"Dieser Abschluss sendet ein klares Zeichen"

Mit einer ebenfalls in den Tarifverhandlungen beschlossenen Imagekampagne wollen Bahn und GdL zudem für die Berufe Zugbegleiter und Lokführer werben. Das ist dringend nötig, denn aktuell fehlen der Bahn rund 1000 Lokführer. Bundesweit, also eingeschlossen die privaten Bahndienstleister, sind es rund 1500. „Ich bin fest überzeugt, dass dieser Tarifabschluss auch ein klares Zeichen sendet, dass dieser Arbeitgeber seine Belegschaft wertschätzt“, sagte Weselsky in diesem Zusammenhang. Die streikerprobte GdL zeigt sich zufrieden mit den Ergebnissen – und der Tatsache, dass, die aktuellen Tarifverhandlungen mit der Bahn streikfrei über die Bühne gegangen sind. Im Rahmen der Tarifrunde mit der größeren Bahngewerkschaft EVG (Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft) hatte es kurz im Dezember noch einen Ausstand gegeben, der einen Vormittag lang den gesamten Fernverkehr lahmgelegt hatte.

In dieser Beziehung können Bahnreisende sich nun freuen. Denn der jetzt ausgehandelte und unterschriebene Tarifvertrag für die rund 36.000 Beschäftigten des Fahrpersonals der Bahn hat – ebenso wie der EVG-Tarifvertrag – eine Laufzeit von 29 Monaten. Solange also rollen die Züge bei der Bahn nun mindestens streikfrei.

Mit der Tarifeinigung kann sich die Bahn nun ganz darauf konzentrieren, an der Pünktlichkeit ihrer Züge zu arbeiten und die dringend benötigten Investitionen auf die Schiene zu bringen.

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