Kommentar zur Vernichtung von Retouren im Online-Handel: Kunden tragen Verantwortung

Kommentar zur Vernichtung von Retouren im Online-Handel : Die Macht der Kunden

Online-Händler vernichten Millionen von Retouren. Machen Verbote Sinn? Nein, meint die Kommentatorin des Bonner General-Anzeigers. Auch die Kunden tragen mit ihrem Konsumverhalten Verantwortung.

 Keine Frage: Jede funktionsfähige Ware, die im Müll landet, ist ein Verlust. Die Vernichtung von Retouren schadet der Umwelt und ist volkswirtschaftlich unsinnig. Trotzdem machen es sich diejenigen zu einfach, die reflexhaft dem Onlinehandel die alleinige Verantwortung für das Problem aufbürden. Statt nach weiteren Verboten zu rufen, sollte die Politik die Rahmenbedingungen vernünftig setzten. Derzeit müssen Unternehmen  für Sachspenden Umsatzsteuer entrichten. Das ist ein Grund dafür, dass verschenken manchmal teurer als vernichten ist.

Auch die Kunden haben es in der Hand, wie viel Müll sie produzieren. Wer Ware ordert und in gebrauchtem Zustand retourniert braucht sich nicht beschweren, wenn der Händler die Produkte vernichten lässt. Sinnvoller als die wohlfeile Empörung über den Onlinehandel ist es, das eigenen Komsumverhalten generell zu überdenken. Was braucht man wirklich? Was landet auch im eigenen Haushalt ohnehin bald im Müll? Welche Produkte lassen sich einfach ausleihen, statt sie zu kaufen? Das sind die – teils  unangenehmen – Fragen, die sich jeder einzelne stellen kann.

Dazu kommt: Bei bestimmten Retouren wie Lebensmittelnund hygienisch bedenklichen Waren führt kein Weg daran vorbei, dass sie genau wie ausrangierte Dinge im Haushalt im Müll landen. Und hier fängt das eigentliche Problem an: Die Recyclingquote in Deutschland ist erschreckend gering. Bei Plastikmüll werden gerade einmal 16 Prozent wiederverwendet. Der Rest des mühsam im gelben Sack gesammelten Abfalls landet entweder in der Verbrennung oder wird ins Ausland verschifft. Hier wären Verbote angebracht.

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