Kommentar zu Altmaiers Industriestrategie: Meilenweit auseinander

Kommentar zu Altmaiers Industriestrategie : Meilenweit auseinander

Es ist längst Zeit für einen Wechsel an der Spitze des Bundeswirtschaftsministeriums, meint unser Autor.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass Unternehmen oder deren Verbände Kritik an der Bundesregierung üben. Der Ärger richtet sich selten gegen den Wirtschaftsminister. Über den Ressortchef wird allenfalls hinter verschlossenen Türen geschimpft. Im Falle des amtierenden Ministers Peter Altmaier ist es anders. Die Wirtschaft und nun auch der Leiter des wichtigsten wissenschaftlichen Beratergremiums, der „Wirtschaftsweise“ Christoph Schmidt, dreschen öffentlich auf Altmaier ein.

Inhaltlich geht es um die Industriestrategie, die der Minister zu Papier gebracht hat. Darin setzt Altmaier auf eine staatliche Steuerung der Wirtschaft. So sollen große und schlagkräftige Unternehmen entstehen, die im Wettbewerb mit China und den USA mithalten können. Die Experten verweisen hingegen auf die bisherigen Stärken der deutschen Wirtschaft: die mittelständische Struktur, die Innovationskraft und die dahinter stehende gute Forschungslandschaft. Diese Vorzüge auszubauen, statt nur auf Größe zu setzen, ist das Credo der Fachleute. Beide Seiten liegen hier meilenweit auseinander.

Eine gute Strategie kommt am ehesten heraus, wenn sie von den Betroffenen mitentwickelt wird. Verbände und Wissenschaft haben deutlich zu verstehen gegeben, was sie vom Alleingang Altmaiers halten: nichts. Schon zuvor waren sie sauer, weil aus dem Wirtschaftsministerium kaum mehr als Ankündigungen kamen. Es ist längst Zeit für einen Wechsel an der Spitze des Hauses.

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