Mittelrheinbahn: Fahrplanänderungen wegen Fachkräftemangel

Lokführer fehlen : Mittelrheinbahn streicht Verbindungen wegen Fachkräftemangel

Bundesweit fehlen 1500 Lokführer. Das bekommen letztlich die Fahrgäste der Bahn zu spüren. Das private Eisenbahnunternehmen Trans-Regio dünnt deswegen am Mittelrhein den Fahrplan aus.

Traumberuf Lokführer? Das war einmal. Die Eisenbahnbranche leidet zunehmend unter Fachkräftemangel. Nach Angaben der Gewerkschaft der Lokführer (GDL) gibt es bundesweit etwa 28 000 Lokführer. Rund 1500 fehlen laut GDL. Der Personalmangel geht in Rheinland-Pfalz jetzt so weit, dass zwischen Mainz und Koblenz monatelang der Fahrplan ausgedünnt wird: Wie das Eisenbahnverkehrsunternehmen Trans-Regio mitteilt, fallen bei der Mittelrheinbahn ab dem 6. Mai werktags einige Verbindungen teilweise oder ganz aus.

„Die bundesweit angespannte Personalsituation bei Lokführern, die momentan bei vielen Betrieben zu Fahrplanabweichungen führt, hat auch die MittelrheinBahn erfasst“, erklärte das Unternehmen in Koblenz. „Um nicht an einzelnen Tagen und zu immer wieder unterschiedlichen Zeiten unser Angebot anpassen zu müssen, werden wir für den Zeitraum ab dem 6. Mai bis voraussichtlich 30. August einen reduzierten, aber verlässlichen Ersatzfahrplan veröffentlichen.“

Intensive Bemühungen Personal und Ausbildung

Man bemühe sich „intensivst“ um Personal und Ausbildung, aber auch um das Gesundheitsmanagement für Mitarbeiter. Trans-Regio betreibt unter anderem die Linie RB 26, die auch Bonn und Köln bedient. Dort sollen die Ausfälle im Rheintal keine Auswirkungen haben, erklärte der Zweckverband Nahverkehr Rheinland (NVR) auf Anfrage: „Uns gegenüber hat Trans-Regio als Betreiber der Mittelrheinbahn versichert, weiter intensiv an der Behebung des vorhandenen Personalproblems zu arbeiten“, so Sprecherin Jessica Buhl.

Sollte es im Köln/Bonner Raum am Ende doch zu Engpässen kommen, müsste der Bahnbetreiber Strafzahlungen an den NVR leisten. Der Zweckverband kassiert sogenannte Pönale von Eisenbahnverkehrsunternehmen – etwa dann, wenn deren Züge zu spät sind oder ausfallen, egal, ob technische Defekte oder Personalmangel die Ursache sind. Wie viel der NVR dadurch einnimmt, will er mit Hinweis auf vertrauliche Vertragsinhalte nicht sagen. In früheren Jahren waren es pro Jahr mehrere Millionen Euro, die der Verband dann wieder in Angebote auf der Schiene investiert.

Offensive Werbung sorgt für Aufsehen

Der Personalmangel ist laut NVR „ein Problem, mit dem alle Eisenbahnverkehrsunternehmen zu kämpfen haben“. So sorgte National Express im Februar mit offensiver Werbung für Aufsehen. Ziel war es, von der Bahn-Tochter DB Regio Lokführer abzuwerben. National Express betreibt ab Sommer den RE 5 (Koblenz-Köln-Emmerich), der aktuell noch unter DB-Logo fährt. DB Regio reagierte „empört“. Ebenfalls im Februar wurde bekannt, dass die Nordwestbahn am Niederrhein und in Westfalen Regionalbahnlinien teilweise nicht mehr bedienen kann – auch dort fehlte Personal.

Aus Sicht von GDL-Sprecherin Gerda Seibert ist der Lokführermangel bei der Bahn hausgemacht. „Es wurden über Jahrzehnte Stellen abgebaut“, sagte sie auf Anfrage. Mit Blick auf den geplanten Börsengang sei nicht nur bei der Infrastruktur, sondern auch beim Personal gespart worden. Hinzu komme, dass die Bahn bezüglich selbstfahrender Züge falsche Signale gesendet habe: „Es hieß, dass 2021/22 autonome Züge fahren. Welcher junge Mensch will denn da Lokführer werden?“ Bis es so weit sei, würden noch Jahrzehnte vergehen, so Seibert. Attraktiver werde der Beruf des Lokführers nur, wenn die Arbeitsbedingungen verbessert würden: Der Schichtdienst verlange Lokführern einiges ab.