Autobauer im Aufwind: Nach 20 Jahren: Opel wieder mit Gewinn

Autobauer im Aufwind : Nach 20 Jahren: Opel wieder mit Gewinn

Der lange Zeit kriselnde Autobauer Opel ist zurück in der Gewinnspur. Chef Michael Lohscheller spricht von erfolgreicher Zusammenarbeit mit der Konzernmutter PSA, Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer sieht die Entwicklung kritischer.

Opel ist wieder zurück in der Gewinnspur: Im vergangenen Jahr verbuchte der Autobauer aus Rüsselsheim einen operativen Gewinn von 859 Millionen Euro. Es ist der erste Gewinn nach 20 Jahren kontinuierlicher Verluste. „Was für eine Wende: Von null auf hundert in Millisekunden“, sagte Auto-Analyst Jürgen Pieper aus dem Bankhaus Metzler angesichts des ersten Gewinns bei Opel nach zwei Jahrzehnten Verlusten. „Großartige Arbeit, die Michael Lohscheller und Carlos Tavares abgeliefert haben“.

Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen sieht das etwas kritischer. Er vermutet, dass Opel viele seiner Autos vor allem auf Grund hoher Rabatte an die Kunden gebracht hat. So habe Opel vor allem durch Eigenzulassungen Fahrzeuge in den Markt gehoben, Privatkundenzulassungen seien dagegen weiter gesunken. „Man könnte fast sagen, Opel hat sich zur Gebrauchtwagen-Marke entwickelt.“ Denn Eigenzulassungen sind eine Möglichkeit der Konzerne, Autos in den Markt zu drücken, die dann als Tageszulassungen mit wenigen Kilometern auf den Tacho zu erheblichen Rabatten als junge Gebrauchte an die Kunden gehen.

Abbau von 3700 Stellen

Wie auch immer zu Stande gekommen – immerhin weist Opel nach zwei Jahrzehnten Verlusten nun erstmals wieder Gewinne aus. „Es gibt in unserer Branche nicht viele Beispiele für ein so erfolgreiches Comeback“, sagte denn auch Opel-Chef Michael Lohscheller. „Und diese Bilanz ist ein schönes Beispiel für eine erfolgreiche deutsch-französische Zusammenarbeit“. Die Zusammenarbeit musste sich allerdings nach der Übernahme im August 2017 durch die französische Konzernmutter PSA erst einstellen. Zentraler Bestandteil der Zusammenarbeit in der neuen Konzernstruktur war ein Sparprogramm unter Federführung des PSA-Chefs Carlos Tavares und Lohscheller.

Im Zuge dessen hatten Betriebsrat und Unternehmensführung über Vorruhestandsregelungen und Abfindungen den Abbau von 3700 Stellen vereinbart. Im Gegenzug hatten PSA und Opel der Arbeitnehmerseite zugesichert, kein Werk zu schließen – und bis 2023 auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten.

Weiter für Streit dagegen sorgt die Zukunft des Entwicklungszentrums in Rüsselsheim. Denn das Unternehmen will einen Teil der Forschungsabteilung mit 2000 der knapp 7000 Ingenieure an den französischen Dienstleister Segula verkaufen. Allerdings haben das Unternehmen der Betriebsrat und die Gewerkschaft IG Metall darüber noch keine Einigung gefunden.