Kommentar zur Ungleichheit: Norwegen macht's vor

Kommentar zur Ungleichheit : Norwegen macht's vor

Die Idee klingt utopisch. Ist sie auch. Ein „bedingungsloses Kapitaleinkommen“ schlägt das gewerkschaftsorientierte Institut für Makroökonomie (IMK) vor. Immerhin öffnet sich die Diskussion für neue Einkommensformen.

Der Staat soll beispielsweise Aktien kaufen und die Gewinne, die normalerweise nur einer schmalen Bevölkerungsschicht zugute kommen, an alle Bürger umverteilen – als regelmäßiges Geschenk aus Berlin.

Bevor jetzt Jubel ausbricht: Es würde 40 oder 50 Jahre dauern, bis mit einem solchen Modell Geld fließt. Trotzdem ist der Vorschlag grundsätzlich gut. Denn Einkommen aus Kapital steigen oft stärker als Verdienste aus Arbeit. An diesem Widerspruch leidet auch die bundesdeutsche Gesellschaft. Norwegen macht vor, was geht. Gut 800 Milliarden Euro enthält mittlerweile der dortige Staatsfonds. Allein aus den Zinsen könnte jeder Bürger des skandinavischen Landes locker 500 Euro monatlich erhalten. Wenn eine Regierung es will, lässt sich so ein starker Hebel gegen soziale Spannungen konstruieren.

Bisher lehnen die meisten hiesigen Sozialdemokraten und Gewerkschafter Ideen ab, die irgendetwas mit Grundeinkommen zu tun haben. Dazu hängen sie zu sehr an der Kultur der bezahlten Arbeit. Wie der Vorschlag des IMK aber zeigt, öffnet sich die Diskussion. In Finnland veranstaltet die Regierung bereits ein zweijähriges Experiment mit einem Grundeinkommen. Und in Schleswig-Holstein hat die Koalition vereinbart, einen Versuch wenigstens mal in Erwägung zu ziehen.

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