Aus Stahl und Chips: Roboter Alex bedient Kunden bei Conrads Electronic

Aus Stahl und Chips : Roboter Alex bedient Kunden bei Conrads Electronic

Die Digitalisierung eröffnet dem Einzelhandel neue Chancen. Roboter Alex ermöglicht bei Conrad Electronic bereits persönlichen Service rund um die Uhr.

Alex kann freundlich mit seinen großen Kullerraugen blinzeln oder Kunden auch freundlich heranwinken. Beweglich ist der blauweiß verkleidete Roboter auch. Sein rechter Arm greift weit hinter dem Rücken eine Packung mit Batterien und legt sie auf ein kleines Fließband, das die Akkus zum wartenden Käufer transportiert. „Alle haben den Roboter am Ende lieb“, sagt der Chef der Elektronik-Handelskette Conrad, Jürgen Groth.

Der neue Verkäufer aus Stahl und Chips soll die Berliner fortan rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche mit den nötigsten elektronischen Kleinteilen versorgen. Im Minilager hinter seinem Rücken lagern die Teile, die Verbraucher auch am Abend oder am Wochenende schnell brauchen können: Batterien, Powerbanks, Adapter oder Einwegkameras zum Beispiel. Groth hätte dafür wohl auch einen einfachen Automaten installieren können. Doch der Familienunternehmer aus dem bayerischen Hirschau will sich als Technologieführer beweisen. „Der Einzelhandel muss sich zurückbesinnen“, sagt er und meint damit dessen Stärken gegenüber dem Geschäft im Internet. Die Waren seien verfügbar und in den Läden würden Kunden noch von Menschen beraten.

In anderen Filialen der Kette sind auch schon Roboter im Einsatz. Sie weisen den Kunden allerdings nur den Weg im Laden hin zur gesuchten Produktgruppe. Alex ist hingegen schon zum Verkäufer weiter entwickelt worden. Offenkundig nehmen Kunden den Humanoiden mit menschlichen Zügen mittlerweile an. Zwölf Mimiken kann dieser annehmen, zum Beispiel Zwinkern, sich schlafend stellen oder einen leicht verwirrten Gesichtsausdruck aufsetzen. Filialleiter Jochen Mädler betont, dass es hier nicht um den Ersatz von echten Verkäufern durch Maschinen geht, sondern um ein Erlebnis. „Wann hat man schon mal die Chance, einem humanoiden Roboter gegenüber zu stehen und ihn bei seiner Arbeit zu beobachten“, sagt er.

Die Brüder und Schwestern von Alex lassen sich in den Autofabriken beobachten. Dort setzen sie Schweißpunkte oder heben Karosserieteile auf das Band. Den elektronischen Werksarbeitern fehlt dabei das fröhliche Grinsen. Aus dieser Branche bringt der Entwickler des Verkaufsbots seine Kenntnisse mit. Roboterpionier Matthias Krinke führt die Firma pi4_robotics mit 50 Beschäftigten in Berlin. Die nächsten Schritte bei der Digitalisierung des Einzelhandels hat er schon im Kopf. Im kommenden Jahr sollen so genannte „click and collect“-Einkäufe möglich werden. Die Kunden bestellen ihre Waren im Internet, fahren dann zur nächsten Filiale, wo ein Roboter ihnen die gekauften Produkte aushändigt.

Über die zukünftige Rolle von Robotern im Einzelhandel hat sich der Ingenieur schon Gedanken gemacht. „Das ist die Wiederbelebung des Tante-Emma-Ladens“, hofft er. Die nächsten Generationen könnten die Kunden mit Namen begrüßen und mit all dem aushelfen, was im Haushalt gerade fehlt.

Die Personalisierung von Produkten ist Krinke zufolge der große Trend beim Einkauf, zum Beispiel beim Schuhkauf. „Einer will ihn rot, der andere blau, der dritte den Namen seiner Tochter aufgedruckt sehen“, erläutert er denkbare Optionen für die Kunden. „Noch stehen wir am Anfang von Künstlicher Intelligenz (KI) im Einzelhandel“, erläutert Stephan Tromp, Chef des Einzelhandelsverbands (HDE). Ein Großteil der Technologien befinde sich noch in der Erprobungsphase. „Vereinfachung, Individualisierung und Beschleunigung werden das Einkaufserlebnis der Kunden bestimmen“, glaubt Tromp. Roboter, die Kunden beraten und den Weg weisen oder den Verbrauchern Kaufempfehlungen geben, gehören zu den Werkzeugen der Zukunft.