Verbraucherschützer warnen: Preise bei Onlineshops schwanken stark

Verbraucherschützer warnen : Preise bei Onlineshops schwanken stark

Eine Studie der Verbraucherzentrale Brandenburg zeigt, mit welchen Tricks Verkaufsportale im Internet bei der Preisgestaltung arbeiten. Das müssen Käufer wissen.

Das Shoppen im Internet bietet viele Vorteile: Der Konsument findet eine riesige Produktvielfalt, kann bequem von zu Hause aus den Einkauf erledigen, ist von Öffnungszeiten unabhängig und hat die Chance, besondere Schnäppchen zu machen: Mit einem Klick kann er den Onlineshop wechseln und sich die Preise bei der Konkurrenz anschauen.

Doch so einfach ist das gar nicht. Die Hoffnung auf totale Preistransparenz löst sich spätestens dann in Luft auf, wenn der Käufer ein Produkt in den Warenkorb legt und feststellt, dass sich der Preis plötzlich verteuert hat. Weil bei den Verbraucherschützern immer wieder Beschwerden über solche als unfair empfundenen Preisfestsetzungen eingehen, hat sich die Verbraucherzentrale Brandenburg die Preisentwicklung erstmals genauer angeschaut. Viele empirische Untersuchungen habe es dazu noch nicht gegeben, stellte sie in der am Montag veröffentlichten Studie fest.

Preisdifferenz für eine Hose: 120 Euro

Was die Verbraucherschützer herausfanden, dürfte einige dann doch überraschen, denn mitunter wichen Artikelpreise um bis zu 105 Prozent vom mittleren Produktpreis ab. So kostete ein und dieselbe Hose bei Zalando an einem Tag 79,95 Euro und am nächsten Tag 199,95 Euro. Eine Differenz von 120 Euro.

Ein anderes Beispiel: Im Onlineshop von Mediamarkt wurde das Smartphone Samsung Galaxy S8 je nach Kaufzeitpunkt für bis zu 800 Euro oder zu 580 Euro angeboten. Selbst technisches Zubehör zu kleineren Preisen wies deutliche Schwankungen auf: Ein USB-Kabel erreichte eine Spanne von 1,75 Euro bis 6,79 Euro.

Auch bei Autoteilen zeigten sich mitunter große Unterschiede in der Preisgestaltung: Ein Satz Reifen beim Reifen-Onlinehändler Tirendo wurde in der beobachteten Periode zu 16 verschiedenen Preisen verkauft. Im günstigsten Fall zahlte ein Kunde 110 Euro, im ungünstigsten Fall 200 Euro.

Bei der Online-Apotheke Sanicare fanden mehrmals täglich Preiserhöhungen und Preissenkungen statt. Auffällig war, dass 17 Produkte sich im Schnitt um 26 Prozent im Laufe des Tages verteuerten, aber die reduzierten Artikel nur um sechs Prozent im Preis sanken. Der Preis für eine Trinknahrung erhöhte sich sogar um 88 Prozent, nämlich von 8,45 Euro auf 15,89 Euro. Sanicare ist auch der Anbieter, der im Untersuchungszeitraum 87 Prozent der beobachteten Artikel variierte. Von allen 16 untersuchten Onlinehändlern hielt nur die Shop-Apotheke ihre Produktpreise stabil.

Kein realistisches Preisgefühl

Dabei war die Häufigkeit der Preisveränderungen auch sehr unterschiedlich. Laut der Verbraucherzentrale änderte der Baumarkt Obi seine Preise auf der Internetplattform für bestimmte Artikel fast täglich. Der Preis einer Fensterbank veränderte sich in 34 Tagen 29 Mal und der eines Betonestrichs 32 Mal.

Die Verbraucherschützer kommen zum Schluss, dass die „dynamische Preisfestsetzung“ ein „digitales Phänomen“ sei. Sie kritisieren, dass für Konsumenten daraus ein „wenig verlässliches Preisgefüge“ entstehe. Ihnen bleibe nichts Anderes übrig, als die Preise über einen längeren Zeitraum kontinuierlich zu beobachten.

Ein „realistisches Preisgefühl“ könne dadurch aber nicht entstehen. „Die mangelnde Transparenz führt zu Vertrauensverlust in den Onlinehandel und im schlechtesten Fall zu einer Abkehr von Onlineanbietern, die häufig ihre Preise dynamisch anpassen“, heißt es in der Studie, die auch erwähnt, dass die Monopolkommission sich des Themas inzwischen angenommen habe.