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Folgen des Coronavirus : Lieferengpässe in deutscher Autoindustrie erwartet

Folgen des Coronavirus : Lieferengpässe in deutscher Autoindustrie erwartet

Die deutsche Wirtschaft wird die Auswirkungen der Virus-Epidemie in China zu spüren bekommen, schätzen Experten. Als weltweit größter Exporteur von Autoteilen könnte es in dieser Branche besonders schmerzhaft werden.

Die Corona-Epidemie in China wird die Wirtschaft hierzulande wahrscheinlich bremsen. Zumindest sprechen die Volkswirte der Bundesbank in ihrem Monatsbericht von Konjunkturrisiken für die ohnehin geschwächte deutsche Wirtschaft. Demnach könnte insbesondere die exportorientierte Industrie unter dem Ausbruch der Lungenkrankheit leiden. Denn durch die Sicherheitsvorkehrungen könnten globale Wertschöpfungsketten gefährdet werden. „Lieferengpässe in einzelnen Branchen hierzulande wären die Folge.“

Für die hiesige Wirtschaft zentral steht dabei natürlich die Autoindustrie im Fokus. Und die ist einer Studie zufolge auch besonders betroffen. „Die Automobilindustrie hat sowohl innerhalb Chinas als auch global relativ komplexe Lieferketten“, sagt Autoexperte Nikolaus Lang von Boston Consulting. „Und die sind durch die Isolierung der Region rund um Wuhan davon betroffen.“ Lang und seine Kollegen haben in einer Studie die Auswirkungen der Lungenkrankheit auf die Autoindustrie untersucht.

Dazu passt, dass Volkswagen angekündigt hat, die Produktion in den Gemeinschaftswerken mit Shanghai Automotive nicht wie geplant mit Beginn dieser Woche, sondern erst am kommenden Montag wiederaufzunehmen. Der Grund: Es gebe Probleme in Lieferketten und Logistik. Auch stellten die eingeschränkten Reisemöglichkeiten der Produktionsmitarbeiter ein Problem dar.

Autoherstellerverband: Eine Million weniger verkaufte Fahrzeuge

Der chinesische Autoherstellerverband rechnet mit rund einer Million weniger verkaufter Fahrzeuge durch die Lungenkrankheit in diesem Jahr. „Man kann sagen, die Regel lautet: Solche Vorfälle beeinflussen die Industrie dann, wenn sie länger als zwei Wochen dauern“, sagt Autoanalyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. „Was bis zwei Wochen dauert, das kann man in der Regel durch Sonderschichten ganz gut auffangen. Aber danach kostet das dann richtig Geld“.

Die Berater bei Boston Consulting haben errechnet, dass in der vom Virus am meisten betroffenen chinesischen Provinz Hubei jährlich rund zwei Millionen Autos von den Bändern rollen – das sind acht Prozent der gesamten Fahrzeugproduktion in China. Bei leichten Nutzfahrzeugen sei Hubei nach der Provinz Guangdong an der Grenze zu Hongkong zweitwichtigster Produktionsstandort. Auch Gemeinschaftsunternehmen mit Honda, der Peugeot- und Opelmutter PSA und Renault haben ihre Hauptsitze in der abgeriegelten Provinzhauptstadt Wuhan. Dazu kommen noch rund 700 in- und ausländische Autozulieferer, die in der Region Teile für die globale Autoindustrie herstellen. „21 Prozent der in den USA verbauten Lenkräder stammen direkt aus Wuhan. Dementsprechend kann sich das natürlich auswirken“, sagt Nikolaus Lang.

China weltweit größter Exporteur von Autoteilen

China ist der weltweit größte Exporteur von Autoteilen. Deswegen wird das Virus sich aller Voraussicht nach eben auch andernorts in der Autoproduktion auswirken. Denn die Autoindustrie ist besonders stark international organisiert – und damit in ihren Lieferketten auch abhängig. Diese Abhängigkeit von China gilt für die deutschen Autobauer zudem noch in anderer Hinsicht. Denn China ist zum wichtigsten Automarkt für die meisten deutschen Hersteller aufgestiegen. Jürgen Pieper meint deswegen, dass die Corona-Krise in China in den Bilanzen der deutschen Autohersteller deutliche Spuren hinterlassen wird – durch Umsatzeinbußen im Milliardenbereich.

Einige Hersteller wie BMW haben die Bänder in manchen chinesischen Fabriken in dieser Woche langsam wieder anlaufen lassen. Auch heißt es in München, dass andere Werke außerhalb Chinas bislang noch keine größeren Probleme bekommen würden. Toyota teilte mit, dass zwei seiner Fabriken in China am Montag wieder eröffnet worden seien. Solche Nachrichten sind es unter anderem, die trotz des Corona-Virus an der Börse für Zuversicht sorgen. Zudem hat die chinesische Regierung Steuersenkungen in Aussicht gestellt und die chinesische Notenbank erneut die Zinsen gesenkt.