Wandel in der Systemgastronomie: McDonald's setzt auf mobiles Bezahlen

Wandel in der Systemgastronomie : McDonald's setzt auf mobiles Bezahlen

Mit mobilem Bestellen und Bezahlen will sich McDonald's branchenweit an die Spitze der Digitalisierung setzen. Eine App hat der US-Konzern hier zu Lande an Ostern unter deutschen Smartphone-Nutzern verbreitet.

„Die Gastronomie als Branche ist hinten dran“, räumt Nicolas von Sobbe ein. Der Digitalchef von McDonald's Deutschland spricht von mobilem Bestellen und Bezahlen per Smartphone vorzugsweise über eine firmeneigne App. Ab sofort ist das in 30 der knapp 1500 heimischen Filialen von Deutschlands größter Restaurant-Kette möglich. Zum Jahreswechsel sollen 200 und im ersten Halbjahr 2019 dann rund 900 Filialen diesen digitalen Service anbieten, kündigte der Manager bei dessen Vorstellung in München an. Zwar ist McDonald's damit auch in der eigenen Branche kein Vorreiter. Als solcher gilt die Kaffeehaus-Kette Starbucks. Aber den umfangreichsten digitalen Service beansprucht die Burgerkette nun schon für sich.

Eine McDonald's-App, auf der mobiles Bestellen und Bezahlen basiert, hat der US-Konzern hier zu Lande an Ostern unter deutschen Smartphone-Nutzern verbreitet und damit jeden zehnten von ihnen erreicht. Das entspricht rund fünf Millionen potenziellen Kunden, von denen sich etwa drei Millionen auch bei der Burgerkette mit Daten registriert haben. Bislang haben sie nur digitale Gutscheine über die App erhalten. Nun können sie damit auch Ordern, Lieblingsessen speichern und über Verknüpfung mit einer Kreditkarte bezahlen. Weitere Bezahlmöglichkeiten wie die in Deutschland verbreitete EC-Karte sollen folgen.

Im Versuch das hier zu Lande wie sonst kaum irgendwo beliebte Bargeld zurückzudrängen setzt der Handel getrieben von Google- oder Apple-Pay auf Bezahlen per Smartphone. Deutschland gilt bei dieser Technologie als internationaler Nachzügler. In den USA gibt es eine McDonald's-Bezahlapp schon seit vorigem Jahr. „Dort haben wir den Umsatz pro Kunden damit fundamental gesteigert“, erklärt Sobbe den Reiz für sein Haus. Genauer will er auch auf Nachfrage nicht werden. Ein anderer Vorteil ist, dass McDonald's bislang oft anonyme Fastfoodliebhaber per App in eine Art digitale Kundenkartei bringt. Denn um sie zu nutzen, muss man sich registrieren.

Vorteile für Kunden halten sich in Grenzen

Dadurch lässt sich individuelles Essverhalten feststellen und in maßgeschneiderte Werbung oder Sonderangebote ummünzen, erklärt Sobbe. An Dritte weiterverkaufen wolle man so gesammelte Erkenntnisse über Kundenverhalten aber nicht. „Wir verkaufen keine Daten“, verspricht der Digitalchef. Bei der schon jetzt mehrere Millionen App-Nutzer umfassenden Digitalkartei sei aber perspektivisch nicht ausgeschlossen, dass die Fastfood-Kette nicht nur Gastronomisches per App offeriert. „Wir werden auch mit strategischen Partnern andere Produkte anbieten“, kündigte Stobbe an und nannte Socken im Winter als ein Beispiel.

Die Vorteile der App für Kunden halten sich dagegen in Grenzen. Schneller zu Bestellung komme man dadurch außer in Stoßzeiten eher nicht, räumt der Manager ein. Das liegt schon daran, dass eine Order erst nach erfolgter Bezahlung bearbeitet wird, um Fake-Bestellungen zu verhindern Beglückt werden App-Nutzer wöchentlich mit einem Gutschein. Kommt es so wie in den USA, steigt die Rechnung für den Einzelnen durch davon ausgelöste Kaufanreize unter dem Strich aber dennoch.

McDonald's baut darauf, dass Bezahlen per App vor allem unter jüngerer Kundschaft als „cool“ angenommen wird. App-Nutzern wird eine Bestellung auch am Tisch serviert. Weil die Kasse als Arbeitsplatz bei McDonald's künftig weitgehend wegfällt, wird das Personal für derartigen Service frei. Stellen abgebaut werden sollen durch die Digitalisierung nicht, sagt Stobbe. Die Bezahl-App wird nach den USA parallel nicht nur in Deutschland sondern an den anderen großen McDonald's-Märkten Großbritannien, Frankreich, Australien und Kanada ausgerollt. Sie ist Teil einer Modernisierungsstrategie, die sich McDonald's und Franchisepartner zusammen bis Ende 2019 rund eine halbe Milliarden Euro kosten lassen.