Kommentar zu geplatzter Fusion: Schwierige Konstellation

Kommentar zu geplatzter Fusion : Schwierige Konstellation

Bei dem Zusammenschluss wollten viele ein Wörtchen mitreden. Wohl zu viele, meint unser Autor Frank Rintelmann. Jetzt wurde der Zusammenschluss auf Eis gelegt.

Die Braut ziert sich und verweigert ihrem Bräutigam das Ja-Wort, der seinerseits entnervt die Vermählung platzen lässt. So ähnlich hat es sich zugetragen bei der jetzt gescheiterten Fusion zwischen Fiat Chrysler und Renault.

Um es klar zu sagen: Die abgesagte Ehe ist für die Kunden kein Verlust, schon eher für die beiden Konzerne. Beide Autohersteller hätten ihre Stärken bündeln und gemeinsam zum drittengrößten Autobauer aufsteigen können. Wie die gesamte Branche stehen auch der italienisch-amerikanische Konzern und sein französisch-japanischer Konkurrent unter immensem Erfolgsdruck und sind, jeder für sich genommen, zu klein für eine beherrschende Stellung auf dem Weltmarkt. Gerade im Hinblick auf den bevorstehenden Wandel im Mobilitätsmarkt hätten sich beide Konzerne gut ergänzt. Fiat, in Sachen Elektroantrieb eher schwach positioniert, hätte von Renault profitieren können. Die Absatzmärkte beider Autobauer hätten sich ergänzt. Renault, stark in Europa, wäre vielleicht auch auf dem nordamerikanischen Heimatmarkt von Chrysler in Fahrt gekommen. Gemeinsam hätten sie vielleicht sogar den Zukunftsmarkt China erobern können.

Jetzt also doch keine Fusion, statt dessen wohl nur eine intensive Kooperation. Woran hat es gelegen? Weniger am Brautpaar, mehr wohl an der Hochzeitsgesellschaft, in der viele ein Wörtchen mitreden wollten.

Der französische Staat als Renault-Miteigentümer mischte sich in die Verhandlungen ebenso ein wie die japanischen Renault-Partner Nissan und Mitsubishi oder die italienische Regierung. Keine einfache Konstellation, um zügig ans Ziel zu kommen.