Kommentar zu Daimler: Neuerliches Desaster

Kommentar zu Daimler : Neuerliches Desaster

Die Vorgänge aus den Jahren 2012 bis 2015 zeigen einmal mehr, dass die vielgepriesene deutsche Ingenieurskunst eingesetzt wurde, um eine zumindest langfristig aussterbende Technologie mit zweifelhaften Mitteln am Leben zu erhalten.

Auch gut drei Jahre nach der Entdeckung des Dieselskandals ist die Aufarbeitung noch nicht beendet. Diesmal droht Daimler der öffentliche Pranger, sollten sich die Vorwürfe des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) bestätigen. Wieder einmal geht es um verbotene Manipulationen der Abgasreinigung von Dieselfahrzeugen. Das Prinzip ist ein bekanntes. Mittels einer trickreichen Programmierung der Technik halten die Fahrzeuge die Stickoxidgrenzwerte auf dem Prüfstand ein. Sobald das Auto im normalen Verkehr unterwegs ist, schaltet das Programm um und der Wagen bläst viel mehr Schadstoffe in die Umwelt als erlaubt.

Stimmen die Berichte darüber, wäre es für Daimler-Chef Dieter Zetsche ein neuerliches Desaster. Er hatte versprochen, dass der Konzern keine verbotene Software eingesetzt habe. Seine Glaubwürdigkeit ist dahin, zumal die Behörden zuvor schon bei anderen Motoren seines Hauses fündig wurden. Der Öffentlichkeit zeigen die Vorgänge aus den Jahren 2012 bis 2015 einmal mehr, dass die vielgepriesene deutsche Ingenieurskunst eingesetzt wurde, um eine zumindest langfristig aussterbende, aber sehr ertragreiche Technologie mit zweifelhaften Mitteln am Leben zu erhalten.

Schließlich ist es auch für Verkehrsminister Andreas Scheuer eine peinliche Angelegenheit. Der CSU-Minister tut alles, um die heimische Autoindustrie so gut es geht zu schützen. Sie dankt es ihm schlecht, wie auch die Verzögerungen bei der Softwarenachrüstung von Millionen Dieselautos zeigen. Dabei brechen für den wichtigsten Industriezweig Deutschlands entscheidende Jahre an, denn die Elek-tromobilität verändert die Branche mit ungewissem Ausgang für ihre vielen großen und kleinen Unternehmen und deren Beschäftigten. Dafür ist ein Zukunftspakt aller Beteiligten nötig. Doch der braucht Vertrauen, das die großen Hersteller bisher nicht zurückgewinnen konnten.

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